Anzeige
Personalmanagement 15.07.2020

„Ein persönliches und berufliches Netzwerk ist Gold wert“

Nadja Reichert
Nadja Reichert
E-Mail:
„Ein persönliches und berufliches Netzwerk ist Gold wert“

Jeder Praxisalltag wirft Fragen auf. Die meisten lassen sich im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen klären. Einige Themen sind aber immer wieder brisant. Von Instrumenten über Hygiene bis hin zu Arbeitsregeln und -gesetzen sehen sich Praxismitarbeiter oftmals mit Herausforderungen konfrontiert, die sich eben nicht „intern“ lösen lassen. Warum holt man sich dann nicht einfach Hilfe von „extern“? Im folgenden Interview schildert Dentalhygienikerin Sabrina Dogan die vielfältigen Möglichkeiten eines gut organisierten Netzwerks unter Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA).

Warum braucht die/der ZFA ein gutes Netzwerk und welche Formen gibt es?

Ein persönliches und berufliches Netzwerk ist Gold wert. Gemeinschaftlich im Team lassen sich bestimmte Themen, Anliegen oder Impressionen besser, zielführender und leichter bearbeiten. Auch das Filtern und Umsetzen wird vereinfacht, denn man profitiert vom aktiven Austausch mit Gleichgesinnten. Durch die Erfahrungen anderer lernt man automatisch.

Die Formen eines Netzwerks sind in Zeiten der Onlinemedien teilweise digitalisiert. Beruflich orientierte Plattformen wie etwa XING oder LinkedIn (regionales, überregionales, weltweites Netzwerk) ermöglichen die Vernetzung auf dienstlicher Ebene. Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok & Co. reflektieren eher den privaten Bereich. Dennoch finden sich auch hier zunehmend Gruppen, Fotos, Videos, Beiträge usw., die durchaus auf beruflicher Ebene angesiedelt sind. Trotzdem geht meiner Meinung nach nichts über einen direkten Kontakt von Mensch zu Mensch oder, in unserem Fall, von ZFA zu ZFA. Ein gutes persönliches Gespräch ist durch nichts zu ersetzen.

Wie entstehen Netzwerke und wie sind sie strukturiert?

Netzwerke entstehen auf vielfältige Weise – wie vorangegangen beschrieben digital oder analog dazu „von Mensch zu Mensch“. Am Beispiel unseres regionalen ZFA-Zirkels lässt sich die Entstehung eines persönlichen/beruflichen Netzwerks sehr gut exemplarisch erläutern. Die Idee dahinter war, ein regelmäßiges Treffen für ZFA – unabhängig von Aus-, Fort- und Weiterbildungsgrad – in der Region Baden-Württemberg ins Leben zu rufen, das sich zu einem festen Event im dentalen Jahreskalender etabliert. Auch hier war schnell klar: Solche Projekte gelingen nur im Team. Nach einem ersten Zusammentreffen 2014, bei dem gerade einmal neun ZFA-Kolleginnen zusammen am Tisch saßen, wurde uns bewusst, dass es ein derartiges Netzwerk für unsere Berufsgruppe bisher in dieser Art und in unserer Region noch nicht gab. Wir haben damit ein Treffen mit Alleinstellungsmerkmal ins Leben gerufen. Gerade zu Zeiten des Fachkräftemangels, welcher in der Dentalwelt nun auch angekommen ist, wird der Austausch zunehmend wichtiger.

Viele ZFA nutzen nach der erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung, in der die ersten Netzwerkaktivitäten durch das Team der Zahnarztpraxis oder die Kolleginnen bzw. Kollegen in der Berufsschule entstehen, diverse Fort- und Weiterbildungsangebote. Über diesen Weg lernt man immer wieder „neue Dentalfreunde“ kennen oder trifft alte Bekannte. Man tauscht eventuell auch einmal Kontaktdaten aus, vernetzt sich digital (z. B. über WhatsApp) sieht die Person aber nur selten oder gar nicht mehr von Angesicht zu Angesicht. Das wollten wir mit dem ZFA-Zirkel in unserer Region ändern.

Es war uns ein besonderes Anliegen, dass mindestens zweimal jährlich 35 bis 55 ZFA an einem Tisch Platz nehmen, einen schönen Abend gemeinsam verbringen, Spaß haben, kreative Inspirationen erhalten, sich unterhalten, News austauschen, Fortbildungsangebote besprechen und auf neutralem Boden kommunizieren. Dies ist uns mit Motivation und Teamspirit gelungen. Mein Dank gilt dafür allen Kolleginnen und Kollegen sowie den Sponsoren Iris Buder von GlaxoSmithKline Consumer Healthcare und dem Team von Young Innovations Europe.

Welche Themen stehen dabei besonders im Mittelpunkt?

Alle, die mit dem Beruf, der Familienplanung und dem allgemeinen Alltag zu tun haben. Vom Prophylaxekonzept über Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu Regelungen gemäß gesetzlicher Vorgaben (z. B. Abrechnung, Arbeitsschutz, Mutterschutz, Elternzeit) bleiben hier keine Fragen offen. Bezugnehmend auf den Fachkräftemangel werden Themen wie Wertschätzung, Tarifverträge, Bezahlung für die Tätigkeit einer/eines ZFA oder Delegationsrahmen vermehrt fokussiert.

Welche Vorteile hat das Netzwerk?

Man kann sich regelmäßig fachlich austauschen, erhält viel Input von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen sowie Motivation in allen Lebenslagen. Im Netzwerk hat man immer Ansprechpartner, die bei Rückfragen Rede und Antwort stehen. Es ist eine aufrichtige, faire, offene und ehrliche Möglichkeit, sich zu vernetzen – auf einfachstem direktem und persönlichem Weg.

Wo kann man bereits bestehende Netzwerke am besten finden?

Das geht am besten online oder über die Empfehlung durch Kolleginnen bzw. Kollegen.

Wie profitiert die Zahnarztpraxis vom Netzwerk der ZFA?

Allgemein und gemäß dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ oder „Gemeinsam mehr erreichen“ profitiert die Zahnarztpraxis immer durch den Einfluss positiver Impulse.

Gibt es auch Stolperfallen?

Ungünstig ist meiner Meinung nach die Entwicklung, dass beispielsweise Onlinemedien teilweise den persönlichen Kontakt unterbinden. Früher hat man Kolleginnen besucht oder sich „zum Telefonieren“ verabredet, weil das Gerät noch mit Schnur und Stecker verbunden im Wohnzimmer stand und man die Zeit abpassen musste, um ungestört sprechen zu können. Heute schickt man sich Nachrichten oder Fotos in rauen Mengen per Handy. Vom Essen bis hin zu ganz privaten Dingen wird alles gepostet, geliked und geteilt …

Wann und warum haben Sie angefangen, sich ein Netzwerk zu Kolleginnen aufzubauen?

Die ersten Netzwerkaktivitäten wurden schon während meiner Berufsausbildung zur Zahnarzthelferin (heute ZFA), welche ich 2002 abschließen konnte, betrieben. Hier bestand das Netzwerk, wie bereits beschrieben, aus dem Praxisteam meiner Ausbildungspraxis, mit dem der Umgang familiär und freundschaftlich war. Dies weitete sich auf die Kolleginnen in der Berufsschule aus, die sich für dieselbe Ausbildung entschieden hatten. Bereits während der Ausbildung war mir klar, dass ich mich beruflich und persönlich weiterentwickeln möchte. Der Besuch der ersten Fachdental-Messen (damals Stuttgart und Frankfurt am Main) erweiterte meinen Horizont enorm.

Nach meiner Ausbildung wechselte ich den Arbeitgeber und mit der Aufnahme meiner Tätigkeit an der Uniklinik Heidelberg (Abt. Zahnerhaltungskunde, Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle) wurden plötzlich ganz vielfältige neue Wege ermöglicht. Bereits im ersten Arbeitsjahr durfte ich viele Fortbildungsmöglichkeiten ergreifen. Ich konnte mit dem Flugzeug nach Berlin und Madrid reisen – für mich damals eine „neue Welt“ – mit sehr vielen Impressionen, neuen Kontakten und unendlichen Möglichkeiten. Das Netzwerk wuchs spontan, schnell und stetig.

Wie haben Sie gemerkt, dass Ihnen das Netzwerken hilft?

Immer dann, wenn es mir schlecht ging, ich unsicher war oder einen Menschen an meiner Seite nötig hatte, konnte ich auf mein Netzwerk zurückgreifen. Zu vielen Menschen aus unserem Netzwerk habe ich mittlerweile eine sehr freundschaftliche Basis aufbauen können, und das ist einfach unersetzlich. Es gibt immer jemanden, der etwas weiß oder sich besser auskennt als man selbst. Das ist keine Schande, sondern ein Geschenk, und es ist schön, wenn einem Gleichgesinnte Unterstützung oder Hilfestellung anbieten.

Welche Form des Netzwerkens bevorzugen Sie?

Den direkten Kontakt von ZFA zu ZFA.

Welche Tipps haben Sie für ZFA, ihr Netzwerk aufzubauen und zu pflegen?

Vernetzt euch mit vielen Menschen auf unterschiedlichster Ebene, filtert dabei wer oder was euch selbst guttut. Dann wird es passen und alles selektiert sich von selbst.

Das Interview ist im Prophylaxe Journal erschienen.

Foto: PointImages – stock.adobe.com

Mehr News aus Personalmanagement

ePaper

Anzeige