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Praxiseinrichtung 13.01.2016

Ergonomisches Praxiskonzept – Warum richte ich mich wie ein?

Ergonomisches Praxiskonzept – Warum richte ich mich wie ein?

Eine Praxis zu gründen, ist heute ungleich schwerer als vor 20 Jahren. Die zu beachtenden Kriterien sind doch um eine Vielzahl größer. Berücksichtigt Ihr Einrichtungskonzept z.B. auch Ihre eigene Gesundheit? Sind Sie in der Lage, Ihre persönlichen Anforderungen aktiv von Einrichtungsberatern abzufordern oder verlassen Sie sich auf deren Kompetenz und auf ergonomische Gütesiegel? Bedenken Sie, eine einmal getroffene Entscheidung hat eine langjährige Auswirkung auf Ihre Arbeit.

Sie wollen sich einrichten. Wie gehen Sie vor? Zunächst erstellen Sie einen Firmenplan mit einer Praxisausrichtung, suchen geeignete Praxisräume unter Berücksichtigung der GFK-Analyse und der Mietverträge. Sie planen Ihre Praxiseinrichtung und versuchen, diese Pläne mit einer Finanzierungszusage zu verwirklichen. Dieser Finanzierungsplan wird Anlaufkosten und Absicherung enthalten. Als klassische Partner agieren dabei Dentaldepot, Architekten, Banken, Versicherungen und unabhängige Berater. Häufig ist die Finanzierungszusage das limitierende Kriterium der weiteren Auswahl oder des weiteren Vorgehens.

Was gehört zur Praxiseinrichtung?

Jede Praxis ist in ihre unterschiedlichen Aufgabenbereiche unterteilt. Dies wären Empfangs-, Warte-, Aufbereitungs- und Sterilisationsbereich sowie Röntgen-, Lager-, Personal- und Behandlungsbereich. Diese unterschiedlichen Bereiche benötigen adäquate Ausrüstung mit Möbeln, Licht, Installationen und Geräten. Inzwischen existieren umfangreiche gesetzliche Auflagen. Man denke nur an das Medizinproduktegesetz MPG, allgemeine Hygienerichtlinien des RKI und die Medizinproduktevertreiberordnung, die z.B. Sterilisation und Aufbereitung erfüllen müssen.

Was ist ein Praxiskonzept?

Eine Google-Suchanfrage „Konzeption Praxiseinrichtung Zahnarztpraxis“ brachte folgende Suchergebnisse: „Im Mittelpunkt steht der Kunde“, Wohlfühlpraxis = Wohlfühloase. Dieses Ergebnis überrascht nicht. Einmal mehr belegt es, dass schon in Ausbildungstagen unser Schwerpunkt nur auf dem perfekten Arbeitsergebnis liegt und nicht auf einer möglichst belastungsarmen Ausführung unserer Arbeit. Alles zum Wohle des Patienten. Niemals denken wir an unsere eigene Gesundheit. Dabei sitzen wir auf einer tickenden Zeitbombe: 8 Stunden täglich, 5 Mal pro Woche, 48 Wochen und ca. 36 Jahre. Das sind 69.120 Stunden, in denen wir optimale Behandlungsergebnisse erzielen, in teilweise extrem belastenden Körperhaltungen. Hierzu passt ein Zitat von Voltaire (1694–1778), das auch im 21. Jahrhundert nicht an Aktualität verloren hat: „In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben, in der zweiten Hälfte opfern wir unser Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen.“

Praxiskonzept auch ergonomisch

Betrachten wir an dieser Stelle den Behandlungsbereich etwas genauer. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Behandlungseinheit soll mich mein Praxisleben lang begleiten? Gibt es heutzutage überhaupt noch Unterschiede bei den modernen Behandlungseinheiten? Für eine solide Bewertung nach ergonomischen Kriterien fehlt uns leider das nötige Wissen. Wir entscheiden uns für gewohnte und bekannte Ausrüstungen aus der Universität oder aus unserer Assistenzpraxis. Auch wenn es uns so vorkommt, als wären alle Einheiten heute ähnlich, so haben sie doch wesentliche Unterscheidungsmerkmale, die in der Position der rotierenden Instrumente und der Absaugung bzw. der ZFA-Instrumente bestehen. Nach einer von Karl Heinz Kimmel (1925–2013) beschriebenen Einteilung unterscheiden wir Dentaleinheiten nach sogenannten Basiskonzepten (Abb. 5):

Das Basiskonzept 1
Es umfasst Behandlungseinheiten, bei der die rotierenden Instrumente, die Mehrfunktionsspritze, ZEG etc. rechts vom Patienten und die Behandlungsinstrumente für die ZFA auf der linken Seite des Patienten angebracht sind.

Basiskonzept 2
Hier befinden sich die zahnärztlichen Instrumente genau wie die der ZFA hinter dem Kopf des Patienten.

Basiskonzept 3
Die schlauchgebundenen Instrumente befinden sich über der Brust des Patienten. Diese Position verlangt eine besondere Aufhängung für die Instrumente, den sogenannten Schwingbügel („Peitsche“).

Basiskonzept 4
Alle schlauchgebundenen Instrumente für Zahnarzt und Helferin befinden sich in der Rückenlehne des Patientenstuhls. Die Position eines Instrumententrays hat ursächlich keinen Einfluss auf die Einteilung der Basiskonzepte, spielt aber eine entscheidende Rolle bei der Wahl eines Arbeitskonzeptes.

Welches Basiskonzept ist das beste?

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Jedes Basiskonzept hat seine Berechtigung. Die Verbreitung hängt sehr von nationalen Gegebenheiten ab. Manche Konzepte, wie z.B. das BK 4 (Morita EMCIA Spaceline), sind direkte Folge eines logisch entwickelten Behandlungskonzeptes (nach Dr. Beach, Japan) und ideal abgestimmt. Die unterschiedlichen Ausrichtungen hängen mit der Gewöhnung während des Zahnmedizinstudiums und den Erfahrungen aus der Assistenzpraxis eng zusammen. Wir erlernen unsere Arbeit leider nur intuitiv an der jeweils vorgefundenen Ausrüstung, und dies prägt unsere spätere Kaufentscheidung. Auch der Einfluss von Meinungsbildnern ist nicht zu vernachlässigen. Die typische deutsche Ausrüstungsvariante ist das Basiskonzept 1 (Rechtsgeräte) (Abb. 6). Es wurde durch Prof. Fritz Schön und Richard Hilger maßgeblich protegiert. Vor Jahrzehnten war das Basiskonzept 3 (Schwinge/Peitscheneinheit) (Abb. 7) in Deutschland noch kaum verbreitet. Das hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Dieses Basiskonzept hat inzwischen einen Marktanteil von 10% – Tendenz steigend. Auch namhafte Hersteller wie Morita, KaVo, Sirona haben dieses Konzept im Programm.

Hardware braucht Software

Ausrüstung kann man als dentale „Hardware“ bezeichnen. Sie benötigt für eine adäquate Nutzung eine dentale „Software“, d.h. perfekt aufeinander abgestimmte Prozessketten, die durch unsere Behandlungsabläufe determiniert sind. Dies kann eben intuitiv oder besser mit einer durchdachten Konzeption erfolgen. Vielleicht haben Sie selbst auch schon die Erfahrung gemacht, dass man an ergonomisch durchdachten Dentaleinheiten sehr schlecht und belastend arbeiten kann. Andererseits gibt es Kollegen, die auch mit wenig durchdachter Ausrüstung, aber einem Arbeitskonzept ohne große körperliche Belastung arbeiten.

Das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten

Eine Dentaleinheit steht nicht allein in einem Behandlungsbereich. Unser zahnärztliches Team benötigt auch Funktionsmöbel. Deren Form, Aufstellung und Konstruktion bestimmten maßgeblich die Ausführung unserer Arbeit. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den von Anderson und Drum zuerst beschriebenen „Magischen Kreis“ der dentalen Ergonomie. Es handelt sich dabei um eine visuelle Darstellung der metrischen Zusammenhänge im dentalen Arbeitsfeld. Daher rühren die Begrifflichkeiten der nach dem Uhrprinzip beschriebenen Teampositionen, der kleine und der große Griffbereich. Bei heutiger Praxiseinrichtung müssen Sie daran denken, ob Sie alle Behandlungsbereiche immer gleich oder auf bestimmte Behandlungen spezialisiert, ausrüsten. Wünschen Sie alle Instrumente überall vorrätig oder eine zentrale Logistik, auch nach höchstem Hygienestandard? Dies erfordert eine völlig andere Einrichtung und Möbelkonzept als gewohnt. Wenn Sie sich für eine zentrale Instrumentenlogistik entscheiden, sollten Sie die Instrumentenorganisation so gestalten, dass sie verständlich, klar und einfach anwend­bar ist. Das Einrichten einer Praxis ist also ein sehr komplexes Thema. Wenn Sie bei ihrer Gründung doch einen „ergonomischen“ Rat ein holen, kann das Prävention sein, zum einen für Ihre Gesundheit, zum anderen steigert es die Effizienz und Präzision Ihrer Arbeit.

Fazit

Die Praxiseinrichtung bestimmt maßgeblich unsere Arbeitsmöglichkeit unter dem Aspekt der Gesunderhaltung. Der richtige Zeitpunkt, dies zu berücksichtigen, ist der Gründungszeitpunkt. Die einmal gewählte Einrichtung besteht fast ein ganzes Praxisleben und lässt sich nur schwer und mit großem technischen und finanziellen Aufwand ändern. Eine verkaufsneutrale Beratung ist auf jeden Fall empfehlenswert. Infos dazu finden Sie auch auf www.zahnarzt-ergonomie-forum.de.

Foto: © CandyBox Images – Fotolia
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