Statements 18.05.2016

Braucht es Endo-Spezialisten in der Schweiz?

Braucht es Endo-Spezialisten in der Schweiz?

Foto: © Ilyes Laszlo, Denis Aglichev – fotolia.com

Ein Spezialist zeichnet sich bekanntermassen vor allem durch sein Spezialwissen aus. Spezialwissen ist umfangreiches Wissen über einen relativ kleinen Bereich. Führt eine weitere Spezialisierung also zu immer grösserem Wissen über immer kleinere Bereiche? Vielleicht gar so weit, dass der grösste Spezialist derjenige ist, der wirklich alles über gar nichts weiss?

Auf das Fachgebiet Endodontologie bezogen scheint es lohnenswert, sich einiger Grundlagen zu besinnen. Erstens: Die beste Endo ist keine Endo. Zweitens: Ist eine Endo nötig, müssen wir die Bakterien aus dem Wurzelkanal rausholen oder töten. Drittens: Ist eine Endo durchgeführt, haben die Bakterien draussen zu bleiben.

Das ist zwar etwas plakativ formuliert, und insbesondere bei Punkt 2 gibt es zahlreiche Nuancen, aber grosso modo definieren diese Präliminarien eine vernünftige konservierende Zahnmedizin. (Für alle Kritiker unter den Lesern: Punkt 1 ist keine Rechtfertigung zum Implantieren, sondern ein kategorischer Imperativ zur Prophylaxe und Zahnerhaltung!)

Wenn man also als Zahnarzt in seiner Praxis diese Punkte beherzigt, führt der Weg automatisch über einen dichten, präendodontischen Aufbau, Kofferdam, vernünftiges Sehen, und irgendwelche biegsamen und nicht starren Instrumente, um Punkt 2 durch eine geeignete Spülung zu erreichen. Zugegebenermassen scheinen die Möglichkeiten der Wurzelkanaldesinfektion durch Photonen Induzierte Photoakustische Strömung (PIPS) phänomenal zu sein (und der neue SSO-Tarif soll ja auch den Lasereinsatz im Wurzelkanal berücksichtigen), aber um vernünftige Endodontologie zu betreiben, braucht es keinen Laser. Lesen Sie mal im Beitrag von Dr. Mauro Amato nach, was Sie in Ihrer Praxis schon heute problemlos umsetzen können, um ohne grossen apparativen Aufwand das Spülen effizienter zu gestalten. Effizientes Spülen verspricht einen grösseren klinischen Erfolg. Zum Wohle Ihrer Patienten.

Wovon leben eigentlich Endo-Spezialisten? Im Prinzip von den Zuweisungen der Kollegenschaft. Der mit Abstand grösste Teil der Überweisungen sind Revisionen, also Behandlungsmisserfolge. Diese gehen normalerweise auf irgendwelche Bakterien zurück, die Ihre endodontische Prozedur über sich ergehen lassen und überlebt haben. 

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Braucht es Endo-Spezialisten in der Schweiz? 

Ich würde sagen: Sie haben es in der Hand!

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