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Implantologie 09.04.2014

Schonendere Implantatrehabilitation durch Titan-Zirkonium-Legierung

Schonendere Implantatrehabilitation durch Titan-Zirkonium-Legierung

Seit Beginn des Jahres sind alle Soft Tissue Level- sowie Bone Level-Implantate der Firma Straumann aus dem innovativen Hochleistungsmaterial Roxolid, einer Legierung aus Titan und Zirkonium, mit den Durchmessern 3,3; 4,1 und 4,8 mm erhältlich. Als Oberflächen stehen die hydrophile SLActive-Oberfläche für eine schnellere Einheilung im Knochen und die bewährte SLA-Oberfläche zur Auswahl. An einem Fallbeispiel veranschaulicht der erfahrene Zahnarzt für Oralchirurgie und Arzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Dr. Johannes K. Bartsch, Kassel, inwieweit beim Einsatz von zwei Roxolid-Implantaten eine Knochenaugmentation vermieden werden konnte.

Bei Roxolid (Straumann) handelt es sich um eine Titan-Zirkonium-Legierung, die gegenüber reinem Titan, dem am häufigsten eingesetzten Material für Zahnimplantate, eine deutlich höhere Festigkeit aufweist.1,2,4

Besondere Eigenschaften überzeugen in Studien

Diese mechanische Eigenschaft von Roxolid macht das Material revolutionär. So ermöglichten die im Jahre 2011 erstmals vorgestellten durchmesserreduzierten Roxolid-Implantate (Narrow Neck CrossFit Implantat, NNC, Institut Straumann AG) mit einem enossalen Durchmesser von 3,3 mm, Situationen wie enge Interdentalräume oder dünne Alveolarkämme erfolgreich zu lösen.8 Konventionelle durchmesserreduzierte Implantate aus Reintitan weisen eine geringere Bruchsicherheit auf.3 Um in solchen Fällen z.B. die Bruchstabilität zu erhöhen, werden dann Fremdatome, z.B. Vanadium, beigemengt. Diese Fremdatome sollen die mechanischen Eigenschaften durchmesserreduzierter Implantate optimieren,7 was aber zu einer schlechteren Osseointegration und zu Unverträglichkeiten führen kann. Solche Probleme haben die schmalen 3,3-Roxolid-Implantate nicht: Schon kleine zugeführte Mengen von Zirkonium erhöhen die Härte des Materials, darüber hinaus verfügen Titan-Zirkonium-Legierungen über eine bessere Biokompatibilität.5,6 Mit dem Einsatz von Roxolid-Implantaten lassen sich umfangreiche präoperative augmentative Maßnahmen und damit Operationsrisiken, zum Beispiel bei grenzwertigem Restknochenangebot oder schlechter mechanischer Knochenqualität, vermeiden. Es ist möglich, Patienten eine schonendere Rehabilitation anzubieten.

Inzwischen liegen Ergebnisse präklinischer und klinischer Untersuchungen vor, u.a. sowohl aus doppelblind randomisierten, kontrollierten Studien als auch aus Anwendungsbeobachtungen zur Beurteilung von Roxolid-Implantaten in der täglichen Praxis. Aktuell werden alle Implantate aus dem Hause Straumann – sowohl Soft Tissue Level- als auch Bone Level-Implantate mit den Durchmessern 3,3; 4,1 und 4,8 mm – aus dem Hochleistungsmaterial Roxolid angeboten. Als Oberflächen stehen die hydrophile SLActive-Oberfläche für eine schnellere Einheilung im Knochen und die bewährte SLA-Oberfläche zur Auswahl. Ein weiterer Vorteil neben der größeren Planungsvielfalt: Die neuen Implantate sind ohne Mehrkosten erhältlich. Ein Grund mehr, in der täglichen Praxis bei korrekter Indikation sowohl die schmale Variante als auch Roxolid-Implantate mit Standarddurchmesser einzusetzen.

 

 

Falldarstellung

Anamnese und Befund

Eine 88-jährige geistig sehr rege, doch zunehmend pflegebedürftige Patientin mit bisher gut saniertem Gebiss wandte sich Ende vergangenen Jahres an unsere Praxis. Drei Monate zuvor waren ihr die Zähne 23 und 25 (mit Trennung der Brücke von 26) entfernt worden. Die Patientin wünschte sich eine festsitzende Versorgung der entstandenen Schaltlücke im linken Oberkiefer. Ihr Hauszahnarzt empfahl ihr eine implantatgestützte Brückenversorgung. Die Patientin äußerte für die Rehabilitation konkrete Wünsche: Es sollte ein möglichst kleiner, risikoarmer Eingriff mit wenig Behandlungsterminen werden. Eine Knochenaugmentation kam für sie nicht infrage. Da fast die gesamte Rente für die Unterbringung im Seniorenwohnheim verbraucht wird, sollte die Rehabilitation außerdem möglichst geringe Kosten verursachen. Der klinische Befund ergab: fast ausgeheilte Extraktionswunden Regio 23, 24 bei leicht eingefallenem Alveolarkamm fazial. Die Kieferkammbreite in Regio 23 betrug lediglich 5 mm (vgl. Abb. 2).

Planung und Therapie

Dem Wunsch der Patientin entsprechend wurde ein wenig invasives Vorgehen mit nur geringer Aufklappung ohne Augmentation in der Region 23 und mit mukosaler Stanzung in der Region 25 gewählt. Der offene transgingivale Einheilmodus ersparte der Patientin zudem den operativen Zweiteingriff einer Implantatfreilegung. Aufgrund der reduzierten Knochenbreite von 5 mm in Regio 23 bot sich als Tissue-Level-Implantat das neue Roxolid-NNC 3,3/12 mm an, welches eine gleichwertige Belastbarkeit hat wie das RN 4,1/12-mm-Titanimplantat. Der geringere Durchmesser macht eine Augmentation überflüssig. Auch die sonst standardmäßige Wahl eines RN-wide body-Standardimplantates mit Durchmesser 4,8 mm in Regio 25 kann jetzt mit einem Roxolid-Implantat geringeren Durchmessers von 4,1 mm ersetzt werden, ohne an Stabilität und Belastbarkeit einzubüßen. Damit wird mehr Knochensubstanz um ein inseriertes Implantat erhalten. Die Alternative wäre gewesen: RN 4,1/12 mm Standardimplantat in Regio 23 mit vestibulärer Augmentation sowie Insertion eines RN 4,8/10 mm Standardimplantates bei geschlossenem Heilmodus mit späterem Zweiteingriff einer Freilegung. Mitte Dezember 2013 erfolgte die Implantatinsertion. Drei Monate postoperativ findet die klinische und radiologische Abschlusskontrolle nach Osseointegration statt. Für Ende März ist die Eingliederung der laborgefertigten Brückenversorgung in Regio 23–25 beim Hauszahnarzt vorgesehen. Die Patientin wird anschließend für ein systemisches Recall vorgemerkt.

Fazit für die Praxis

Die bedeutende Umstellung auf Roxolid-Implantate ermöglicht es, auch noch während des operativen Eingriffs je nach Indikation zwischen verschiedenen Durchmessern und unterschiedlichen Konzepten – Tissue Level oder Bone Level – frei zu wählen und das implantatprothetische Endresultat positiv zu gestalten. Neben dieser dazugewonnenen Planungsvielfalt ist Roxolid in Kombination mit der SLActive-Oberfläche anderen hochfesten Materialien in Bezug auf die Osseointegration überlegen.9 Es kann mehr Knochen um die inserierten Roxolid-Implantate erhalten werden und es kommt zu einer dichteren Knochenanlagerung um diese im Vergleich zu Implantaten aus Reintitan. Dem Patienten erspart man in vielen Fällen invasivere und zeitaufwendigere Vorgehen, z.B. eine Augmentation. Darüber hinaus entfallen mögliche Operationsrisiken, die mit einer Knochenaugmentation einhergehen. Eine innovative Beigabe ist das neue Loxim-Transferteil mit Schnappverbindung zum Implantat, mit dem alle Roxolid-Implantate ausgeliefert werden. Sie erleichtern dem Chirurgen die Arbeit, indem sich das Transferteil nach der Insertion schnell und einfach ohne instrumentelle Hilfe vom Implantat lösen lässt.

Hier geht's zur Literaturliste.

Foto: © Autor
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