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Statements 26.10.2020

Die spinnen, die Dänen! – Vorbild für Deutschland?

Die spinnen, die Dänen! – Vorbild für Deutschland?

In Dänemark sind in den letzten zehn Jahren mehr als die Hälfte der Kliniken geschlossen worden. In Deutschland sieht die Situation ganz anders aus. 2.400 Kliniken gibt es in Deutschland. Diese kosten knapp 90 Mrd. Euro, der mit Abstand größte Batzen im Etat des Gesundheitsministers Spahn. Hiesige Experten sind sich relativ einig, dass wir auch in Deutschland durchaus mit der Hälfte der Kliniken auskommen und gleichzeitig die medizinische Qualität verbessern könnten.

In Dänemark hat man in den letzten Jahren knapp 5,4 Mrd. Euro in die Hand genommen, um die Krankenhauslandschaft zu bereinigen: Neue modernste Kliniken machen Platz für teilweise hundert Jahre alte Häuser. Kürzere Wege, effizientere Abläufe sollen in neuen Krankenhäusern bei gleichem Budget knapp zehn Prozent mehr medizinische Leistungen erbringen als fünf Uraltkrankenhäuser zusammen. Bessere Medizin und geringere Kosten in moderner Infrastruktur stellen sicher, dass anspruchsvolle Eingriffe, wie z. B. Transplantationen, auch nur noch dort durchgeführt werden, wo die ärztliche Erfahrung und die nötige technische Ausstattung vorhanden sind.

Hierzulande drücken sich die Politiker davor, die Misere zu beheben, kleinere insuffiziente Kliniken zu schließen und neue überregionale Versorgungsstrukturen zu etablieren. Deutsche Politiker argumentieren gerne, dass aufgrund der längeren Anfahrtswege dementsprechend auch bei Akutereignissen häufiger mit Todesfällen zu rechnen ist und diese Einschnitte der immer älter werdenden Bevölkerung nicht zuzumuten wären. Die Dänen zeigen das glatte Gegenteil: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Dänen ist seit der Umstrukturierung um drei Jahre gestiegen, die Zahl der Todesfälle bei Herzerkrankungen ist um ein Viertel gesunken und die Wartezeit für chirurgische Eingriffe um ein Fünftel – trotz der größeren Entfernungen in die neuen Zentren. Auch ist die Zahl der in den Kliniken beschäftigten Ärzte und Pfleger in dieser Zeit deutlich gestiegen. Die Mitarbeiter sind seltener krank als früher und deutlich motivierter als früher. Und auch durch die Corona-Krise sind die Dänen nicht schlechter gekommen als wir in Deutschland. Unserer Politiker sind seit Jahren nicht willens, sich des Problems anzunehmen – scheuen sie doch wieder einmal den ideologiefreien Diskurs mit der lokalen Wählerschaft. Die spinnen, die Dänen … oder etwa doch nicht?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um das Editorial des aktuellen Oralchirurgie Journal.

Foto Teaserbild: ipopba – stock.adobe.com

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