Implantologie 20.09.2012

Ästhetische Zahnversorgung auf ­zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten

Ästhetische Zahnversorgung auf ­zweiteiligen Zirkonoxidimplantaten

Der Zahnersatz gibt im besten Fall dem Patienten – neben dem Werkzeug zur Zerkleinerung der Nahrung und dem Artikulieren der Sprache  – das natürliche und strahlende Lächeln zurück. Ein ästhetischer und funktioneller Zahnersatz, ohne gesundheitliche Nebenwirkungen und nachhaltig, das sind die Wünsche der Patienten.

Der zunehmende Wunsch nach einer me­tallfreien Rehabilitation erfordert im Einzelfall auch eine Alternative zu den bislang hauptsächlich eingesetzten Titanimplantaten. Zweiteilige Zirkonoxidimplantate könnten zukünftig dabei eine Rolle spielen. Dabei wird neben der erfolg­reichen Osseointegration und biomechanischen Belastbarkeit entscheidend sein, ob es in der prothetischen Phase gelingt, Behandlungs­konzepte auf Zirkon­oxidbasis zu entwickeln, die sich mit den ästhetischen Erfolgen bei Titan­implantaten vergleichen lassen können.  Neben der Zweiteiligkeit der Zirkonoxidimplantate spielt dabei vor allem die Ausformung und die anschließende Stützung des Emergenzprofils mittels individueller CAD/CAM-Abutments eine entscheidende Rolle.

Das Implantatsystem ZERAMEX®T

Die Genauigkeit der Verbindung der restaurativen Teile und des Implantates ist die wesentliche Voraussetzung für die prothetische Umsetzung der Patientenwünsche. Ein Beispiel hierfür ist die ZERALOCK™-Verbindung, bei der das Schrauben und Kleben aufeinander abgestimmt sind. Der chirurgische Ablauf ist bewährt und unterscheidet sich kaum von anderen Implantatsystemen. Die Tools für die Aufbereitung des Bohrstollens sind amorph, biokompatibel beschichtet und schaffen die Voraussetzung für eine schonende Bearbeitung und ­optimale Wärmeabführung.


Zirkonoxid

Die ZERAMEX®T Implantate und Abutments werden präzise aus dem heiß nachverdichteten und harten Zirkonoxid geschliffen. Zirkonoxid, das wegen seines kristallinen Gefüges oft auch Keramik genannt wird, zeigt keine negativen Reaktionen oder Wechselwirkungen mit dem Knochen oder anderen Geweben und auch keine Interaktionen mit im Mund schon vorhandenen Dentalwerkstoffen. Das Material ist inert und biokompatibel. Die statische und dynamische Festigkeit der Zirkonoxid-Implantate liegt über der vergleichbarer Produkte aus Titan. Das Weichgewebe entwickelt sich und wächst am blanken Zirkonoxid-Implantathals. Das Gingivamanagement wird leichter gemacht. Die Zirkonoxid-Implantate der Firma Dentalpoint ­werden in der Schweiz produziert, sind zertifiziert und unterliegen den Richtlinien der EU, RL und FDA.

Wissenschaftliche Begleitung

Das neutrale, keramische Material Zirkonoxid wird vom Knochen nicht nur toleriert, sondern akzeptiert und integriert. An der Universität Bern (Prof. Dr. D. Buser) wurden die Zellstudie in vitro und die Tierstudie (Minipigs und Zirkon-Kammerimplantate mit den ZERAMEX® Oberflächen) umgesetzt. Die Studien weisen gute Ergebnisse auf und werden demnächst publiziert. In einer Case-Study mit dem genannten Zirkon-Implantat, das wegen eines Unfalles nach 18 Monaten extrahiert wurde, wurde im histologischen Labor der Universität Bern ein BIC (Bone Implant Contact) von 76–96% nachgewiesen.  An der Universität Genf (Prof. Dr. A. Mombelli) läuft die klinische Fünf-Jahres-Studie. Der Zwischenbericht attestiert diesem Implantatsystem die Praxistauglichkeit.

Leitlinien für den Ästhetikerfolg bei ­Zirkonoxidimplantaten

Um die ästhetischen Vorteile dieser Implantate optimal ausnutzen zu können, ist die Beachtung von vier Punkten im chirurgischen und prothetischen Behandlungsablauf empfehlenswert:
– Wahl eines zahntypischen Implantatdurchmessers
– weichgewebsabhängige Implantatposition
– präprothetische Konditionierung des Weichgewebes
– Berücksichtigung der Regeln für die weiße Ästhetik
Für die kontrollierte Verklebung der Zirkonoxidabutments in die Implantate sollte die subgingivale Lage der Implantatschulter 2mm nicht überschreiten. Um den zur Verfügung stehenden Running Room im Aufstiegsprofil nach der Freilegung ästhetisch gut ausnutzen zu können, sind der Implantatdurchmesser und die Implantatposition wichtige Planungsgrößen. Für die Implantat­position haben sich für die drei Richtungen nachfolgende Maximalwerte in der Praxis bewährt:
1.    apiko-koronale Positionierung: 2mm apikal der geplanten Gingivalinie und 0,5mm suprakrestal
2.    mesio-distale Positionierung: 2mm Abstand vom Nachbarzahn, 3mm vom Nachbarimplantat
3.    bukko-linguale Positionierung: auf der Mitte der Verbindungslinie der Nachbarzähne
 
Mit der Implantatfreilegung beginnt die Restrukturierung der postextraktionem abgeflachten und papillenlosen Gingiva. Dabei sollte versucht werden, Gingivavolumen in die zukünftigen Papillenbereiche zu verlagern und ein wurzeltypisches Aufstiegsprofil im Querschnitt mit Gingivaformern und Provisorien schrittweise aus­zuformen. Die Aufgabe des CAD/CAM-Zirkonabutments ist es, das ausgeformte Aufstiegsprofil zu stützen und eine Zementierung der Krone mit Zugang für die ­sichere Entfernung der Zementreste zu ermöglichen.

Beispiel aus der Praxis und Schlussfolgerung

Rehabilitation des Zahnes 11 mit einem ZERAMEX® T 4,2 Implantat. Das Implantat wurde 2mm apikal der Schmelz-Zement-Grenze von Zahn 21 und 0,5mm suprakrestal mittig auf einer Verbindungslinie der Mitten der Nachbarzähne positioniert. Die post extractionem vorgefundenen Knochendehiszenzen sowie vestibulär entstandene Knochenstufen wurden mit Knochenersatzmaterial (Bio-Oss®, Fa. Geistlich, Wolhusen, Schweiz) aufgefüllt und mit einer Kollagenmembran (Bio-Gide®, Fa. Geistlich, Wolhusen, Schweiz) abgedeckt. Nach Implantatfreilegung wurde das periimplantäre Weichgewebe von der kreisrunden Form auf Höhe der Implantatschulter auf den natürlichen Zahnquerschnitt im Übergangsbereich des Emergenzprofils zur Mundhöhle umgeformt. Zur definitiven drei­dimensionalen Abstützung des so induzierten Emergenzprofils wurde ein individuelles CAD/CAM-Zirkonabutment eingesetzt. Die suprakrestale Lage der Implantatschulter und der zirkuläre Zugang ermöglichen die sichere Entfernung der Kunststoffreste nach dem Verkleben des Abutments mit dem Implantat. ­Anschließend konnte in der bekannten Kronentechnik prothetisch weitergearbeitet und eine Zirkonoxidkrone eingegliedert werden. Für eine ästhetische Zahnversorgung auf Implantaten bedarf es neben der richtigen Gestaltung der Suprakonstruktion nach den Regeln für Farbe, Form und Funktion auch der richtigen Konditionierung und Stützung des Emergenzprofils als Voraussetzung für einen optischen Erfolg. Bei zweiteiligen ZERAMEX®T Implantaten können jetzt ebenfalls individuell gestaltete CAD/CAM-Abutments für den Übergang von der suprakrestal gelegenen runden Implantatschulter auf die Ebene des subgingival gelegenen zukünftigen ­Kronenrandes verwendet werden. Die Verklebung des ­Abutments limitiert die subgingivale Lage der Implantatschulter. Die richtige Wahl des Implantatdurchmessers und der Implantatposition sind bei Zirkonimplantaten daher besonders wichtig. Bei Einhaltung aller ­Kriterien, können individuelle CAD/CAM-Abutments bei diesen zweiteiligen Implantaten zu sicheren ästhetischen Ergebnissen führen.

 

Autoren: Dr.  Andreas Dmoch, ZTM Ralf Martin/Hannover

Kontakt:

Dr. Andreas Dmoch
ZTM Ralf Martin
see u smile Hannover
Theaterstraße 14
30159 Hannover
E-Mail: service@see-u-smile.de
Web: www.see-u-smile.de

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