Wissenschaft und Forschung 27.07.2021

Prämierte Studie: Drainage oder keine Drainage?

Prämierte Studie: Drainage oder keine Drainage?

Foto: gpointstudio – stock.adobe.com

Dr. Marie Sophie Katz, Fachzahnärztin in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen, erhielt in diesem Februar den Förderpreis 2020 der ZÄK Sachsen-Anhalt. Da eine Preisverleihung Pandemie-bedingt nicht möglich war, erreichte die Urkunde ihre neue Preisträgerin elegant per Post. Mit welcher Arbeit Dr. Katz die Jury überzeugte, verrät das folgende Interview.

Frau Dr. Katz, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Prämierung! Worin ging es in Ihrer eingereichten Studie?

Wir haben in der Studie untersucht, ob eine Gummilasche als Drainage einen positiven Einfluss auf Schwellung, Schmerzen, Einschränkung der Mundöffnung oder Wundinfektionen nach der Entfernung von retinierten Unterkieferweisheitszähnen hat. In unserer Klinik haben bislang beide Behandlungsansätze koexistiert: Ob eine Drainage eingelegt wurde oder nicht, lag an der Präferenz des Operateurs. Deshalb wollten wir mit neuen und objektivierbaren Messmethoden den Einfluss einer Drainage untersuchen. Wir haben also ein Splitmouth-Design gewählt, die Schwellung mittels 3D-Facescans gemessen und die Ergebnisse einfach verblindet und u. a. mit einer Regressionsanalyse ausgewertet. So genau hat das vor uns noch keiner untersucht. Wir haben festgestellt, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen der Seite mit Drainage und der ohne Gummilasche gab – weder bei Schmerzen, Schwellung, Mundöffnung noch bei der Anzahl der Wundinfektionen. Die Einlage einer Gummilasche als Drainage scheint somit bei der Entfernung von asymptomatischen Weisheitszähnen keinen Vorteil zu bringen.

Dr. Marie Sophie Katz freut sich über die Prämierung ihrer Untersuchung und möchte sich nun weiteren zahnmedizinischen Fragestellungen widmen. © Dr. Katz

Sie haben während Ihrer Studienzeit Stipendien wahrgenommen – Was hat Ihnen die finanzielle Förderung ermöglicht und wie wichtig sind finanzielle Hilfestellungen für Zahnmedizinstudierende?

Ich hatte während meines Studiums zwei Stipendien, eines von der Friedrich-Naumann-Stiftung zur freien Verwendung während der gesamten Studienzeit und eines vom Deutschen Zahnarztservice gegen Ende meines Studiums. Für beide bin ich sehr dankbar, da ich mich so zum einen ganz auf mein Studium konzentrieren konnte und mir die Stipendien außerdem auch meine Auslandsaufenthalte in Leuven (Belgien) und Bangkok (Thailand) ermöglicht haben. Ein Stipendium ist ein Privileg, das einem viel ermöglicht, es ist aber auch eine besondere Verantwortung, die einen motiviert, immer ein bisschen weiter zu gehen. Gerade für das relativ teure Zahnmedizinstudium sind Stipendien eine große Erleichterung und auch der interdisziplinäre Austausch mit anderen Stipendiaten ist eine Bereicherung. Ich hoffe daher, dass sich die Angebote an Stipendien für die Zahnmedizin ausweiten werden und noch viele Studierende davon profitieren können.

Was sind Ihre nächsten beruflichen Ziele?

Zunächst möchte ich gern noch etwas in der Klinik für MKG-Chirurgie an der Uniklinik Aachen bleiben. Ich habe das Glück, in einem tollen Team arbeiten zu dürfen, in dem ich meine Projekte und mich selbst verwirklichen kann. Und jetzt, wo die Frage „Drainage – ja oder nein?“ bei den Weisheitszähnen geklärt ist, gibt es noch einige andere Fragen, denen ich gern auf den Grund gehen möchte …

Das Interview ist in dentalfresh erschienen.

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