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Branchenmeldungen 20.02.2018

Studie untersucht Zwangshaltungen in der Zahnmedizin

Studie untersucht Zwangshaltungen in der Zahnmedizin

Haltung bewahren ist für Zahnärzte eine echte Herausforderung – zumindest während der Behandlung. Laut einer Untersuchung an der Kerman University of Medical Sciences, Iran, riskierten 83 Prozent von 130 untersuchten Zahnärzten haltungsbedingte Schäden ihres Bewegungsapparates1. Die Studienteilnehmer klagten insbesondere über Nacken- und Schulterschmerzen. Der Grundstein für die Beschwerden wird bereits während des Studiums gelegt: 70 Prozent der Zahnmedizinstudenten der University of San Francisco berichteten über chronische Schmerzen des Bewegungsapparates in ihrem dritten Ausbildungsjahr2. Die zunehmende Relevanz der ergonomischen Arbeitshaltung in der Zahnarztpraxis nahmen Daniela Ohlendorf et al. zum Anlass, die arbeitsbedingten Zwangshaltungen bei 21 Zahnärztinnen und Zahnärzten im Alter von 40,1 (± 10,4) Jahren genauer zu untersuchen3. Dabei stellte sich heraus, dass insbesondere die Arbeit mit dem Winkelstück oder dem Ultraschall-Handstück während der Behandlung zu Zwangshaltungen führt. Kopf- und Brustbereich verharren dabei bis zu 30 Sekunden in einer nach vorne geneigten, statischen Position. Währenddessen ist der Oberkörper verdreht. Um den hieraus resultierenden haltungsbedingten Schäden vorzubeugen, empfehlen die Studienautoren die regelmäßige Änderung der Sitzposition. Darüber hinaus helfen Entspannungsübungen und die gezielte Aktivierung der Muskeln im Bereich der Halswirbelsäule.

Die kinematischen Daten aller Aktivitäten der Probanden erfassten die Studienautoren mit Hilfe des Messsystems CUELA (Computer-Unterstützte Erfassung und Langzeit-Analyse von Belastungen des Muskel-Skelett-Systems). Parallel zur bewegungsgeometrischen Untersuchung erfolgte eine detaillierte computergestützte Analyse der Aktivitäten. Im Anschluss wurden beide Datensätze basierend auf der chronologischen Reihenfolge der angenommenen Positionen im Rumpf und in der Kopfregion synchronisiert. Die Tätigkeiten der Zahnärzte wurden in drei verschiedene Kategorien unterteilt: Behandlung (I), Büroarbeit (II) und Sonstige Tätigkeiten (III). Diese Kategorien umfassten 18 Aktivitäten, die zu den täglichen Arbeiten in einer Zahnarztpraxis zählen.

Für jeden Teilnehmer wurde ein durchschnittlicher Arbeitstag eines Zahnarztes nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, um die Zeit zu messen. Vor Beginn des Arbeitstages und im Rahmen der kinematischen Analyse wurden alle Sensoren des CUELA-Systems an Armen, Beinen und Kopf der Teilnehmer sowie an der Wirbelsäule befestigt. Parallel zur Datenerfassung wurde jede Bewegung des Zahnarztes mittels Aufgabenanalyse digital dokumentiert. Von der gesamten Messzeit über 108 Stunden entfielen 43 Prozent auf die Behandlung, 24 Prozent auf die Kategorie II und 33 Prozent auf die Kategorie III. Es zeigte sich, dass Zahnärzte bei der Behandlung in 27,4 Prozent aller Fälle für vier bis 30 Sekunden eine statische Position im Kopf- und Halsbereich einnehmen. Wenn sie dabei das Winkelstück oder das Ultraschall-Handstück einsetzen, steigen Dauer und Anzahl der statischen Haltung. Bei der Bürotätigkeit und den sonstigen Aktivitäten wird dagegen häufiger im Rumpfbereich eine statische Position eingenommen. Da diese Tätigkeiten oft mit einer Unterstützung (etwa durch eine Armlehne) ausgeübt werden, ist die Muskelbelastung vergleichsweise geringer als bei einer Behandlung, bei der Kopf und Oberkörper von den Muskeln in der Position gehalten werden.

Eine gute Unterstützung für die Behandlung bieten Stühle mit verstellbarer Sitzflächenneigung und einer flexiblen Rückenlehne, die den Bewegungen der Sitzfläche automatisch folgt. Dadurch wird der Rücken sowohl in der aufrechten als auch in der vorwärtsgeneigten Sitzposition gestützt. Die Stühle des dänischen Herstellers XO CARE haben darüber hinaus ein antibakterielles und griffiges Polster, damit der Behandler beim Positionswechsel nicht herunterrutscht. Auch die Behandlungseinheit XO FLEX unterstützt ergonomisches Arbeiten. So ist bei dem Schwebetray-System die Aufhängung der Instrumente ausbalanciert. Dadurch tritt selbst bei Seitenbewegungen kein Gegenzug an den Schläuchen auf und der Tastsinn wird bei der Arbeit optimal unterstützt.

Quelle: XO CARE A/S

Literatur

1 Rafie F, Zamani Jam A, Shahravan A, Raoof M, Eskandarizadeh A. Prevalence of upper extremity musculoskeletal disorders in dentists: symptoms and risk factors. J Environ Public Health. 2015;2015:517346. doi:10.1155/2015/517346.

2 Rising DW, Bennett BC, Hursh K, Plesh O. Reports of body pain in a dental student population. J Am Dent Assoc. 2005 Jan;136(1):81-6.

3 Daniela Ohlendorf, Christina Erbe, Jennifer Nowak, Imke Hauck, Ingo Hermanns, Dirk Ditchen, Rolf Ellegast and David A. Groneberg. Constrained posture in dentistry – a kinematic analysis of dentists. BMC Musculoskeletal Disorders (2017) 18:291 DOI 10.1186/s12891-017-1650-x

Foto: Anna Jurkovska – stock.adobe.com
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