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Implantologie 06.02.2014

Bakterien – mit den „Guten“ gegen die „Bösen“

Bakterien – mit den „Guten“ gegen die „Bösen“

Manche Keime sehen unter dem Mikroskop richtig ästhetisch aus. Nehmen wir doch nur einmal den Staphylococcus aureus. Schon beinahe ein Kunstwerk, seine rasterelektronenmikroskopische Ansicht. Das ändert jedoch nichts an seiner Gefährlichkeit. Beim S. a. ist sie besonders hoch (MRSA-Keim!). Aber auch andere Keime haben es in sich. A. a., T. f ., P. g. und/oder P. i. sind die Abkürzungen für parodontopathogene Bakterien. Beinahe jeder Mensch hat sie in seinem Mund. Bei beinahe jedem Menschen befinden sie sich auch im Gleichgewicht mit den Abwehrkräften des Körpers. Nur bei den Patienten, die in ihrem Immunstatus kompromittiert sind, verursachen sie im Spätstadium das Ausfallen ihrer Zähne.

Addieren wir, wie im richtigen Leben, zu den Bakterien noch die Chemie dazu, dann sind wir bei den Methoden und Mitteln, mit denen wir mehr oder minder erfolgreich (oder auf die Dauer wegen der Rezidive frustrierend) Parodontalerkrankungen behandeln. Stahl = Scaling und Root Planing? Muss sein! Mit Anästhesie und scharfen Instrumenten. Strahl = Photodynamische Desinfektion. Adjuvant mit einem preisgünstigen LED-Gerät anstelle eines teuren Lasers. Bleibt noch die Chemie = Antibiotika. Spontan fällt da der Winkelhoff-Cocktail ein. Bereits im Jahr 1996 wurde er schon wegen möglicher Resistenzen kontrovers diskutiert. Das sieht auch heute noch nicht sehr viel anders aus. Würden Sie ihn (bei möglichen Alternativen) für sich selbst bedenkenlos einsetzen? Viele Patienten beklagen, dass sie von ihren Ärzten häufig keine klare Antwort auf ihre – manchmal leider unausgesprochenen – Fragen bekommen. Warum nur lassen wir sie so oft „im Regen“ stehen und trauen uns nicht, ihnen eine ganz klare Ansage zu machen? Eine klare Ansage zum Beispiel, dass Homöopathie bei einer aggressiven Parodontitis eben genauso wenig hilft wie Akupunktur oder das „Besprechen durch einen Geistheiler bei Vollmond“. Jedoch, und das sagt ein knallharter Schul(zahn)mediziner: Es gibt auch sinnvolle komplementärmedizinische Verfahren adjuvant in der Behandlung problematischer Keime in der Mundhöhle. Zum Beispiel der Einsatz von Probiotika. Ich presche, Ihren Fragen nach Evidenz zuvorkommend, gleich einmal vor und nenne eine Studie von Kleinhans et al.: Influence of regular intake of Periobalance® lozenges on plaque control and gingivitis in pregnant women. (L. Kleinhans, Y. Jockel-Schneider, M. Rehn, U. Schlagenhauf; Würzburg [derzeit Poster abstract, Studie in der Veröffentlichungsphase]). Und um auch einen möglichen Kritikpunkt zu entkräften: Das wichtigste Kontra, eine angebliches „unwirksam werden“ durch bestimmte Darmkeime, entfällt in diesem Fall. Warum? ProlacSan® heißt das orale Probiotikum von CMS Dental (LOSER, Leverkusen).

 

 

Was ist ein Probiotikum?

Es ist eine Zubereitung, die in diesem Fall lebensfähige Mikroorganismen (Lactobazillen) enthält. Diese Mikroorganismen sind in unserer gesunden Mundflora normalerweise vorhanden, müssen jedoch bei Patienten, deren bakterielles Gleichgewicht – aus verschiedenen Gründen – gestört ist, wieder zugeführt werden. Und warum entfällt die Nebenwirkung „unwirksam werden“? Weil es sich (neben einem lokal anzuwendenden Gel) um Lutschtabletten handelt, deren Wirkung direkt im Mundmilieu einsetzt. ProlacSan® beinhaltet Lactobacillus brevis und plantarum. Es wird in Ihrer Praxis nach der Reinigung (PZR; evtl. auch PDT mit FotoSan) in Gelform direkt in die Zahnfleischtaschen appliziert. Die Behandlung führt der Patient zu Hause dann mit der Einnahme einer Lutschtablette pro Tag weiter. So unterstützt er das Wachstum und die Präsenz der nützlichen Bakterien und erhält das Gleichgewicht zwischen den guten und den schlechten Keimen.

Was zeichnet Lactobazillenstämme aus?

Sie vermehren sich (kolonisieren) gut und haften fest an Mukosa und Zahn. Sie produzieren keine geruchsbildenden Stoffe. Ihre Widerstandskraft gegen pathogene Keime und ihre Resistenz gegen Zahnpasta und Mundspülungen machen sie zu einem idealen Probiotikum für die Mundhöhle.

Die Anwendung bei Periimplantitis

Sehr groß ist der Hype um Risiken und Nebenwirkungen der künstlichen Zahnwurzeln. Aber ein Vogel-Strauß-Verhalten hilft hier nicht. Wir können die Augen nicht verschließen vor dem Problem von Entzündungen und drohendem Implantatverlust. Nun häufen sich Berichte darüber, dass die bekannten parodontopathogenen Bakterien auch als Erreger der Periimplantitis eine große Bedeutung besitzen. Also hier ebenfalls wieder Stahl, Strahl und Chemie? Lassen Sie mich von einer alternativen bzw. komplementären Anwendung berichten: Bei einer Patientin hatte ich eine neue implantatgetragene Brücke eingegliedert. Der im Rahmen der Implantation durchgeführte Markerkeimtest (LCL-biokey) sah seinerzeit gut aus. Leider hatte sich dann die Situation in der Folge etwas verändert. Eine weitere Keimbestimmung zeigte nämlich eine Zunahme wichtiger Periimplantitis-Leitkeime. Wenn diese auch nur in geringem Maße auftraten, wollte ich die Situation „im Griff“ behalten, um die Implantate nicht zu gefährden. Ich habe also nach einer professionellen Zahnund Implantatreinigung ProlacSan® in Gelform appliziert und anschließend zunächst eine vierwöchige Tablettenkur initiiert. Danach habe ich einen erneuten Keimtest durchgeführt. Das Ergebnis war sehr ermutigend. Ich habe die Tablettenkur fortsetzen lassen.

Abrechnung

Der Einsatz von ProlacSan® ist weder im BEMA noch in der GOZ beschrieben. Es eröffnet daher die Möglichkeit einer (sinnvollen!) Privatbehandlung und -abrechnung. Eine Möglichkeit der analogen Abrechnung (bei einer medizinischen Indikation) ist beim Unternehmen direkt nachzufragen. Weitere Infos sowie einen Wartezimmer-Aufsteller mit Patientenflyern können Sie ebenfalls anfordern. Das Gel bestellen Sie sich bei Ihrem Depot, die Tabletten für die „Kur“ zu Hause kann sich der Patient mit einem Privatrezept, von Ihnen verordnet, in der Apotheke besorgen.

Die Anwendung bei Mundgeruch

Aber nicht nur bei PA-Patienten ist die Anwendung des Produktes sinnvoll. Auch diejenigen, welche sich wegen bestimmten Erkrankungen einer medikamentösen Therapie unterziehen müssen, zum Beispiel Tumorpatienten, bei denen als Folge einer Chemo eine Xerostomie, entsteht, profitieren. Halitosispatienten sind Ihnen sicher ebenfalls sehr dankbar, wenn Sie einen Weg aufzeigen, mit einer „sanften“ Methode die geruchsbildenden Keime in ihrem Mund wegzulutschen. Lokal anzuwendende Substanzen, sogenannte Local Delivery Devices, wären eine Alternative. Ob mit oder ohne Antibiotika, ist Ihrer Einschätzung der Vertretbarkeit solcher Substanzen überlassen. Eine komplette Beseitigung, so wie beim Magenkeim, dem Helicobacter pylori, ist bei den Keimen in der Zahnfleischtasche weder möglich noch sinnvoll. Erstens ist die Gefahr zu groß, zusammen mit den schlechten Keimen auch die guten wegzuschießen, und zweitens erfolgt bekanntlich mit Sicherheit eine Rebesiedelung der Tasche.

Fazit

Aber wie wäre das: Wir bekämpfen die schlechten Bakterien, indem wir den guten die Möglichkeit verschaffen, sich so zu vermehren, dass sie die schlechten verdrängen? Das Geheimnis sind die Selbstheilungskräfte des Körpers. Bei den erwähnten schlechten Keimen in der Mundhöhle können Probiotika helfen, unabhängig davon, wie Sie Ihre PA-Therapie vorab durchführen. ProlacSan® hat die Keimsituation bei meiner Patientin wesentlich verbessert. Dies war zwar keine wissenschaftliche Studie, aber geholfen hat das Gel ohne die chemische Keule. Ich denke, dass eine solche Therapie sinnvoll ist und zum Wohle des Patienten. Wir wissen, dass die Keimsituation im Mundraum nie statisch ist, häufig erleben wir, vor allem bei Patienten mit einer geschwächten Immunsituation (in unserem Fall Zustand nach Thyreoidektomie – post-Ca), eine erneute Besiedelung mit pathogenen Keimen. Gut wenn wir dann eine Therapie haben, die nebenwirkungsfrei ist und bedenkenlos häufiger angewandt werden kann.

Foto: © Autor
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