Branchenmeldungen 25.02.2026
Faziale Reanimation: „Den Patienten das Lächeln zurückgeben“
Eine Schädigung des Gesichtsnervs, der sich vom Ohr ausgehend in vielen kleinen Verästelungen von der Stirn bis zum Kinn zieht, ist für Betroffene eine große Belastung im Alltag. Häufig sind sie mit negativen Reaktionen auf ihre „hängende“ Gesichtshälfte oder ihr verzerrtes Lächeln konfrontiert. „Dadurch zeigen sich viele Patient*innen nicht gerne in der Öffentlichkeit oder tragen Masken. Auch der Speichelfluss, die Nahrungsaufnahme und die Sprache können beeinträchtigt sein“, sagt OA Dr. Wiplinger. Weiters ist oft die Funktion des Ober- und Unterlids auf der betroffenen Gesichtshälfte beeinträchtigt. Dadurch kann das Auge nicht richtig befeuchtet werden. Um das Auge vor dem Austrocknen und langfristig vor dem Erblinden zu schützen, ist für die Patient*innen mit diesem Symptom ein täglicher Augenverband notwendig.
Mit einem mikrochirurgischen Verfahren – der sogenannten fazialen Reanimation – konnte nun Frau H. als erste Patientin am Ordensklinikum Linz erfolgreich behandelt und Teile der Gesichtsfunktion wiederhergestellt werden. „Ich habe mich von Anfang an gut aufgehoben gefühlt. OA Markus Wiplinger und das gesamte OP- und Pflegeteam haben mir jeden Behandlungsschritt genau erklärt und sich für diese aufwändige Behandlung viel Zeit genommen“, so die 55-Jährige. „Dadurch hatte ich auch keine Angst vor der Operation.“
Behandlungsablauf der fazialen Reanimation
Bei der fazialen Reanimation wird den Patient*innen zuerst chirurgisch ein Nervenstrang aus dem Unterschenkel entnommen. Dieser Strang wird anschließend auf der gesunden Gesichtshälfte an den bestehenden Nerv angeschlossen und oberhalb der Oberlippe zur betroffenen Gesichtshälfte gelegt. Dort wachsen die Nervenfasern über einen Zeitraum von neun Monaten an. In einer zweiten Operation entnehmen die Chirurg*innen einen Muskellappen von der Innenseite des Oberschenkels und setzen ihn quer über die Wange – vom Mundwinkel bis zur Schläfe und dem dort liegenden Kaumuskel – ein. „Dort beginnt der eingesetzte Muskel nach wenigen Monaten selbstständig zu arbeiten. Es ist wieder eine spontane Mimik möglich, die symmetrisch zur gesunden Seite verläuft. Diese verbessert sich im Laufe der Zeit sogar, weil das Zusammenspiel aus Nerven und Muskel immer harmonischer abläuft. Mit dieser Operationsmethode können wir den Patient*innen ein echtes Lächeln zurückgeben“, sagt OA Dr. Markus Wiplinger.
„Es war ein gewisser Wow-Effekt, als ich nach der Operation in den Spiegel geschaut habe, weil sich das Gesichtsbild so verändert hat. Die eine Hälfte ist nicht mehr eingefallen und hängt nicht mehr nach unten. Auch wenn es noch einige Zeit dauert, bis alles abgeheilt ist und der Muskel richtig arbeitet, beginnt für mich nun ein neuer Lebensabschnitt“, erzählt Frau H. rund zwei Monate nach der OP. Noch ist sie sehr vorsichtig, um den eingesetzten Muskel in der Wange nicht zu überdehnen, doch sie ist „guter Dinge“, wie sie selbst sagt. Mit regelmäßiger Logopädie trainiert sie ihre Sprache und Gesichtsfunktion weiter. „Ich fühle mich jetzt schon sehr wohl.“ Die wichtigste Stütze in dieser Zeit war und ist ihre Familie.
Vor allem für jüngere Patient*innen, die keine Vorerkrankungen haben bzw. während einer Krebstherapie nicht bestrahlt wurden, ist diese mikrochirurgische Rekonstruktion eine Option, um eine möglichst natürliche Gesichtsfunktion wiederzuerlangen. Die Operation wird in nur wenigen Krankenhäusern in Österreich durchgeführt. Die Wartezeit beträgt im Ordensklinikum Linz nur wenige Monate, betont OA Wiplinger: „Bei einer Lähmung des Gesichtsnervs versuchen wir in einem Zeitraum von zwei Monaten eine Vorstellung zum Erstgespräch in der Plastischen Ambulanz zu ermöglichen.“
Statische und dynamische Rekonstruktion
Für Patienten und Patientinnen, die aufgrund von Vorerkrankungen, hohem Alter oder medizinischen Verfahren nicht für die faziale Reanimation in Frage kommen, bietet das Ordensklinikum Linz alternative chirurgische Behandlungsmöglichkeiten an. „Beispielsweise gibt es die statische Rekonstruktion, bei der durch sogenannte Zügelungen Gewebe gestrafft oder angehoben wird. Das funktioniert bei der Stirn, den Augenbrauen und -lidern, den Mundwinkeln und am Kinn“, erklärt OA Wiplinger. Durch einen eingesetzten Muskelfaszienzügel unter dem Auge schließt sich auch das Lid wieder und das Auge trocknet nicht aus. Dadurch kann zwar nicht die Mimik, jedoch zumindest die Gesichtssymmetrie in Ruhe weitgehend wiederhergestellt werden.
Ein dynamischeres Ergebnis liefert eine lokale Muskeltransposition, auch Temporallappenplastik genannt. Bei dieser Operationsmethode wird ein Teil des Kaumuskels, der auf der Seite des Kopfes – von der Schläfe bis vor dem Ohr – liegt, nach unten zum Mundwinkel versetzt. „Patient*innen können durch Zusammenpressen des Kiefers den Kaumuskel willkürlich ansteuern und so ein leichtes Lächeln erzeugen. Zwar ist das kein vollwertiger Ersatz für ein spontanes, natürliches Lächeln, aber der Gesichtsausdruck ist wieder positiver“, so Markus Wiplinger. Kleine chirurgische Korrekturen und Straffungen, wenn Haut und Gewebe nachgeben, werden bei den Patient*innen im Abstand von einigen Jahren immer wieder durchgeführt. Das Team der Plastischen Chirurgie begleitet daher die Betroffenen oft ihr Leben lang.