Finanzen 27.06.2011

Die „ultimative Blase“

Wolfgang Spang
Wolfgang Spang
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Die „ultimative Blase“

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Laut „Fondsprofessionell“ hat der legendäre und milliardenschwere Hedgefondsmanager George Soros gerade fast seine ganzen Goldbestände für 800 Mio. Dollar verkauft, weil er Gold für eine „ultimative Blase“ hält. Einer mehr, der dem Hype um Gold nicht mehr so richtig traut. Aber was gibt‘s als Alternative? Immer noch sehr beliebt ist bei Zahnärzten das Tagesgeldkonto, weil sie im Falle eines Staatsbankrotts von einigen Euro-Staaten oder gar von Deutschland ihr Geld sichern möchten. Die Zinsen von 0,7 bis 1,5 Prozent erscheinen vielen niedrig, deshalb transferieren sie ihr Geld zu schottischen Banken, die vor Kurzem noch vor der Pleite standen, aber jetzt bereits zwei Prozent versprechen. Für einen Mehrertrag von 0,5 bis 1,3 Prozent pro Jahr riskieren sie schon wieder den Verlust des ganzen Kapitals. Und das nur deshalb, weil sie jeden Monat ein Stück Papier gedruckt erhalten, auf dem der Kontostand ein bisschen gestiegen ist. Wer einen Staatsbankrott fürchtet, der sollte wissen, dass mit Staatspleiten häufig Bankpleiten verbunden sind. Im Falle von Serien-Pleiten bei Banken ist auch der Deutsche Einlagensicherungsfonds schnell pleite.

         Chart 1       Chart 2

Das ist zwar nicht unbedingt sinnvoll, aber durchaus verständlich, denn so richtig Freude machen zurzeit weder die alten Schiffsbeteiligungen noch die Börsen. Auch der eine oder andere scheinbar krisenfeste Starfonds hat so seine Probleme. In der Ausgabe 4/2010 schrieb ich z.B.: „Mit meinem Liebling, dem ETHNA Aktiv E, sind Sie sehr gut gefahren, ebenso mit dem Carmignac Patrimoine – bei dem mir aber seine Größe und sein schnelles Wachstum langsam unheimlich werden, denn immer wieder konnten in der Vergangenheit exzellente Fonds ihre Erfolgsstrategie nicht mehr beibehalten, als die Mittelzuflüsse und damit die Investitionsvolumina zu groß wurden.“ Die Befürchtung scheint sich zu bewahrheiten, denn der Fonds hat in den letzten zwölf Monaten rund acht Prozent verloren. Das macht wenig Freude. Als Alternative zum Carmignac (schwarze Kurve) hatte ich Ihnen damals drei Fonds empfohlen (Chart 1): 1. den ETF Dachfonds P (violette Kurve), den M & W Privat (grüne Kurve) und den Tiberius Absolute Return Commodities (blaue Kurve). Alle drei haben in den letzten zwölf Monaten deutlich besser abgeschnitten.

In der Ausgabe 12/2010 schrieb ich, „dass ich davon ausgehe, dass wir noch eine Zeit lang stark volatile Aktienmärkte haben werden, die am Ende auf eine Seitwärtsbewegung hinauslaufen“. Auch das erleben wir in 2011 wie aus dem Buche. Als Alternative zu den „ETHinacs“ empfahl ich Ihnen damals aus der Kategorie der noch unbekannten Fonds „mit denen Sie mit etwas Glück auch in schwierigen Zeiten Geld verdienen können“, den Amandea Hybrid (hellgrüne Linie im Chart 2). Der Fonds hat sich nicht ganz so gut wie mein Dauerfavorit  ETHNA Aktiv E (blaue Linie) entwickelt, aber deutlich besser als der Carmignac Patrimoine (schwarze Linie). Sehr schön hat sich in der Zeit auch ein weiterer Dauerfavorit, der Greiff Defensiv Plus (dunkelgrüne Linie) entwickelt. Ich glaube, es ist jetzt Zeit, die letzten Reste des Carmignac aus dem Depot zu fegen, weil ich befürchte, dass der Fonds aufgrund seiner Größe nicht mehr die Strategien anwenden kann, die ihn in der Vergangenheit so erfolgreich machten. Eine weitere Alternative zum Carmignac könnte auch der Assets Special Opportunities, ein konservativer und handwerklich sehr gut gemanagter Mischfonds aus dem Hause Universal sein. Nachdem die meisten Börsen seit Jahresanfang (währungsbereinigt) ins Minus gerutscht sind, verlässt den einen oder anderen Anleger der Mut und er verkauft seine Aktien(fonds). Das kann kurzfristig Freude bereiten, wenn die Kurse weiter fallen. Nach meiner Erfahrung läuft es bei solchen Seitwärtsbörsen mit starken Schwankungen – wie in diesem Jahr – eher darauf hinaus, dass die Verluste aus fünf Monaten realisiert werden und der folgende Kursanstieg verpasst wird. Gelassener bleiben Sie, wenn Sie den willkürlichen Stichtag 01.01. vergessen und lieber die Performance Ihres Depots auf die letzten zwölf Monate oder seit 01.01.2009 betrachten. Die Alternative Tagesgeld wird in den nächsten sechs Monaten auch nur um 0,35 bis etwa 0,7 Prozent steigen.

Wenn Sie übrigens die Nase voll haben von „ethischen Fonds“, in deren Depots Sie dann bei genauem Hinsehen die BP‘s und TEPCOs dieser Welt finden, dann kaufen Sie sich den neuen „Peccata Global“ von Dr. C. Mattern. Der investiert in die Branchen, die in der Vergangenheit regelmäßig überdurchschnittlich (und damit krisensicherer) performten, wie z.B. Genussmittel (Green Mountain Coffee Roaste), Unterhaltungsindustrie (Liberty Media), Billiganbieter (Priceline.com Inc), Luxus- und Lifestyleindustrie (Hugo Boss, Rodriguez Group) usw. Wer seit 1999 ausschließlich auf diese „sündigen“ Branchen gesetzt hätte, der hätte bis heute den MSCI World um über 400 Prozentpunkte outperformt und richtig fett verdient. Ein solches Investment wäre vielleicht auch mal eine Überlegung wert.

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