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Branchenmeldungen 11.01.2021

Kopftuch ≠ Lehrstelle: Schweizer Praxis verweigert Ausbildungsplatz

Kopftuch ≠ Lehrstelle: Schweizer Praxis verweigert Ausbildungsplatz

Im Unterbaselbiet erhielt eine 22-jährige Muslima eine Absage auf ihre Bewerbung in einer Zahnarztpraxis. Der Grund: ihre Kopfbedeckung.

Für eine junge Bewerberin im Baselland hat sich der Traum von einer Ausbildungsstelle in einer Zahnarztpraxis vorerst in Luft aufgelöst: Sie erhielt eine Absage. Doch damit nicht genug – bereits seit drei Jahren sei sie auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle im medizinischen Bereich, bislang jedoch ohne Erfolg.

Der Grund für die Häufung der Absagen wird mit ihrer Religion in Verbindung gebracht – die Muslima trägt Kopftuch und möchte darauf auch im Berufsalltag nicht verzichten. Die Absage ihrer Wunschpraxis erhielt die Bewerberin per Mail. Darin stellte die Praxisinhaberin infrage, ob eine kopftuchtragende Auszubildende in ihre Praxis passe. Weiterhin führte sie aus, dass sie Respekt vor der eigenen Kultur erwarte, man hätte sich in einem fremden Land den dortigen Gegebenheiten anzupassen. Zu einem persönlichen Gespräch zwischen beiden kam es folglich nicht.

Für die 22-Jährige war dies ein Schock, sie hatte sich eine andere Reaktion erhofft. „Ich dachte wirklich, mir schreibt hier jemand, der mich als Feind sieht. Ich war total schockiert, für mich ist das einfach nur Diskriminierung und Rassismus“, wird sie unter anderem bei telebasel.ch zitiert. Die Frau besitzt sowohl den türkischen als auch den schweizerischen Pass.

Zurückweisung wegen Kopftuch alltäglich

Die Bewerberin musste derartige Situationen schon sehr oft erleben. Auch fand sie eine große Anzahl Betroffener, die ihre Erfahrungen teilt – dies stellte sie fest, als sie mit ihrem Erlebnis in jener Zahnarztpraxis an die Öffentlichkeit ging. „Meine Noten in der Schule waren immer gut, dazu spreche ich fünf Sprachen. Ich kann mir wirklich nicht erklären, was außer meines Kopftuchs der Grund für all die Absagen sein sollte“, soll sie gesagt haben.

Als Folge des unschönen Ereignisses versendete die junge Frau nur noch Bewerbungen ohne Foto, und immerhin – sie schaffte es bis zum Probearbeitstag. Doch auch hier war das Kopftuch schlussendlich das K.-o.-Kriterium.

Das Kopftuch bei der Arbeit ablegen, so wie es ihr von anderen Betroffenen nahegelegt wurde, möchte die Ausbildungssuchende nicht. Es bleibt zum jetzigen Zeitpunkt also offen, wie es für die junge Frau weitergehen wird. Inwieweit rechtliche Schritte und Konsequenzen grundsätzlich möglich sind, soll jetzt ggf. geprüft werden – das Schweizer Arbeitsrecht enthält kein spezifisches Diskriminierungsverbotsgesetz.

Quellen: telebasel.ch, bzbasel.ch

Foto Teaserbild: michaeljung – stock.adobe.com

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