Branchenmeldungen 16.04.2026

Wenn Kinder mitfiebern, wird Gründen zum großen Vorzeigeevent

Dass Gründen absolut nicht gleich Gründen ist, zeigt die Story von Dr. Anna Haag. Im April letzten Jahres eröffnete sie ihre Zahnarztpraxis ZAHN.RAUM in Frankfurt am Main und hat sich damit in vielerlei Hinsicht einen Traum erfüllt, trotz „Geht nicht, gibts nicht“-Argumenten entlang des Wegs.

Wenn Kinder mitfiebern, wird Gründen zum großen Vorzeigeevent

Foto: Florian Zenk Photography

Neben dem unglaublichen Gefühl, es geschafft zu haben, hat sich die zweifache Mutter dabei auch gleich noch als besonderes Vorbild für ihre beiden Kinder qualifiziert. „Für mich ist es ein großer Antrieb“, so Dr. Anna Haag, „ihnen vorzuleben, dass vieles möglich ist, wenn man wirklich an etwas glaubt und dafür arbeitet.“

Mein Schritt in die Selbstständigkeit war kein spontaner Entschluss, sondern ein Prozess, der sich über mehrere Jahre entwickelt hat. Schon lange hatten mein Mann und ich Flächen in unserer Nachbarschaft im Blick, die eigentlich ausschließlich für ein Restaurant vorgesehen waren, aber bereits über längere Zeit leer standen. Oft scherzten wir: „Hier könnte doch meine Zahnarztpraxis entstehen!“ Anfangs hielten wir das für reine Fantasie, doch als das Thema Neugründung immer konkreter wurde, wurde mir bewusst, wie perfekt der Standort ist: zentral, gut erreichbar für Patienten, mitten im Neubauprojekt mit vielen potenziellen Neupatienten und nur wenig direkter Konkurrenz.

Schon sehr früh war klar, dass meine Praxis anders werden sollte. Weg vom klassischen, steril wirkenden Zahnarztbild, hin zu einer Atmosphäre, die man eher in einem Café oder einer Hotellobby erwartet. Während eines Nachmittags auf dem Spielplatz mit unseren Kindern entstand die Idee, unsere Vision gemeinsam mit einem Freund und Gastronom weiterzudenken, und daraus entwickelte sich unser erstes Konzept – Café und Zahnarztpraxis in einem –, welches mein Mann verfasste und dem Vermieter schickte. Dies war unsere Eintrittskarte, und plötzlich wurden wir von ihm angehört, sodass wir im Sommer 2023 einen Termin mit dem Vermieter in den Flächen bekommen hatten. Vorab hatten wir bereits den Grundriss der Flächen erhalten, sodass wir gemeinsam mit unserem Praxisplaner Considio eine Machbarkeitsstudie durchführen konnten. Schnell war klar: Die Flächen passen perfekt.

Bild von einem Quotenzeichen
„‚Geht nicht, gibts nicht‘ – leider musste ich während der Planung und Umsetzung schnell feststellen, dass mehrfach versucht wurde, mich von meinen Vorstellungen abzubringen. Dies erkannte ich jedoch rechtzeitig und lernte, alles kritisch zu hinterfragen, selbstständig zu recherchieren und konsequent an meinen Konzepten festzuhalten (z.B. der offene Wartebereich, der Stehempfang und die drei Meter hohen Decken).“ – Dr. Anna Haag

Durchhalten gefragt

Die Mietvertragsverhandlungen erforderten ein hohes Maß an Zeit und Geduld. Dabei war ich vollständig vom Vermieter abhängig, da dieser das Projekt erst möglich machte. Entsprechend galt es, mit Fingerspitzengefühl und Bedacht zu verhandeln und punktuell zeitlichen Druck aufzubauen. Insgesamt erstreckten sich die Mietvertragsverhandlungen über fast ein Jahr, da seitens des Vermieters scheinbar kein unmittelbarer Zeitdruck bestand, die Flächen schnell zu vermieten.

Im Juni 2023 hatten wir – mit unserem damals noch fünf Monate alten Sohn auf dem Arm – einen erfolgreichen Pitch beim Vermieter. Schnell wurde jedoch klar, dass wir ein detaillierteres Konzept für die Kombination von Café und Zahnarztpraxis benötigten. Das stellte uns vor einige Herausforderungen, etwa bei den unterschiedlichen Anforderungen an Hygiene, Datenschutz und rechtliche Vorgaben. Da bereits andere Flächen im gleichen Objekt umgenutzt worden waren, kam die Idee auf, auch für unsere angefragten Flächen eine Umnutzung zu beantragen. Nach einer mündlichen Zusage des Bauamts für die mögliche Umnutzung und der Zustimmung des Vermieters, die gesamten Flächen als Zahnarztpraxis zu nutzen, begann die eigentliche Grundrissplanung, um auch das Bauamt final zu überzeugen. Das war eine Wissenschaft für sich, und mein Mann und ich grübelten in nächtlichen Sessions über den für uns perfekten Grundriss.

Parallel zur den Mietvertragsverhandlungen und der detaillierten Grundriss­planung begann die weitere, äußerst intensive Planungsphase. Finanzierung, Versicherungen, Mobiliar und dentale Einrichtung, Leitungen, Klima, Sanitäranlagen, Elektronik, Akustik, Software, IT/EDV, Marketing, Corporate Design, Personal – all das musste gleichzeitig geplant, entschieden und koordiniert werden. Besonders wertvoll war die Unterstützung meines Mannes, ohne den die vielen Entscheidungen kaum zu stemmen gewesen wären.

Ausgesprochen viel Freude hat mir die Inneneinrichtung und Gestaltung der Praxis mit studio PAMPA gemacht. Unser Ziel war dabei, weg vom typischen Zahnarzt-Design hin zu einer Wohlfühlpraxis. Besonders der Empfangsbereich mit viel Farbe, angenehmer Atmosphäre und cleveren Details spiegelt genau die Vision wider, die ich von Anfang an hatte. Patienten sollten beim ersten Betreten das Gefühl haben: Hier ist etwas anders, hier fühlt man sich willkommen und auch als ängstlicher Patient gut aufgehoben.

Bild von einem Quotenzeichen
„Von der Vollzeitmama zur Vollzeitgrün­derin und Selbstständigen: Die Elternzeit nach meinem zweiten Kind habe ich intensiv und zielgerichtet genutzt. Sowohl in dieser Phase als auch jetzt in der Selbstständigkeit bleibt wenig Zeit nur für mich persönlich. Der Spagat zwischen Muttersein und Zahnärztin – und nicht zu vergessen Ehefrau, Freundin und einfach ICH zu sein – fällt nicht immer leicht. Dennoch muss ich sagen: So anstrengend es auch ist, all das lohnt sich. Die Selbstständigkeit ist für mich ein starker Katalysator, der ungeahnte Energien freisetzt und mich mit der Zeit bereits deutlich resilienter gemacht hat.“ – Dr. Anna Haag

„Arbeitsfamilie“ schaffen

Ich bin sehr stolz darauf, erfahrene Mitarbeiterinnen für mich gewonnen zu haben – darunter sogar eine Helferin aus einer Praxis, in der ich bereits 2017 tätig war, die ich zurück in die Zahnmedizin holen konnte. Mir war von Anfang an wichtig, eine Arbeitsfamilie aufzubauen, da wir viel Zeit miteinander verbringen und gegenseitiges Vertrauen eine große Rolle spielt.

Bild von einem Quotenzeichen
„Während meiner Zeit als angestellte Zahnärztin habe ich in unterschiedlichen Zahnarztpraxen gearbeitet und diverse Arbeitsweisen erleben können. Das waren wertvolle Erfahrungen, die aber auch dazu führten, dass mir klar wurde, ich wollte mehr mitentscheiden und vor allem moderner sowie digitaler arbeiten. Außerdem wollte ich Inhalte aus Fortbildungen gerne intensiver und konsequenter in den Praxisalltag integrieren. Im Angestelltenverhältnis war dies jedoch häufig nur eingeschränkt möglich, und ich empfand mich fachlich wie persönlich ausgebremst. Zudem wollte ich Führung anders gestalten, als ich es in den Praxen sah, in denen ich zuvor gearbeitet hatte.“ – Dr. Anna Haag

Nach langem Warten konnte ich dann im Juli 2024 den Mietvertrag unterschreiben und die Umnutzung beim Bauamt beantragen. Im Oktober 2024 hielt ich endlich die Baugenehmigung für meine Zahnarztpraxis in der Hand. Damit wurden die finale Umsetzung und Bauphase eingeleitet. Im April 2025 konnte ich schließlich die Türen für meine Patienten zu meiner Zahnarztpraxis ZAHN.RAUM öffnen.

Fazit

Rückblickend hat mich der gesamte Gründungsprozess nicht nur fachlich, sondern auch persönlich wachsen lassen. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören, mutig Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. All dies sind Fähigkeiten, die mir besonders durch meine Rolle als Mutter sehr vertraut geworden sind. Am Ende hat sich jeder Schritt, jede Herausforderung und jede Nacht des Grübelns gelohnt. Denn heute habe ich nicht nur meine eigene Zahnarztpraxis eröffnet, sondern einen Ort geschaffen, der meine Vision von moderner, patientenfreundlicher Zahnmedizin lebt.

Weitere Infos zur Praxis auf: www.zahnraum-henningerturm.de
www.instagram.com/zahn.raum

Autorin: Dr. Anna Haag

ZWP spezial 01/26

ZWP spezial


Dieser Beitrag ist in der ZWP Spezial erschienen.

Jede Ausgabe der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis enthält ein monothematisches Supplement, das aktuelle Trends der Zahnheilkunde umfassend beleuchtet und durch Sonderthemen wie den jährlichen ZWP Designpreis ergänzt wird. Mit fundierten Fachbeiträgen und praxisrelevanten Produktinformationen unterstützt es Zahnärzte dabei, neue Entwicklungen gezielt in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Jetzt das ePaper lesen.

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper