Wissenschaft und Forschung 23.08.2026
Feinstaub im Mund: Wird Parodontitis durch Luftverschmutzung verschärft?
share
Dass Feinstaub Lunge und Herz-Kreislauf-System belastet, ist bekannt. Doch welche Folgen hat verschmutzte Luft für Mundschleimhaut, Zahnfleisch und Zahnhalteapparat? Dieser Frage sind Forscher in einer experimentellen Studie nachgegangen. Untersucht wurden 40 männliche Mäuse. Ein Teil der Tiere atmete über 30 beziehungsweise 60 Tage gefilterte Luft, der andere konzentrierten Feinstaub aus einem verkehrsreichen Gebiet in São Paulo. Bei einigen Mäusen wurde zusätzlich eine Entzündung am Zahnhalteapparat ausgelöst. Anschließend analysierten die Forschenden das Gewebe von Zunge und Oberkiefer.
Feinstaub verändert die Mundschleimhaut
Die Belastung hinterließ auch bei den Tieren ohne zuvor ausgelöste Entzündung sichtbare Spuren. Das Gewebe an Zunge und Zähnen war verdickt, stärker verhornt und teilweise in seinem Aufbau verändert. Zudem fanden die Forschenden mehr Entzündungszellen und eine erhöhte Aktivität von Mastzellen, die an der Immunabwehr und an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Gleichzeitig stiegen mehrere entzündungsfördernde Botenstoffe an. Auch das Gleichgewicht zwischen schädigenden oxidativen Prozessen und der körpereigenen antioxidativen Abwehr geriet aus der Balance.
Mehr Knochenabbau bei bestehender Entzündung
Besonders deutlich waren die Veränderungen bei den Mäusen, deren Zahnhalteapparat bereits entzündet war. Unter der zusätzlichen Feinstaubbelastung nahm die Entzündung weiter zu. Knochenabbauende Zellen waren aktiver und der Verlust des Alveolarknochens fiel stärker aus als bei den entzündeten Tieren, die gefilterte Luft geatmet hatten. Feinstaub ist nach Einschätzung der Autoren damit nicht als alleinige Ursache einer Parodontitis zu verstehen. Er könnte jedoch ein zusätzlicher Umweltfaktor sein, der das orale Gewebe anfälliger für Entzündungen macht und vorhandene Schäden verschärft.
Wie genau dieser Effekt entsteht, ist noch offen. Möglich sind direkte Reaktionen der Mundschleimhaut auf eingeatmete Partikel. Ebenso könnten Entzündungsprozesse eine Rolle spielen, die zunächst in der Lunge entstehen und anschließend über den Körper auch das orale Gewebe erreichen. Diese Mechanismen wurden in der Studie jedoch nicht direkt nachgewiesen. Zwischen der 30- und der 60-tägigen Feinstaubbelastung zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Eine längere Exposition führte im untersuchten Zeitraum also nicht automatisch zu größeren Schäden.
1 Pelegrin, Á.F., de Souza Carvalho, J., Yariwake, V.Y. et al. PM2.5 exposure induces oral tissue alterations and exacerbates experimental periodontitis via oxidative stress and mast cell activation. Air Qual Atmos Health 19, 122 (2026). https://doi.org/10.1007/s11869-026-02014-4