Psychologie 10.02.2021

Richtig kommunizieren: Das „interessante“ Kind

Richtig kommunizieren: Das „interessante“ Kind

Foto: Microgen – stock.adobe.com

Wenn ein Kind die zahnärztliche Behandlung verweigert, dann nennen wir es nicht „schwierig“ oder „anstrengend“, sondern „interessant“. Es gibt die verschiedensten Taktiken zur Behandlungsverweigerung und wahrscheinlich noch mehr Gründe dafür. In der kurzen Zeit, in der wir das Kind zunächst erleben, werden wir nur schwer herausfinden können, aus welchem Grund es unkooperativ ist. Es deshalb einfach als „schwierig“, „unerzogen“ oder „anstrengend“ zu bezeichnen, ist sicherlich vermessen. Seien wir doch lieber interessiert daran, diesem Kind eine Chance zu geben und nicht gleich in die Schublade „schwierig“ abzuschieben. In einer Zahnarztpraxis, die auf die Behandlung kleiner Patienten spezialisiert ist, gibt es vielfältige Möglichkeiten für den Umgang mit herausfordernden Situationen. Dort, wo dies nicht der Fall ist, erschwert insbesondere ein rigoroses Zeitmanagement die Situation.

Ich möchte Ihnen ein paar Tipps mitgeben, wie ich interessanten Kindern begegne. Diese Strategien ermöglichen mir eine innere Haltung, die viele herausfordernde Situationen erleichtert und auch eine gewisse Leichtigkeit in den Behandlungsalltag bringt.

1. Ich „bettele“ nicht um die Behandlung

Ich kann dem Kind nur helfen, wenn es das auch zulässt. Aber ICH als Behandler „brauche“ die Therapie nicht. Diese innere Erkenntnis ganz bewusst vor dem Kind in sich selbst entstehen zu lassen, hat mir schon oft geholfen. Häufig merken die Kinder dann, dass sie den Gefallen nicht mir tun, sondern sich selbst.

2. Traumatisierungen vermeiden

Wir wissen, dass die meisten Zahnbehandlungsängste durch traumatisierende Zahnarztbesuche in der Kindheit entstehen. Dies gilt es, in Zukunft unbedingt zu vermeiden. Daher geschieht in meiner Behandlung nichts gegen den Willen eines kleinen Patienten. Dass das Kind womöglich bewusst übertreibt oder mich einfach herausfordern will, kann ich in der kurzen Zeit nur erahnen, aber niemals wissen. Öffnet das Kind nicht bereitwillig den Mund und erlaubt mir damit die Behandlung, werde ich nicht tätig.

3. Ich bin nicht die Erziehungsberechtigte

Verlässt ein interessantes Kind unverrichteter Dinge die Praxis, dann ist der anschließende Ärger mit den Eltern schon belastend genug. Ich gebe dem Kind nicht noch zusätzlich das Gefühl, versagt zu haben.

4. Klare Grenzen setzen

In meinem Zimmer wird nach meinen Regeln gespielt. Meine Regeln basieren auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Das Kind ist mein geschätzter Gast, solange es meine Gastfreundschaft respektiert. Eine weitere klare Grenze sind zwei Termine. Zeigt sich das Kind auch beim dritten Termin nicht behandlungswillig, überweise ich an die Spezialisten für kleine Patienten. Denn vielleicht bin ich als Person auch einfach nicht die richtige für das Kind. Auch diese Einsicht kann sehr befreiend sein. Für uns selbst und für die kleinen Patienten.

Der Beitrag ist in ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

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