Anzeige
Endodontologie 09.09.2009

Wurzelbehandlung - Alles auf Kasse?

Gabi Schäfer
Gabi Schäfer
E-Mail:
Wurzelbehandlung  - Alles auf Kasse?

Abrechnung ist die Kunst, einen Stundensatz in erstattungsfähige Gebührenpositionen zu übersetzen.

Um Sie in das Thema einzustimmen, möchte ich aus einem der beliebten Versicherungsschreiben zur Erstattungsverhinderung zitieren, die ja sicher jeder schon von Patienten jammernd auf den Schreibtisch gelegt bekommen hat:

„Zu den Wurzelbehandlungen dürfen gemäß dem Zuzahlungsverbot keine Mehrkosten vereinbart werden, wenn die Wurzelbehandlung im Rahmen der kassenzahnärztlichen Versorgung erfolgt. Es sind sämtliche Arbeitsschritte mit den Leistungen abgegolten. Es ist nicht zulässig, Leistungen, die im Zusammenhang mit einer Wurzelbehandlung entstehen, in kassenärztliche (GKV) und privatzahnärztliche (GOZ) Leistungen aufzuteilen.“


Hierzu ist Folgendes zu bemerken: Es ist zwar richtig, dass nach §7 Abs. 7 EKVZ kein ausdrückliches, wohl aber – im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen des SGB V – ein grundsätzliches Zuzahlungsverbot besteht, welches nur in den abschließend aufgelisteten Ausnahmefällen (aufwendigen Füllungen) durchbrochen werden darf. Was aber die „Versicherung“ in dem Schreiben sich so zusammendichtet, dass „sämtliche Arbeitsschritte“ mit den Leistungen (der GKV) abgegolten seien – dies ist schlicht falsch und anmaßend.

Grundsätzlich muss die Behandlung im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung bleiben. Das heißt, privatärztliche Rechnungen sind nur dann erstattungsfähig, wenn die medizinisch notwendige Behandlung nicht im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung abgerechnet werden kann.

So ist die elektrometrische Längenmessung NICHT in der BEMA-Nr. 32 enthalten, denn diese beschreibt das „Aufbereiten des Wurzelkanalsystems“. Nach dem Leo-DENT-Abrechnungskommentar (www.abrechnungswissen.de) versteht man darunter das Suchen und Eröffnen der Kanaleingänge sowie das mechanische Erweitern, Aufbereiten und Säubern. Die elekrometrische Längenmessung ist eine eigenständige Leistung, die als solche in der GOZ-88 aufgeführt ist, und die sogar in den vom BMG in Zusammenarbeit mit der PKV erstellten amtlichen Referentenentwurf für eine neue GOZ Eingang gefunden hat. Das Gleiche gilt für die Anwendung elektrophysikalisch-chemischer Methoden, die ebenfalls neben den Kassenleistungen privat nach GOZ mit den Patienten vereinbart und abgerechnet werden.

Die ultraschallaktivierte Desinfektion des Wurzelkanals mittels Spülprotokoll ist eine selbstständige Leistung, die erst nach 1988 zur Praxisreife entwickelt wurde und analog nach §6 GOZ neben den Kassenleistungen berechnet werden kann. Auch das Anlegen von Kofferdam ausschließlich zum Zwecke der Wurzelbehandlung ist keine Kassenleistung, denn der Leistungstext des Bema beschränkt diese Maßnahme auf das „Präparieren oder Füllen“. Wer dies ignoriert, muss mit dem Risiko leben, dass diese Leistungen später in einer Wirtschaftlichkeitsprüfung gestrichen werden.

Das Wichtigste ist aber, alle diese Zusatzleistungen VOR der Behandlung mit dem Kassenpatienten privat über das BMVZ/EKV-Z-Formular schriftlich zu vereinbaren, da der Patient ansonsten nicht verpflichtet ist, eine entsprechende Rechnung zu bezahlen.


Autorin: Gabi Schäfer

Seitenanfang


Mehr Fachartikel aus Endodontologie

ePaper

Anzeige