Cosmetic Dentistry 03.09.2026
Ausgeprägter erosiver Zahnverschleiß: Ein substanzschonender Ansatz
Erosiver Zahnverschleiß wird durch intrinsische oder extrinsische Säuren verursacht, die den Schmelz erweichen,2,3und kann zusammen mit mechanischen Einflüssen wie Attrition und Abrasion zu einem beschleunigten Substanzverlust führen.3,4 Parafunktionen wie Bruxismus verstärken diesen Prozess und führen häufig zu komplexen, generalisierten Verschleißmustern mit funktionellen und ästhetischen Einschränkungen. Eine erfolgreiche Behandlung erfordert daher eine sorgfältige Abwägung zwischen okklusaler Stabilität, Ästhetik und Substanzerhalt. Demzufolge sind minimalinvasive, adhäsivbasierte Konzepte ein zentraler Bestandteil moderner Behandlungsstrategien. Der vorliegende Fallbericht beschreibt einen substanzschonenden, auf Adhäsivtechniken basierenden Rehabilitationsansatz, der direkte und indirekte Restaurationen kombiniert, um funktionelle, langlebige und ästhetische Ergebnisse unter maximalem Substanzerhalt zu erzielen.
Eine junge erwachsene Patientin mit ausgeprägtem Zahnverschleiß stellte sich mit funktionellen Einschränkungen und ästhetischen Beeinträchtigungen vor (Abb. 1). Aus der Anamnese ergab sich, dass sie sich stark säurehaltig ernährte und tagsüber wie nachts an Bruxismus litt. Die klinische Untersuchung zeigte einen generalisierten, schweren Zahnverschleiß mit klaren erosiven und attritiven Komponenten (Abb. 2–3). Die Kombination aus erosiver Erweichung und Attrition verstärkte den Substanzverlust und führte zu verkürzten klinischen Kronen und einer abgeflachten Lächellinie. Das Gebiss wies einen ausgeprägten erosiven Substanzverlust auf, gekennzeichnet durch okklusale „Cuppings“ (kraterförmige Vertiefungen) und inzisale Rillen. Mehrere Restaurationen erschienen erhaben, was den fortschreitenden Verlust der umgebenden Zahnhartsubstanz widerspiegelte, während breitflächige, abgeflachte bukkale Schmelzläsionen zusätzlich auf einen fortgeschrittenen Verschleiß hinwiesen. Auffällig war zudem, dass die Amalgamrestaurationen glänzend und nicht angelaufen waren, was möglicherweise auf eine länger anhaltende Exposition gegenüber einem sauren oralen Milieu zurückzuführen war. Weitere, nicht verschleißbedingte Befunde umfassten mehrere insuffiziente Restaurationen, darunter eine Vollkrone an Zahn 26, die erneuert werden musste. Insgesamt stellten die säurehaltige Ernährung in Kombination mit parafunktionellen Aktivitäten wesentliche Risikofaktoren dar.
Behandlungsziele und Begründung
Primäres Behandlungsziel war die Wiederherstellung von Funktion und Ästhetik bei gleichzeitigem minimalinvasivem Schutz der verbleibenden Zahnhartsubstanz. Eine kontrollierte Erhöhung der vertikalen Dimension der Okklusion wurde geplant, die sorgfältig auf die Toleranz der Patientin abgestimmt wurde, um Komfort und funktionelle Stabilität zu gewährleisten. Auch Follow-up und Reparaturfähigkeit der Versorgung wurden berücksichtigt und bestimmten Materialwahl und restaurative Strategie. Um den verbliebenen Schmelz und das Dentin zu erhalten, wurde ein überwiegend additives Behandlungskonzept gewählt. Direkte Kompositrestaurationen wurden wegen ihres substanzschonenden Ansatzes und der guten Reparaturmöglichkeiten bevorzugt eingesetzt und in hochbelasteten Seitenzahnbereichen durch indirekte Restaurationen ergänzt. Für die Versorgung des strukturell geschwächten Molaren wurde eine Einzelkrone aus Zirkonoxid gewählt, die eine minimalinvasive vertikale Präparation ermöglichte.⁵ Diese Materialwahl unterstützte das minimalinvasive Vorgehen und gewährleistete die für den Seitenzahnbereich erforderliche Festigkeit und Langzeitstabilität.
Therapieübersicht
Der gesamte Kiefer wurde unter Bisserhöhung überwiegend additiv rehabilitiert. Die Länge der Frontzähne wurde mittels intraoralem Mockup überprüft (Abb. 4). Die Behandlung begann mit den oberen und unteren Frontzähnen und wurde am selben Tag abgeschlossen. Zur Aufrechterhaltung der neu eingestellten vertikalen Dimension wurde die posteriore Okklusion in dieser Phase durch temporäre okklusale Kompositstopps stabilisiert.
Für die Frontzahnrestaurationen wurde ein kombiniertes Protokoll mit G-ænial™ A’CHORD (GC) und G-ænial Universal Injectable (GC) verwendet. Hier kam eine bilaminäre Technik zum Einsatz: Zunächst wurde mit einem palatinalen Schlüssel eine initiale Schale hergestellt, gefolgt von einer Dentinkernschicht (beide G-ænial A’CHORD) sowie einer abschließenden Schmelzschicht, die mittels Injection Moulding mit G-ænial Universal Injectable appliziert wurde (Abb. 5).
Vier Tage später wurden die oberen Prämolaren und Molaren mittels Injection Moulding mit G-ænial Universal Injectable versorgt, gefolgt von den unteren Prämolaren 10 Tage danach. Der Unterkiefer links wurde mit semi-indirekten Komposit-Onlays rehabilitiert, die mittels Injection Moulding aus G-ænial Universal Injectable hergestellt wurden (Abb. 6). Dadurch wurde ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Substanzerhalt, Wirtschaftlichkeit und langfristiger Reparaturmöglichkeit erreicht. Zehn Tage später wurde Zahn 26 nach vertikaler Präparation mit einer Zirkonoxidkrone versorgt, um einen strategisch wichtigen Seitenzahn dauerhaft zu stabilisieren.
Abschließend wurden Lithium-Disilikat-Onlays (Initial™ LiSi Press, GC) an Zahn 46 und 47 eingesetzt, um eine erhöhte Festigkeit und eine zuverlässige adhäsive Performance in diesem Bereich hoher okklusaler Belastung zu gewährleisten. Diese Restaurationen wurden erst drei Monate später abgeschlossen, da es für die Patientin zeitlich nicht früher realisierbar war.
Adhäsiv- und Isolationsprotokoll
Alle direkten Kompositrestaurationen wurden unter Kofferdam-Isolation durchgeführt, um eine optimale Kontrolle des Arbeitsfeldes zu gewährleisten und die Adhäsion zu maximieren. Im Rahmen einer kombinierten Schichtstrategie wurde konventionelles pastöses Komposit für den Ersatz von Dentin und Schmelz verwendet. Injection-Moulding-Techniken kamen zur Feinabstimmung der finalen Morphologie, zur Verbesserung der Präzision und zur Optimierung des Workflows zum Einsatz.
Die adhäsiven Protokolle wurden gemäß den Herstellerangaben durchgeführt, wobei substratspezifische Konditionierungs- und Bondingverfahren angewendet wurden, um dauerhaft stabile Grenzflächen bei direkten wie indirekten Restaurationen sicherzustellen. Die direkten Restaurationen wurden mit G-Premio BOND (GC) adhäsiv befestigt.
Die indirekten Kompositrestaurationen aus G-ænial Universal Injectable wurden vor der Befestigung schonend mit 27-μm-Aluminiumoxid gestrahlt, anschließend mit Alkohol gereinigt und mit G-Multi PRIMER (GC) silanisiert. Die Restaurationen aus Initial LiSi Press wurden mit Alkohol gereinigt, 20 Sekunden mit Flusssäure geätzt und anschließend mit G-Multi PRIMER silanisiert. Die präparierten Zahnoberflächen wurden gereinigt und leicht sandgestrahlt, gefolgt von einer selektiven Phosphorsäureätzung und der Applikation von G-CEM ONE Adhesive Enhancing Primer. Die definitive Befestigung aller glaskeramischen und Kompositrestaurationen erfolgte mit G-CEM ONE™ (GC).
Die Zirkonoxidkrone wurde ebenfalls gereinigt und leicht sandgestrahlt und anschließend mit G-CEM ONE befestigt, was eine zuverlässige Haftung an der hochfesten Keramik gewährleistete.
Okklusion und vertikale Dimension
Die vertikale Dimension der Okklusion wurde kontrolliert erhöht, wodurch eine fortlaufende Beurteilung von Phonetik, Komfort und funktioneller Adaptation ermöglicht wurde. Die neue vertikale Dimension wurde im Rahmen eines gesichtsorientierten Workflows festgelegt, bei dem zunächst die ideale Position der Inzisalkanten definiert und diese anschließend anhand der funktionellen Rückmeldung der Patientin weiter verfeinert wurde. Aufgrund des vorhandenen interokklusalen Raums und des Bruxismus wurde eine eher konservative okklusale Morphologie gewählt, um Interferenzen oder Chipping zu reduzieren. Im Seitenzahnbereich stand die funktionelle Dauerstabilität im Vordergrund, nicht die Ästhetik. Die okklusalen Flächen wurden daher sorgfältig poliert und unglasiert belassen, um den Verschleiß zu minimieren6,7(Abb. 7). Das finale Okklusionskonzept ermöglichte stabile bilaterale posteriore Kontakte, unterstützt durch eine Frontzahnführung, die posteriore Interferenzen bei Exkursionsbewegungen effektiv reduzierte. Diese Konfiguration entsprach dem funktionellen Bewegungsraum der Patientin und ergab eine komfortable, reproduzierbare Okklusion.
Behandlungsergebnis
Nach Abschluss der Behandlung zeigte die Patientin eine stabile Okklusion bei der neu eingestellten vertikalen Dimension (Abb. 8). Der additive, minimalinvasive Ansatz ermöglichte den Erhalt der vorhandenen Zahnhartsubstanz bei gleichzeitig vollständiger Versorgung der verschlissenen Oberflächen. Die ästhetischen Ergebnisse wurden durch eine harmonisierte Kompositschichtung im Frontzahnbereich verbessert (Abb. 9–10), während die posteriore Morphologie durch direkte, indirekte und semi-indirekte Restaurationsverfahren effektiv wiederhergestellt wurde. Die überwiegende Verwendung von Komposit im Rahmen der Rehabilitation sichert langfristig die Reparaturfähigkeit, da Kompositmaterialien ein einfaches Polieren, Reparieren und bei Bedarf eine schrittweise Nachbehandlung ermöglichen.
Nachsorge und Risikomanagement
Der langfristige Erfolg der Rehabilitation wurde durch ein individuell abgestimmtes Nachsorgekonzept unterstützt. Die Patientin erhielt Empfehlungen zur Ernährungsumstellung, um erosive Einflüsse zu reduzieren, sowie Verhaltenshinweise zur Kontrolle parafunktioneller Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Bruxismus. Die protektive Therapie umfasste die fortlaufende Anwendung und regelmäßige Anpassung einer Okklusionsschiene, um eine übermäßige Belastung der Restaurationen zu minimieren. Regelmäßige Kontrolltermine wurden eingeplant, um die Mundhygiene zu unterstützen, die Adaptation an die erhöhte vertikale Dimension zu überwachen und um die Integrität der adhäsiven Grenzflächen zu erhalten und gegebenenfalls Kompositoberflächen polieren und reparieren zu können.
Diskussion
Dieser Fall zeigt, dass sich ein ausgeprägter erosiver Zahnverschleiß durch eine konservative, Full-Mouth-Rehabilitation auf der Basis von Adhäsivverfahren effektiv behandeln lässt, ohne unnötig Zahnhartsubstanz zu opfern. Die Materialien wurden entsprechend ihrer Indikationen sorgfältig ausgewählt. Der überwiegende Teil der Rehabilitation erfolgte mit Komposit, da dieses Material eine minimalinvasive Vorgehensweise ermöglicht, kosteneffizient ist, sich leicht reparieren lässt und deshalb für die langfristige Versorgung einer jungen Patientin besonders gut geeignet ist. Zahn 26 wurde mit einer Zirkonoxidkrone versorgt, um eine minimalinvasive vertikale Präparation zu ermöglichen und gleichzeitig die erforderliche Festigkeit und Dauerhaftigkeit zur Wiederherstellung dieses strukturell geschwächten Molaren zu erzielen. Im Gegensatz dazu wurden die Teilrestaurationen im rechten Unterkieferquadranten aus Lithium-Disilikat gefertigt, einem Material, das aufgrund seiner zuverlässigen adhäsiven Haftung und seiner Festigkeit gewählt wurde und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Substanzerhalt und funktioneller Langzeitstabilität bietet.
Autor: Dr. Zohaib Ali
Weitere Fallberichte rund um das Tooth Wear-Konzept von GC
1 Schlueter N, Mulic A, Luka B. Global Prevalence of Erosive Tooth Wear. Monogr Oral Sci. 2025;33:45-71.
2 Lussi A, Carvalho TS. Erosive tooth wear: a multifactorial condition of growing concern and increasing knowledge. Monogr Oral Sci. 2014;25:1-15.
3 Barbour ME, Rees GD. The role of erosion, abrasion and attrition in tooth wear. J Clin Dent. 2006;17(4):88-93.
4 Shellis RP, Addy M. Attrition, Abrasion and Erosion and Their Interactions in Tooth Wear. Monogr Oral Sci. 2025;33:19-31.
5 Loi I, Di Felice A. Biologically oriented preparation technique (BOPT): a new approach for prosthetic restoration of periodontically healthy teeth. Eur J Esthet Dent. 2013 Spring;8(1):10-23.
6 Lawson NC, Janyavula S, Syklawer S, McLaren EA, Burgess JO. Wear of enamel opposing zirconia and lithium disilicate after adjustment, polishing and glazing. J Dent. 2014 Dec;42(12):1586-91.
7 León Velastegui M, Montiel-Company JM, Agustín-Panadero R, Fons-Badal C, Solá-Ruíz MF. Enamel Wear of Antagonist Tooth Caused by Dental Ceramics: Systematic Review and Meta-Analysis. J Clin Med. 2022 Nov 4;11(21):6547.