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Praxiseinrichtung 22.11.2019

Bauen im Bestand: Vom Postamt zur oralchirurgischen Praxis

Bauen im Bestand: Vom Postamt zur oralchirurgischen Praxis

Bad Dürkheim, idyllisch gelegen an der Weinstraße in der Pfalz. Im Herzen der Stadt liegt ein altes, gemauertes Sandsteingebäude, welches seit vielen Jahren die Postfiliale beherbergt und tief mit der Geschichte rund um die Briefzustellung verwurzelt ist. Auf eben dieses Gebäude fiel die Wahl von Dr. Ingrid Kästel für ihre Oralchirurgie mit den Schwerpunkten Implantologie und Plastische Parodontalchirurgie.

Die Oralchirurgin Dr. Ingrid Kästel äußerte von Anfang den Wunsch, den Bewohnern Bad Dürkheims einen Teil „ihrer vertrauten Post“ zurückzugeben. Dieses Anliegen wurde von 12:43 Architekten im gestalterischen Konzept der neuen Praxisräumlichkeiten berücksichtigt und in die heutige Zeit transportiert.

Ankommen

Einen Teil der Postfiliale im Zentrum von Bad Dürkheim in eine Praxis für Oralchirurgie verwandeln: Genau das hatte sich Dr. Ingrid Kästel vorgenommen. Dabei sollen ihre Patienten an den Zweck des Gebäudes erinnert werden – am besten bereits beim ersten Schritt in die Praxis. Und so wartet die erste postalische Verbindung schon im offen und einladend gestalteten Empfangsbereich. Ein altes Siegel liefert die Idee zu dem direkt ins Auge fallenden hölzernen Logo der Praxis. Die schwarz gehaltene Empfangsbox selbst beinhaltet neben Stauraum zudem ein integriertes Backoffice im Hintergrund, das ebenfalls den internen Zugang zum angegliederten Besprechungsraum möglich macht. Großzügige, raumhohe, bedruckte Glaselemente lassen Blickbeziehungen in die angrenzenden Räume zu, erlauben lichtdurchflutete Räume und fungieren gleichzeitig als raumteilende Elemente.

„Sei hier Gast …“

Im angrenzenden offen gestalteten „Gästezimmer“ wird schnell klar, dass es sich um eine andere Form des Wartens handelt. Ein großzügiges Regal, das den „Postfachgedanken“ in abstrahierter Form wiedergibt, beinhaltet erlesene Bildbände statt abgegriffener Heftchen. Ähnlich wie in einer Küche kann sich der Patient hier aus dem integrierten „Weinkühlschrank“ Getränke nehmen oder selbst einen Kaffee zubereiten. Der große gesellige Tisch sorgt für familiäre und gemütliche Atmosphäre mit „Aufenthaltscharakter“ und soll zur offenen Kommunikation der Patienten anregen: lebendige Gespräche anstelle von drückender Stille. Weiterhin dient der Wartebereich als Tagungsort für Seminare und informative Überweiserveranstaltungen.

Klare Strukturen als Leitsystem

Als durchgängiges Konzept bei der Möbelgestaltung lag der Fokus auf der Integration von Nischen, die sich in der gesamten Praxisfläche wiederfinden. So werden diese Nischen beispielsweise durch das lange raumbildende Einbaumöbel gefasst, das sich vom Besprechungsraum bis zur Garderobe erstreckt. Gleichzeitig zoniert das Möbel den Bereich zwischen den „Räumen des Ankommens“ und den Behandlungszimmern.

Durch die geschickte Positionierung der Räume entstehen klare öffentliche und private Bereiche. Die Ansiedlung der vier Behandlungszimmer erfolgte an den Außenwänden, um Tageslicht und Frischluftzufuhr einzubinden. Die bedienenden Räume – Sterilisation, Röntgen, Lager usw. – sind zentral gelegen, um eine gute Erreichbarkeit aller Zimmer zu gewährleisten.

Vergangenes wahren, Neues zulassen

Um würdig mit dem Bestandsgebäude umzugehen, wurde bewusst auf eine reduzierte und hochwertige Materialpalette zurückgegriffen. Der Fokus lag hier auf dem traditionellen Baustoff Holz, der an den Manufakturgedanken erinnern soll. Das ästhetische Naturmaterial steht hierbei als verbindendes Element zwischen Handwerk und akademischem Fach. Kombiniert mit Schwarz-Weiß-Tönen sowie den drei sorgfältig ausgewählten Farben Rosé, Bordeaux und Blau wurde das Konzept abgerundet und Highlights wurden gesetzt. Eine lineare stringente Beleuchtung unterstreicht die umgebende Innenarchitektur und wird durch ausgewählte Leuchten aufgelockert. CI und Leitsystem wurden feinfühlig aufeinander abgestimmt und beispielsweise als Sichtschutz in Form von Folierungen auf die Festverglasungen aufgebracht. Die Auswahl der Fotografien zeigt im „Gästezimmer“ das frühere Bad Dürkheim. Die weiteren Motive dienen als Hommage an die Post aus vergangenen Tagen.

Fazit: Bauen im Bestand

Das respektvolle Verständnis von Dr. Ingrid Kästel für Bauen im Bestand dient als ein vorbildliches Beispiel dafür, dass der Umgang mit vorhandenen Bausubstanzen im historischen Kontext nicht als Hindernis gesehen werden sollte, sondern als inspirierende Herausforderung für den Innenausbau neuer Praxen. Vergangene Werte zu erkennen, zu achten und zu wahren, schließt eine zeitgemäße Gestaltung nicht aus. Anpassungen und Modernisierungen an geschichtliche Bauten bieten trotz der sensiblen Anforderungen eine große Gestaltungsvielfalt, die zweifelsohne mit den Ansprüchen der Gegenwart einhergehen können.

Autoren: Maike Eisenhardt, Lars-Erik Prokop

Foto: Markus Guhl

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