Wissenschaft und Forschung 08.09.2021

Studie: Parodontitisprävention könnte Milliarden sparen

Studie: Parodontitisprävention könnte Milliarden sparen

Foto: Christoph Hähnel – stock.adobe.com

Europastudie legt Kosten für Parodontitistherapie offen und begründet mit Blick in die Zukunft, warum das Augenmerk auf Vorbeugung gelegt werden sollte.

Eine neue europäische Studie hat die Kosten schlechter Mundgesundheit genauer untersucht. In sechs Ländern könnten demzufolge insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro eingespart werden, wenn das Konzept so aussehe, dass Parodontitis durch die Beseitigung von Gingivitis verhindert werden würde.

Allein im Vereinigten Königreich würde die Beseitigung der Gingivitis über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als 21 Milliarden Pfund (24,68 Milliarden Euro) einsparen, selbst wenn man die Kosten für professionelle Eingriffe mit einbezieht. Im Vergleich dazu würde die Fortsetzung der Behandlung der Krankheit auf die derzeitige Art und Weise im gleichen Zeitraum mehr als 47 Mio. £ (54,63 Mrd. €) kosten. 

Messung der Auswirkungen von Zahnfleischerkrankungen

Die Studie wurde von The Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag der European Federation of Periodontology (EFP) durchgeführt. Unter dem Titel „Time to take gum disease seriously“ (Zeit, Zahnfleischerkrankungen ernst zu nehmen) untersucht sie erstmals die sozioökonomischen Auswirkungen von Zahnfleischerkrankungen. Die Autoren modellierten die Auswirkungen einer Reihe von Ansätzen zur Behandlung von Parodontitis – einschließlich des Nichtstuns – auf die Gesamtkosten, den ROI (Return on Investment) und die Veränderung der gesunden Lebensjahre.

Professor Iain Chapple, Mitglied des EFP-Workshop-Komitees, der an dem Bericht mitgewirkt hat, sagte: „Es ist eine große Herausforderung, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten einer komplexen Erkrankung wie Parodontitis zu bestimmen, weshalb wir eine unabhängige Expertengruppe wie die EIU brauchten, um diese Modellierung durchzuführen.“

Ihre Daten der Studie zeigen, dass der weitaus größte Nutzen aus der Vorbeugung von Parodontitis resultiert, d.h. aus der Behandlung von Gingivitis, die traditionell als trivial angesehen und ignoriert wird, während die Behandlung auf die Parodontitis ausgerichtet wird – was zu spät sei.

Die Studie verweist auch auf die „wachsende Zahl von Belegen“, die Parodontitis mit anderen systemischen Erkrankungen in Verbindung bringen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass zwar noch weitere Forschungsarbeiten erforderlich seien, dass es aber „genügend Beweise“ für stärker integrierte Behandlungspfade gäbe, um Patienten über die Risiken aufzuklären.

Empfehlungen für das weitere Vorgehen

Der der Studie angeschlossene Bericht weist darauf hin, dass die Kosten für die Beseitigung von Zahnfleischentzündungen in keinem Verhältnis zu den möglichen Einsparungen stehen. Jedes Pfund, das in die Beseitigung von Zahnfleischentzündungen investiert wird, bringt den Patienten eine Rendite von 20,50 Pfund. Diese Zahl springt auf 88,30 Pfund an Einsparungen für den NHS (National Health Service; Bezeichnung für das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien und Nordirland).

Die Beseitigung von Gingivitis – und damit die Verhinderung neuer Fälle von Parodontitis – würde dem NHS über einen Zeitraum von zehn Jahren Einsparungen von mehr als 4,7 Mrd. £ (5,5 Mrd. €) bringen.

Im Bericht heißt es: Parodontitis wird manchmal als eine „stille Krankheit“ bezeichnet. Dies liegt an ihrem langsamen und allmählichen Fortschreiten und ihren milden Frühsymptomen. Dies ist eine falsche Bezeichnung. Parodontitis ist nicht still, sondern wird falsch interpretiert. Sie ist in der Öffentlichkeit, bei Zahnärzten und anderen Fachleuten des Gesundheitswesens nach wie vor wenig bekannt. Studien zeigen, dass drei von vier Erwachsenen mit Parodontitis nicht wissen, dass sie überhaupt an der Krankheit leiden.

Professor Nicola West, EFP-Generalsekretärin, sagte: „Ich freue mich über die Analyse der EIU. Sie unterstreicht den Nutzen einer frühzeitigen Behandlung von Zahnfleischerkrankungen für das Gesundheitswesen, um einen Gewinn an gesunden Lebensjahren zu erzielen. Sie unterstützt das Ziel der European Federation of Periodontology, die Gesundheit des Zahnfleisches für ein besseres Leben zu fördern.“

Quelle: dentistry.co.uk

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