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Cosmetic Dentistry 18.09.2012

Rote Ästhetik und KFO – Ein starkes Team!

Rote Ästhetik und KFO – Ein starkes Team!

Ein schönes Lachen definiert sich nicht nur aus weißen Zähnen, sondern auch das gesunde und natürliche Zahnfleisch ist ausschlaggebend. Die gestiegene Erwartungshaltung der Patienten erfordert speziell auf dem Gebiet der ästhetischen Zahnheilkunde ein ergebnisorientiertes und durchdachtes Behandlungskonzept.

Ein gutes ästhetisches Gesamtergebnis ist eine Symphonie aus vielen Einzeldisziplinen. Die Behandlung von komplexen ästhetischen Fällen stellt sich als ein aufwändiger und zeitintensiver Prozess dar. Sehr oft beruhen ästhetische Disharmonien auf einer gestörten Funktion oder einem parodontologischen Problem. Sind die funktionellen Voraussetzungen eingeschränkt, spielt gegebenenfalls auch die kieferorthopädische sowie die plastisch-chirurgische Therapie eine Rolle. Viele Patienten zeigen beim Lachen und Sprechen Anteile des girlandenförmigen Verlaufs der Gingiva. Ist dieser Verlauf nicht gleichmäßig angelegt, wirkt er unharmonisch. Die Restauration von Frontzähnen umfasst demnach nicht nur die Korrektur der Zahnkrone (weiße Ästhetik), sondern auch die Korrektur des umgebenden Weichgewebes (rote Ästhetik). Ein einzelner Papillenverlust stellt einen oftmals vor große Probleme in der Auswahl der geeigneten Therapieform. Es gilt der Ursache auf den Zahn zu fühlen! Bedeutet eine kompromittierte rote Ästhetik gleichzeitig eine chirurgische Intervention? Oder existieren minimalinvasive Behandlungsoptionen, um das Problem einzelner Papillenverluste und eines unharmonischen Arcadenverlaufs zu lösen? Im folgenden Patientenfall erfahren Sie die Bedeutung der Kieferorthopädie im ästhetisch so anspruchsvollen Behandlungsgebiet der roten Ästhetik.

Patientenfall

Im Februar 2010 stellte sich eine junge Patientin erstmals in unserer Praxis vor. Ihr Wunsch war klar definiert und auch auf den ersten Blick einfach zu erkennen. Ein einzelner Papillenverlust Regio 11, 12, der nach alio loco erfolgter Kfo-Behandlung und chirurgischer Intervention (Versuch des Hart- und Weichgewebsaufbaus) auftrat, trübte das durchaus attraktive Erscheinungsbild der Patientin immens (Abb. 1) und reduzierte den red esthetic score erheblich (Tab. 1).

Tab. 1: Pink esthetic score nach Fürhauser et al. 2005.

Die Komplexität und Schwierigkeit der Situation war zu Beginn nicht gleich zu erkennen, und es galt der Ursache auf den Grund zu gehen. Der anschließende röntgenologische Einzelzahnfilm brache schnell Klarheit in die Situation. Es handelte sich um einen Engstand der Zahnwurzeln 11 und 12. Im Jahr 2001 beschrieben Garber und die Salama-Brüder die vertikale Weichgewebssituation, ihre Minima und Maxima in Abhängigkeit von Distanz Limitationen benachbarter restaurativer Interfaces (Tab. 2).

Neben fünf weiteren Interfacebeziehungen war in unserem Fall Klasse 1 ausschlaggebend. Diese beschreibt einen minimalen Abstand von 1mm zwischen zwei benachbarten Zahnwurzeln, um im Mittel eine maximale Weichgewebssituation von 4,75mm zu erhalten. Dieser Abstand war, wie auf dem Röntgenbild ersichtlich, deutlich reduziert (Abb. 2). Die Therapie der Wahl war folglich eine erneute kieferorthopädische Vorbehandlung, um den bestehenden Engstand der benachbarten Zähne zu normalisieren und um dem Organismus die Möglichkeit zu geben, seine regenerativen Eigenschaften zu entfalten. „Kieferorthopädischer Wurzeltorque und Extrusion“ waren folglich die Zauberworte. Aus Abbildung 3 wird eine deutliche Zunahme des ­Abstandes der beiden Zahnwurzeln ersichtlich. Nach erfolgreicher kieferorthopädischer Vorbehandlung mussten wir dennoch ein zweites biologisches Prinzip berücksichtigen, um das ästhetisch deutlich kompromittierende black triangle zu minimieren. Das aufgrund der jahrelangen Fehlstellung reduzierte interdentale Knochenangebot stand einer vollständigen Papillenregeneration entgegen (Abb. 4).

Dennis Tarnow beschrieb bereits im Jahre 1991 die Beziehung des Abstandes des Approximalkontaktes benachbarter Zähne zum krestalen Knochen und die daraus resultierende Papillenregeneration. Er fand heraus, dass der Abstand 5mm oder weniger betragen muss, um eine 100%ige Papillenregeneration zu erreichen. Jede Vergrößerung des Abstandes verringert die Aussichten auf eine 100%ige Papillenregeneration dramatisch (Tab. 3).

Therapie der Wahl war eine Veränderung des Kontaktpunktes nach apikal mittels klassischer konservativer Füllungstherapie, um den Abstand zum krestalen Knochen zu reduzieren (Abb. 5). Um die parodontale Situation zu stabilisieren und um die Knochenregeneration anzuregen, injizierten wir eine quervernetzte Hyaluronsäure (Flex Barrier, Fa. Naturelize GmbH)(Abb. 6). Wissenschaftliche Studien von Pilloni und Sasaki belegen die Wirksamkeit von HA im Gebiet der Knochenregeneration. Die Stabilisation und der Zugewinn von Gewebe ist ebenfalls wissenschaftlich belegt und wird bereits routinemäßig in unserer Praxis in diverse Therapiekonzepte integriert. Betrachtet man Ausgangs- und Endsituation, offeriert sich eine klar ersichtliche Verbesserung der ästhetischen Situation direkt nach der Füllungstherapie. Die regenerativen Eigenschaften des Körpers selbst sind nun ausschlaggebend dafür, die rote Ästhetik noch weiter zu verbessern. Um dies zu erreichen, wurde therapeutisch der Grundstein gelegt und eine optimale Ausgangssituation geschaffen.

Resümee

Im täglichen Leben empfiehlt es sich, nicht immer alles schwarz oder weiß zu sehen. Ein Blick über den Tellerrand hinaus eröffnet schnell mal neue Sichtweisen und Erkenntnisse. Diese führen oftmals zur Lösung vermeintlich unlösbarer Probleme. Auch in der modernen Zahnmedizin empfiehlt es sich, nicht immer alles weiß oder rot zu betrachten. Manche Situationen erfordern zur Lösung durchaus eine gewisse Kreativität und das fundierte Wissen dentaler Parameter. Es bieten sich eine Vielzahl von neuen und bewährten Therapieoptionen, um fast jeden Fall ästhetisch lösen zu können und damit dem Patienten das Optimum an Zahnmedizin nach dem Prinzip „State of the Art“ anzubieten. In unserer Praxis edel&weiss haben sowohl kieferorthopädische als auch funktionelle Vorbehandlungen einen großen Stellenwert in diversen Therapiekonzepten und sind somit der Grundstein eines ästhetisch langlebigen Behandlungserfolges.

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