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Lifestyle 23.03.2018

Kunst in der Praxis: Ein Leben zwischen Farbe und Melodie

Kunst in der Praxis: Ein Leben zwischen Farbe und Melodie

Wie beim Gesang gilt auch für die Malerei: Jeden Tag denkt man darüber nach, wie man die Technik perfektionieren kann und muss. Der Maler und Opernsänger ist niemals am Ziel. Beide sind getrieben von dem Drang nach kreativem Vorwärtskommen, von ihrer Kunst, von der steten Perfektionierung der Technik. Dabei stehen sie in stetigem Zwiespalt: Auf den Erfolg hinzuarbeiten, das Hoch des Erfolgs auszuleben, um dann wieder von vorne zu beginnen. Das erleben auch der dänische Maler Mads Svendsen-Merbeth und seine Frau, Kammersängerin Ricarda Merbeth.

Tief im Herzen bin ich mit dem Meer verbunden, das helle Licht des Nordens inspiriert mich immer wieder“, sagt Mads Svendsen-Merbeth. Genau das spiegelt sich auch in der Farbenvielfalt der Bilder des Dänen wider, der seit über zehn Jahren mit seiner Frau, der international renommierten Opernsängerin Ricarda Merbeth, in Dresden lebt. Seine Leidenschaft gilt der Natur- und Landschaftsmalerei. Durch die legere, fließend harmonische Malweise vermag er es, den Betrachter emotional zu erreichen – mal kraftvoll, mal sensibel, virtuos mit Licht und Farben spielend. Svendsen-Merbeth malt mit Ölfarben auf Leinwand, technisch eher grob, Schicht auf Schicht, ab und zu mit dem Spachtel, eher in Richtung abstrakter Malerei. Das Motiv dient ihm als Mittel zum Zweck, um Formen zu finden, die er umsetzen kann, und um Klänge entstehen zu lassen.

Mads Svendsen-Merbeth verspürt schon früh die Lust am Malen, die Lust daran, die Natur als Bild wiederzugeben, das Gesehene auf ganz eigene Weise zu interpretieren und zu reflektieren – wie ein Komponist. Es macht ihm Freude, dass er sich durch seine Bilder ausdrücken und seine Gedanken verarbeiten kann, indem er sie auf die Leinwand bringt. „Dinge, die einen bewegen und beschäftigen, durch Farben und Formen verarbeiten zu können, ist eine Art ‚Therapie‘ für mich“, sagt Svendsen-Merbeth. Wenn ein Bild gelingt, wenn es auch nach Wochen noch Gültigkeit hat, wenn es in den Augen des Malers immer wieder bestehen kann, dann ist das ein großes Glück für ihn. Ein Glück, etwas von sich gegeben zu haben und vielleicht auch etwas zurückzubekommen. Wenn der Betrachter das Bild gerne anschaut, wenn es ihm gut tut, wenn es eine Wirkung auf ihn hat, dann ist das die Erfüllung für den Maler.

Im Alter von 19 Jahren beginnt Svendsen-Merbeth zunächst eine Gesangsausbildung, wird 1978 an das „Königlich Dänische Musikkonservsatorium“ in Kopenhagen aufgenommen. Auch in den Jahren als Opernsänger in Malmö, Oslo, Innsbruck und Magdeburg spielt die Malerei immer eine Rolle. 1997 lernt er in einer Neuproduktion von Richard Wagners „Die Meistersinger“ am Theater Magdeburg seine heutige Frau auf der Bühne kennen, sie singt die Partie der Eva und er den Stolzing. Ricarda Merbeth erinnert sich: „Als ich ihn damals in seiner Wohnung besuchte, sah ich dort von ihm selbst hergestellte Farben, zum Beispiel ein wunderschönes Kobaltblau. Das fand ich faszinierend.“ Drei Jahre später sucht Ricarda Merbeth, inzwischen fest an der Wiener Staatsoper als Solistin engagiert, nach einem Tanzpartner zum Wiener Opernball und lädt Mads ein – der Beginn ihrer Beziehung.

In den 2000er-Jahren entscheidet Svendsen-Merbeth, inzwischen ganz in Wien lebend, sich ausschließlich der Malerei zu widmen, privater Malunterricht bei namhaften Künstlern wie Sara Tunheim in Oslo, Carmen Alberti und Felix Kieninger in Wien ergänzen seine malerische Perspektive.

Das Zusammenleben zweier Künstler ist bereichernd und aufreibend zugleich. Ricarda Merbeth ist mehr als 200 Tage im Jahr unterwegs, sie tritt auf den großen Opernbühnen der Welt auf. Sie singt u. a. in London, Paris, Barcelona, an der Deutschen Oper Berlin, den Bayreuther Festspielen und aktuell an der Dutch National Opera in Amsterdam die großen dramatischen Sopran-Rollen. Wie geht das Zusammenleben? „Was mich betrifft, ist es so, dass ich immer, wenn ich seine nordischen Bilder sehe, beruhigt und geerdet bin; mich fasziniert, wie er mit Farben und Motiven umgeht. Wenn er malt, ist er ‚bei sich‘, und das finde ich im Zusammenleben zweier kreativer Persönlichkeiten sehr, sehr wichtig. Seine Landschafts- und abstrakten Ölbilder geben mir immer wieder auch Energie, Kraft, Freude im Alltag. Sie drücken aus, was mir wahnsinnig wichtig ist: Den Moment zu genießen.“

So wie für Ricarda Merbeth die Malerei ihres Mannes wichtig ist, ist für ihn die Musik seiner Frau unentbehrlich. So oft es geht, ist er bei ihren Auftritten dabei. Mads Svendsen-Merbeth liebt Richard Wagner, Richard Strauss, Gustav Mahler, aber auch Robert Schumann und Carl Nielsen. Denn wie beim Gesang gilt auch für die Malerei: Jeden Tag denkt man darüber nach, wie man die Technik perfektionieren kann und muss. Darum ist es beiden so wichtig, Gleichgesinnte um sich zu haben, Halt zu finden, aufgefangen zu werden. „Ich denke, ich werde in vielerlei Hinsicht vom Singen meiner Frau und von der Musik, mit der sie täglich arbeitet, beeinflusst, von der Genauigkeit, mit der sie an ihre Technik arbeitet, sodass sich am Ende auf der Bühne alles mühelos anhört“, sagt Mads Svendsen-Merbeth, „beim Malen ist es dasselbe. Man fängt an, und es geht eine Weile gut. Dann verlangt das Bild mehr von einem. Man malt weiter und experimentiert, bis es vielleicht gelingt und das Bild so aussieht, als wäre es überhaupt nicht schwierig gewesen.“ Die üppigen, kräftigen Farben, das ausdruckvolle Licht der Landschaft, des Meeres, die Großzügigkeit der Natur – all das fand er in seiner Heimat Dänemark und in den Jahren, in denen er in Norwegen lebte. Heute malt er auch seine neue Heimat mit der gleichen üppigen Farbenfroheit und der großen Tiefe in seinen Bildern.

Der Beitrag ist in der cosmetic dentistry 1/2018 erschienen.

Foto: Mads Svendsen-Merbeth
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