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Recht 30.08.2013

Erbschaft steuern, statt Erbschaftssteuer

Erbschaft steuern, statt Erbschaftssteuer

Vermeiden Sie „Dummensteuer“

Es gibt wesentlich schönere Dinge, als sich Gedanken über die Folgen seines eigenen Ablebens oder das eines Verwandten zu machen. Das wissen wir auch! Doch dieses Thema betrifft uns alle – und zwar immer mehr. Wir leben in der so genannten Erbengeneration. Nie wurde so viel vererbt wie heute. 2010 wurden allein in Deutschland 30,6 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Der Fiskus kassierte davon 4,6 Milliarden Euro an Erbschafts- und Schenkungssteuer, das sind durchschnittlich 15 %! Oft wird dabei mangels Planung und Vermeidung einfacher Fehler zu viel an Steuern gezahlt. Die vermeidbaren Fehler lauern dabei bereits in jungen Jahren, z.B. beim Abschluss einer Risikolebensversicherung, aber insbesondere auch in der nicht rechtzeitigen Planung. Mit einer konkreten Erbschaftssteuerplanung sollte unseres Erachtens spätestens mit dem 55. Lebensjahr begonnen werden. Dann haben Sie noch die Chance, Ihren Nachlass langfristig zu steuern. Der nachfolgende Beitrag gibt einen kurzen Einblick in die Grundlagen der Erbschafts-/Schenkungssteuer und einiger Steuerfallen des Alltags.

Wann fällt Erbschafts-/Schenkungssteuer an?

Grundlage für die Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen ist das Erbschaftssteuergesetz. Grundsätzlich unterliegt in Deutschland jede Erbschaft und Schenkung bei der einer der Beteiligten seinen Wohnsitz in Deutschland hat der Erbschaftssteuer. Je nach Verwandtschaftsgrad werden die Erwerber (Erbe/Beschenkte) in drei Steuerklassen unterteilt. Je weiter das Verwandtschaftsverhältnis auseinander liegt, umso höher werden die Steuersätze und umso geringer die Freibeträge, innerhalb derer eine Erbschaft/Schenkung steuerfrei bleibt.

Welche Freibeträge gibt es und wie können diese zum Steuern sparen genutzt werden?

Die wichtigsten Freibeträge für die Praxis sind die Freibeträge für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner in Höhe von 500.000 €, für Kinder in Höhe von 400.000 € und für Enkelkinder noch lebender Kinder in Höhe von 200.000 €. Daneben gibt es weitere Freibeträge und Vergünstigungen z.B. für Hausrat, private Grundstücke und das Familienwohnheim, aber auch bei der Übertragung von Betriebsvermögen. Die Steuersätze beginnen, soweit die Freibeträge überschritten werden, bei nahen Verwandten, z.B. Kinder und Enkelkinder bei 7 % (bis 75 T€), steigen dann stufenweise über 11 % (bis 300 T€), 15 % (bis 600 T€), 19 % (bis 6 Mio.€) usw. und enden bei 30 %, dies allerdings erst bei einer Erbschaft/Schenkung ab 26 Mio.€. Bei „fremden“ Personen, dazu gehören z.B. auch Lebensgefährten/innen, beträgt dagegen der Freibetrag nur 20.000 € und die Steuersätze beginnen bei 30 % und enden bei 50 %.

Eine Besonderheit hinsichtlich der Freibeträge besteht insoweit, als die Freibeträge quasi alle zehn Jahre wieder aufleben. Schenkt also am 30. September 2013 ein Vater seiner Tochter 400.000 €, bleibt die Schenkung ohne Schenkungssteuerbelastung, weil der Freibetrag für Kinder nicht überschritten ist. Ab dem 1. Oktober 2023 kann die Tochter bei weiteren Schenkungen oder einer Erbschaft vom Vater den Freibetrag von 400.000 € erneut geltend machen usw. Wären dagegen die 800.000 €, z.B. im Rahmen einer Erbschaft im Jahre 2024, in einer Summe übertragen worden, hätte dies eine Steuerbelastung von 60.000 € ausgelöst. Das Fazit aus dem einfachen Beispiel ist, dass man bei entsprechender rechtzeitiger Planung, bereits hier 60.000 € an Steuern hätte sparen können. Zum Teil ist es dabei nicht mal notwendig, das Vermögen wirklich auch vollständig aus der Hand zu geben. Bei Immobilien bietet es sich z.B. an, zwar das Eigentum zu übertragen, sich aber den Nießbrauch – d.h. insbesondere die Mieteinnahmen – bis zum Tode vorzubehalten. Auf diese Weise wird das Vermögen bei einer späteren Erbschaft der Erbschaftssteuer entzogen, ohne dass die Eltern auf die Mieteinnahmen als Teil ihrer Altersversorgung verzichten müssten.

Des Weiteren sollte man beachten, dass jedem Elternteil gegenüber jedem Kind jeweils ein Freibetrag zusteht. Ist nur ein Elternteil vermögend, bietet es sich im Einzelfall an, Vermögen zunächst durch geschickte Gestaltung auf den anderen (vermögenslosen) Ehegatten steuerfrei zu transferieren und dann an die Kinder/Enkelkinder. Das verdoppelt die erbschafts-/schenkungssteuerlichen Freibeträge. Aber gerade auch beim Vermögenstransfer zwischen Ehegatten muss man Vorsicht walten lassen, denn auch dieser bedarf einer sorgfältiger Planung.

Was müssen Eheleute bei einer Geldanlage / einem Vermögenstransfer beachten?

Größere Geldsummen an den Ehegatten zu überweisen, kann ebenfalls ungewollte erbschafts-/schenkungssteuerliche Folgen auslösen. Das gilt übrigens auch für Gemeinschaftskonten/-depots von Ehegatten (so genannte „Oder-Konten/-Depots“). Ist einer der Ehegatten Hauptverdiener und transferiert das Einkommen in einen gemeinsamen Vermögenstopf der Ehegatten, kann das Finanzamt hier Schenkungen (so genannte ehebedingte freigiebige Zuwendungen) annehmen und je nach Höhe mit Erbschaftssteuer belasten. Dies lässt sich zwar durch geschickte Gestaltungen auch nachträglich häufig wieder reparieren, dies aber auch nur zu Lebzeiten. Grundsätzlich sollten aber Ehegatten ihre Vermögen getrennt führen und sich vor einem Vermögenstransfer eingehend beraten lassen.

Wann wird das „Berliner Testament“ zur Steuerfalle?

Zu einer echten Erbschaftssteuerfalle kann sich im Einzelfall bei größeren Vermögen auch z.B. das Berliner Testament entwickeln. Beim Berliner Testament ist vorgesehen, dass zunächst der überlebende Ehegatte das gesamte eheliche Vermögen erhält. Erst wenn der zweite Ehegatte stirbt, erben die Kinder dann alles. In der Regel wird dieses Testament dann auch noch mit einer so genannten Pflichtteilsklausel versehen. Durch diese werden die Kinder für beide Erbschaften auf den Pflichtteil gesetzt, wenn sie nach dem Versterben des ersten Ehegatten ihren gesetzlichen Pflichtteil geltend machen. Diese Klausel verfolgt das Ziel, zu vermeiden, dass die Kinder ihren Pflichtteil tatsächlich geltend machen. Soweit bei dem Gedanken die Versorgung des überlebenden Ehegatten im Vordergrund steht, ist dies ein ehrwürdiges Ziel und sicherlich auch angebracht. Wenn allerdings das Vermögen z.B. bei zwei Kindern über rund 800.000 € liegt, führt das Berliner Testament möglicherweise zu einer deutlichen Mehrbelastung an Erbschaftssteuer, die vermeidbar gewesen wäre. Dies liegt daran, dass dasselbe Vermögen zweimal übertragen wird und damit zweimal Erbschaftssteuer auslösen kann. Im ersten Schritt vom erstversterbenden Ehegatten auf den überlebenden Ehegatten und dann erst in einem zweiten Schritt von diesem auf die Kinder. Zudem bleiben die Freibeträge des erstversterbenden Ehegatten gegenüber den Kindern ungenutzt. Hier lässt sich durch geschickte Gestaltung häufig ein Großteil, wenn nicht alles an Erbschaftssteuer vermeiden. 

Wie lässt sich „Generations-Hopping“ zum Steuern sparen nutzen?

Als weitere Überlegung könnte man mit dem Vermögen zum Teil auch eine Generation überspringen. Im Testament könnte z.B. vorgesehen sein, dass Enkelkinder zu Lasten des Erbteils des entsprechenden Kindes ein Vermächtnis in Höhe von bis zu 200.000 € erhalten. Dieser Betrag fällt dann nicht in das zu versteuernde Erbe des Kindes, sondern wird dem Enkelkind zugerechnet und bleibt aufgrund dessen eigenen Freibetrages in Höhe von 200.000 € steuerfrei.

Was ist beim Abschluss von Risikolebensversicherungen zu beachten?

Steuertipp betreffend den Abschluss von Risikolebensversicherungen: Oft werden Risikolebensversicherungen in der Weise abgeschlossen, dass der Versicherungsnehmer selbst die versicherte Person ist. Man versichert quasi sein eigenes Leben. Die Person, dessen wirtschaftliche Situation im Todesfall abgesichert werden soll, wird als Bezugsberechtigte benannt. Aus dieser Gestaltung ergeben sich bei Eintritt des Erbfalls folgende steuerliche Folgen: Der Anspruch des Bezugsberechtigten auf Auszahlung der Versicherungssumme fällt nicht in den Nachlass, sondern ist gesondert zu betrachten. Er unterliegt aber gleichwohl als Erwerb von Todes wegen der Erbschaftsbesteuerung. Übersteigt die auszuzahlende Versicherungssumme (zusammen mit einer anderweitigen Erbschaft) dann den persönlichen Freibetrag des Bezugsberechtigten, muss dieser Erbschaftssteuer auf seinen Anspruch aus der Versicherung zahlen.

Eine Besteuerung der Versicherungssumme mit Erbschaftssteuer lässt sich dadurch umgehen, dass die begünstigte Person selbst Versicherungsnehmer und Beitragszahler ist. Man versichert quasi das Leben eines Anderen, z.B. die Ehefrau (als Versicherungsnehmer und Beitragszahler) das Leben des Ehemannes (als versicherte Person). In dem Fall steht der Anspruch auf Zahlung der Versicherungssumme beim Tod des Ehemanns dem Begünstigten (zugleich der Beitragszahler), also der Ehefrau, selbst zu und stammt nicht von dem Verstorbenen. Es kommt somit nicht zu einer Versteuerung der Versicherungssumme. Insbesondere in Fällen, in denen sich nicht verheiratete Partner mit gemeinsamen Kindern gegenseitig finanziell absichern wollen, bietet sich diese Gestaltung an. Denn wenn die Versicherungssumme in diesem Fall ausgezahlt wird, unterliegt sie der Besteuerung nach der (ungünstigsten) Steuerklasse III, dem überlebenden Partner steht also lediglich ein persönlicher Freibetrag von 20.000 Euro zu und die Steuersätze beginnen bei 30 %.

An weiterführenden Informationen interessiert?

Sofern Sie an weiteren grundlegenden Informationen interessiert sind, fordern Sie gerne unsere kurze rund 30-seitige Broschüre „Die Erbschafts-/Schenkungssteuer – Grundlagen und Steuerfallen des Alltags“ an. Die Broschüre enthält weitere Einzelheiten und viele Beispiele, mit denen die Themen weiter verdeutlicht werden. Zudem werden in der Broschüre die Fragen behandelt, welche Anzeige- und Meldepflichten es gegenüber dem Finanzamt gibt und wann mögliche Steuerforderungen gegenüber dem Finanzamt verjähren. Schicken Sie uns hierzu einfach eine E-Mail an office@laufmich.de mit dem Stichwort/Betreff „Anforderung Erbschaftssteuerbroschüre“ und Ihren Kontaktdaten (Name, Adresse, Telefonnummer für eventuelle Rückfragen). Wir senden Ihnen diese dann gerne umgehend zu.

Besuchen Sie auch gerne unseren offenen Informationsabend zum Thema Erbschaftssteuer, voraussichtlich am 16.10.2013 in unserer Kanzlei. Dieses Jahr wird es vor dem Hintergrund der Vermeidung von Familienstreitigkeiten zwischen den Erben insbesondere um die Fragen gehen: Welche Möglichkeiten bieten sich, Einfluss auf die Verteilung des Nachlasses zu nehmen? Wie können bestimmte Personen von der Beteiligung an einer Erbengemeinschaft ausgenommen werden? Wie funktioniert eine Ausbildungsstiftung für nachfolgende Generationen? Bei Interesse schicken Sie uns auch gerne eine E-Mail an office@laufmich.de mit dem Stichwort/Betreff „Einladung Erbschaftssteuerveranstaltung“. Wir senden Ihnen diese dann Anfang September zu.

Eine Bitte zum Schluss:

Lassen Sie sich beraten! Egal ob bei Ihrem persönlichen Steuerberater oder bei uns. Zahlen Sie bitte jedenfalls keine „Dummensteuer“.

Kontakt:

Thomas Ketteler-Eising

Diplom-Betriebswirt
Steuerberater
 
Laufenberg Michels und Partner
 
Robert-Perthel-Straße 77a
50739 Köln (Longerich)
 
Telefon:     02 21 / 95 74 94 - 0
Telefax:     02 21 / 95 74 94 - 27
E-Mail:      office@laufmich.de

Foto: © vege - Fotolia.com
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