Anzeige
Implantologie 30.07.2018

Zweiwurzlige Keramikimplantate für die Sofortimplantation

Zweiwurzlige Keramikimplantate für die Sofortimplantation

In den letzten Jahren gab es deutliche Fortschritte bei der Oberflächenbehandlung von Implantaten, um eine verbesserte und verkürzte Einheilphase und Osseointegration zu gewährleisten. Darüber hinaus ist es möglich, über moderne mikroraue Oberflächen eine vergrößerte Kieferknochenkontaktfläche zu erreichen. Die Ergebnisse verschiedener Studien ergaben, dass eine erfolgreiche Osseointegration u. a. maßgeblich mit der Implantatoberfläche assoziiert ist und die Verwendung von Implantaten mit mikrorauer Oberfläche die Anlagerung von Osteoblasten auf die Implantatoberfläche beschleunigen kann.1–3

Implantatoberflächen

In-vitro-Vergleiche von rauen und glatten (maschinierten) Implantatoberflächen zeigten, dass bei Verwendung von Implantaten mit rauer Oberfläche eine forciertere Anhaftung von Osteoblasten möglich ist.4,5 Verschiedene Untersuchungen ergaben zudem, dass auch der Grad der Rauigkeit bei unterschiedlich behandelten Implantatoberflächen beeinflussend wirkt.6–8 Bei der Evaluation unterschiedlich behandelter Titanoberflächen wurde festgestellt, dass sandgestrahlte und säuregeätzte Oberflächen (SLA) in Bezug auf den zu erwartenden Knochen-Implantat-Kontakt (BIC) höhere Werte erzielen konnten als Titan-Plasma-Spray-Oberflächen (TPS). Bisher konnten weitergehende Modifikationen, z. B. durch Beschichtung mit Hydroxylapatit, keine Vorteile in klinischen Studien erbringen.

Sofortimplantationen

Je nach Lokalisation, lokalen Hart- und Weichgewebsvoraussetzungen und Patientenwünschen kann es sinnvoll sein, direkt nach einer Zahnextraktion zu implantieren. Der Trend zu Sofortimplantaten hat in den letzten Jahren begründet durch Verbesserungen der Implantatoberfläche und struktureller Verbesserungen stark zugenommen. Apikal konische Schraubenimplantate haben die Grundform eines Zylinders mit einer Verjüngung an der Spitze, um ein besseres Eindrehen zu ermöglichen. Die Implantatgeometrie von apikal konisch geformten Implantaten kann bei der Verwendung als Sofortimplantat durch die Ähnlichkeit zur natürlichen Wurzelform zur Schonung vorhandener ossärer Strukturen sinnvoll sein. Zylinderförmige, parallelwandige und rotationssymmetrisch konstruierte Zahnimplantate erreichen zügig die gewünschte Primärstabilität, da im Bereich der Spitze des ehemaligen Zahnfachs eine festere Verbindung erzielt werden kann.

Sofortimplantation nach Extraktion mehrwurzliger Zähne

Sofortimplantationen zum Ersatz mehrwurzliger Zähne können aufgrund der eingeschränkteren Fixierbarkeit der Implantate in den Alveolen risikobehafteter sein. Daher ist bei fehlender Stabilisierungsmöglichkeit eine Zahnimplantation nach circa sechs bis acht Wochen (verzögerte Sofortimplantation) oder circa acht bis zwölf Wochen (späte Sofortimplantation) zu präferieren. Bei ausgedehnten Knochendefekten kann ein noch längerer Zeitraum indiziert sein. Es besteht allerdings das Risiko der Resorption der oftmals dünnen äußeren ehemals wurzelbedeckenden Knochenlamelle, welches die Notwendigkeit einer prä- oder perioperativen Knochenaugmentation bedingen kann.

Für eine erfolgreiche Sofortimplantation sind u. a. die Geometrien der Wurzeln des extrahierten Zahnes zu beachten. Ein weitestgehend runder Wurzelquerschnitt ermöglicht ein komplikationsloses Einbringen eines runden beziehungsweise eines rotationssymmetrischen Implantats in das Knochenfach. Mit Zunahme der Konizität und des Volumens der ehemaligen Zahnwurzel wird die Durchführung schwieriger. Die Mehrheit der am Markt verfügbaren Implantattypen weist zum Großteil ein rotationssymmetrisches Schraubengewinde auf und ist zylindrisch konzipiert. Um dieser Formgebung willen wird der notwendige Knochenkontakt erst in den tieferen Abschnitten des Implantats generiert. Bei zu großem Abstand zwischen Implantatoberfläche und Knochenwand ist eine Augmentation notwendig, da sonst das Risiko der raschen Bindegewebsproliferation in den ungefüllten Raum besteht.

Das oftmals sehr schmale oder nach Extraktion fehlende interradikuläre Septum und das damit im apikalen Bereich reduzierte Knochenvolumen kann das Erreichen einer Primärstabilität stark erschweren oder gar verhindern. Zur Verkürzung des Behandlungsablaufs und Ersparung zusätzlicher Eingriffe wäre es von Vorteil, im Molarenbereich direkt nach der Extraktion implantieren zu können – wobei eine Sofortimplantation mit konventionellen und am Markt verfügbaren Implantaten aufgrund der besonderen Gegebenheiten der Alveolengeometrie im Molarenbereich aktuell nur erschwert möglich ist.

Sofortimplantation von zweiwurzligen Zahnimplantaten

Nach Extraktion von Molaren sind zum Ersatz mit Sofortimplantaten mehrere Zahnwurzelfächer vorhanden und das interradikuläre Septum ist nicht immer zu schonen. Eine Idee zur besseren und einfacheren Stabilisierung wäre die Insertion mehrerer Implantate oder eines großvolumigeren Implantats, das die vorhandenen Zahnfächer besser ausfüllen kann, um eine bessere Primärstabilität zu erzielen (Abb. 1a und b).

Hier knüpft die innovative Idee des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi, Förderkennzeichen: KF3259802CS4) geförderten Projekts zur Entwicklung zweiwurzliger Zirkoniumdioxidimplantate zum Zweck der Sofortimplantation im Molarenbereich an. Dabei stand bei dem Projekt die Entwicklung eines Implantatkörpers im Vordergrund, der zur Hartsubstanzschonung eine natürliche Zahnwurzelgeometrie aufweist. Nebst der Implantatform soll sowohl eine hohe Primärstabilität als auch eine optimale Einheilung erreicht werden. Aufgrund der Verwendung von Zirkoniumdioxidmaterialien ist eine der natürlichen Zahnfarbe entsprechende ästhetischere Gestaltung möglich.

Das für die Implantate verwendete Zirkoniumdioxid zeigte sich in vitro insgesamt ohne Einschränkungen zytokompatibel gemäß DIN EN ISO 10993-5/-12-Normbestimmungen. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden erste Prototypen für verschiedene Molaren hergestellt (Abb. 2a und b). Diese werden aktuell in vivo untersucht.

Die vollständige Literaturliste gibt es hier.

Der Fachbeitrag ist im Implantologie Journal 3/2018 erschienen.

Foto: Autoren
Mehr
Mehr Fachartikel aus Implantologie

ePaper

Anzeige