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Qualitätsmanagement 03.02.2020

Zahnsteininstrumente schleifen: JA oder NEIN?

Zahnsteininstrumente schleifen: JA oder NEIN?

Ja, vorausgesetzt Sie beherrschen die Technik, haben das Wissen, die Zeit und die Geduld dazu. Nein, wenn Sie diese Voraussetzungen nicht haben.

Bitte sehen Sie einmal in der Praxis nach, ob die Zahnstein-Instrumente noch die originale Form haben. Alle Instrumente brauchen Pflege. Vergleichen wir das kurz mit den Wurzelbehandlungs-(WB-)Instrumenten oder Bohrern. Es gibt ja für jeden Zahn, für jeden Arbeitsschritt das richtige/perfekte Werkzeug. Eine krumme WB-Nadel oder ein stumpfer Bohrer wird umgehend ersetzt. Die Chance, dass ein Werkzeug abbricht, vergrössert sich bei jeder Anwendung, jeder Aufbereitung. Sie möchten effektiv arbeiten, das Gewebe und sich selber schützen? Das geht nur mit gepflegten, kontrollierten Werkzeugen. Das gilt gleichermassen für die Instrumente, die für die Zahnreinigung gebraucht werden. Es gibt zwar „universal“ einsetzbare Werkzeuge, aber wir Professionals wissen, dass es mehr als nur ein Modell braucht. Es gibt sehr viele Scaler und Küretten für Inzisiven, Prämolaren, Molaren, Furkationen usw. Mit scharfen Instrumenten, die aber eben auch noch die ideale originale Form haben, arbeiten Sie effektiv, Sie schonen nicht nur das Gewebe, sondern auch sich selbst! Ob von Hand oder mit einer Maschine, das richtige Schleifen ist sehr aufwendig und zeitintensiv! Nichts für schnell zwischendurch. Instrumente sollten wie ein Kochmesser „heilig“ sein. Richtig schleifen ist eine wahre Kunst!

„Warum schleifen Sie ein Instrument?“

Als erfahrene Dentalprofessional wurde mir zu diesem Thema vor ein paar Jahren an einer Messe, als ich neue Instrumente kaufen wollte, folgende Frage gestellt: „Warum schleifen Sie ein Instrument?“ Diese Frage inspirierte mich zum Schreiben dieses Textes.

Die Antwort war einfach: Man möchte ein scharfes Instrument haben, schonend arbeiten, um das Gewebe nicht zu verletzen und effektiv zu sein, sowie auch in eigenem Interesse – ergonomisch und gelenkschonend agieren.

Was passiert beim Schleifen?

Bei jedem Kontakt, bei jeder aktiven Bewegung mit dem Schleifstein wird Material von den Arbeitsflächen abgetragen. Und was ist das Resultat? Sie verändern die optimale, originale Form. Das Instrument wird nie mehr so sein wie es hergestellt wurde. Wenn nur ganz minimal die linke oder die rechte Hand bewegt, der Winkel nur ein wenig verändert oder der Druck variiert wird, verschleifen Sie das Instrument. Die Kürette wird spitz, die Schneideflächen bekommen Facetten. Der Scaler wird immer kürzer und dünner.

Schleifvorgang/Praxisumsetzung

Schleifen Sie von Hand oder mit einer Maschine? Die Instrumente sollten auf jeden Fall richtig eingespannt oder fixiert werden, um den vorgegebenen Schleifwinkel einzuhalten. Die Instrumente lediglich in der Hand zu halten und abzustützen, funktioniert leider schlecht (es gibt zu viele Hebelwirkungen), und wenn dann noch von Hand geschliffen wird, d. h. der Stein bewegt wird, wird es noch komplizierter. Bevor Sie mit dem Schleifen beginnen, ist das Fixieren und das genaue Ausrichten der horizontalen Ebene mit einer «Libelle» sehr wichtig. Nur so ist es möglich, den korrekten Winkel einzustellen und einzuhalten. Dazu sollten Sie eine Schablone verwenden, um den Winkel im Auge behalten zu können.

Kennen Sie die unterschiedlichen Schleifwinkel für Scaler, Kürette (Scaler 110°/Kürette 100°) oder sogar Knochenschaber? Schleifen Sie mit Keramik- oder Arkansas-Ölsteinen? Der Stein sollte sehr sorgfältig gepflegt werden. Der Ölstein – ob grob oder fein – ist porös und sollte mit Öl getränkt werden, um die Poren zu stopfen. (Hier funktioniert meiner Meinung nach feines Nähmaschinenöl genau so gut wie das teure Öl vom Instrumentenhersteller.) Wenn sich diese Poren mit Metallstaub (vom Schleifen) füllen, wird der Stein unbrauchbar. Es entstehen Rillen, die Oberfläche wird unregelmässig und es ist unmöglich, damit einen sauberen Schliff zu erreichen. Wichtig ist: Mit einem Tupfer und Öl wird der Stein vor und nach jedem Schleifvorgang, nach jedem Instrument (auch wenn man mit der Maschine schleift) abgetupft und nicht abgerieben. Nur so kann man den Stahlstaub entfernen, bevor er sich tief in den Poren festsetzt. Die Steine bleiben so über einen langen Zeitraum brauchbar. Leider wird das in der Praxis selten umgesetzt. Vor allem die rotierenden Schleifsteine (Abb. 1) haben oft eine dicke fettige Schicht und eine abgenutzte Oberfläche, oft mit tiefen Rillen. Die Pflege der Steine ist aufwendig, aber sie ist eine wichtige Voraussetzung für einen sauberen Schliff.

Ist das Instrument eingespannt, ohne dass es wackelt, ist es im richtigen Winkel ausgerichtet, ist der Schleifstein vorbereitet, gibt es genügend Licht und eine Lupe am Arbeitsplatz – dann kann es losgehen. Aber wie viele Schleifbewegungen oder wie viel Druck braucht es eigentlich, um die Schneidekante zu schärfen, ohne allzu viel Material abzutragen? Sehr wenig! Beim Schleifen von Hand reichen mir je nach Instrument drei bis fünf genaue, aktive Bewegungen. Zwischendurch sollte mit der Lupe (eine Lupenbrille eignet sich hervorragend!) und bei gutem Licht kontrolliert werden, ob es keine Schleiffacetten gibt. Diese Facetten werden als Schatten auf der geschliffenen Kante wahrgenommen und sind sehr mühsam zu korrigieren. Das Instrument ist dann eigentlich schon „verschliffen“. Beim Schleifen mit der Maschine können Sie die Zahl der Schleifbewegungen oder den Druck leider nicht, oder viel ungenauer, kontrollieren. Es wird sehr schnell zu viel Material abgetragen. Bei der Kontrolle mit der Lupe sieht man das oft schlechtere Resultat: mehr Reflexionen, mehr Schatten und manchmal auch Kerben im Schaft des Instrumentes.

Erfahrungen

Als DH mit sehr langer Erfahrung habe ich in diversen Praxen gearbeitet, und auch in meiner Aussendienstzeit hatte ich an vielen Orten Einblicke in das Instrumentarium. Der Anblick der Scaler und Küretten war oft traurig bis sehr traurig. Es sind keine Instrumente, die nach Einmalgebrauch weggeworfen werden! Schonendes, präzises Schleifen ist angesagt. Verschliffene Instrumente schaden dem Patienten und auch uns bei der täglichen Arbeit. Lange habe ich meine eigenen Instrumente zur Arbeit mitgebracht, die ich zu Hause selbst geschliffen habe. Meine Hände mussten damit arbeiten, und ich war für meine Arbeit verantwortlich. Eine Zeit lang war ich als Instruktorin für das Schleifen mit dem sog. „KramerHalter“ tätig. Mit diesem Halter, mit Schablone und Ölstein, schleife ich noch heute die Instrumente meines Chefs für aufwendige Paro-Behandlungen. „Es ist wunderbar, mit einem scharfen Instrument zu arbeiten“ war seine Reaktion, nachdem ich das erste Mal seine Instrumente geschliffen hatte. Ich mache das gern – mit viel Geduld und grosser Liebe für das Handwerk.

Der Beitrag ist in der Dental Tribune Swiss Edition erschienen.

Fotos: Autorin

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