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Laserzahnmedizin 12.10.2010

Mit Licht Lipome behandeln

Mit Licht Lipome behandeln

Gutartige Neubildungen des Fettgewebes – auch bekannt unter der Bezeichnung Lipom – gehören zu den häufigsten mesenchymalen Tumoren des Menschen. Ätiologie, Diagnostik und insbesondere auch die Möglichkeit der Behandlung mittels Laser soll im Folgenden vorgestellt werden.

Lipome sind die häufigsten Formen des Wachstums von Weichgewebe. Man findet sie am häufigsten am ­Rücken, im Nacken, an den Oberschenkeln, Oberarmen und Armgruben. Allerdings können sie auch an allen ­anderen Stellen des Körpers, einzeln oder in Mehrzahl auftreten. Lipome sind die häufigsten nicht kanzeröse Form des Wachstums von Weichgewebe. Dabei gibt es viele verschiedene Unterarten:

• Fibrolipome
• Spindelzelllipome
• Pleomorphe Lipome
• Mixolipome
• Angiolipome
• Angiomyolipome
• Myolipome
• Chondrolipome
• Intramuskuläre Lipome
• Lipoblastome
• Hibernome
• Falxlipome

Die häufigste Unterart ist das superifizielle subkutane Lipom. Im Bereich der Mundhöhle treten sie nicht oft auf und sie werden entsprechend selten in der Literatur beschrieben.

Gründe für das Wachstum eines Lipoms


Die Entstehung von Lipomen ist nicht komplett geklärt, jedoch wird die Neigung, sie zu entwickeln, vererbt. Eine geringgradige Verletzung kann ihr Wachstum hervorrufen. Übergewicht scheint auf die Entstehung keinen Einfluss zu nehmen.
Lipome treten in allen Altersgruppen auf, meistens im mittleren Alter. Die Häufigkeitsverteilung einzelner Lipome erscheint bei Männern und Frauen gleich. Multiple Lipome gibt es häufiger bei Männern.

Symptomatik


Lipome sind normalerweise:
– klein (1 bis 3cm) und können unter der Haut gefühlt werden
– beweglich und haben eine weiche gummiartige Konsistenz
– verursachen keinen Schmerz
– behalten die gleiche Größe über Jahre und wachsen sehr langsam.
Oft ist das beunruhigendste Symptom die Lokalisation oder zunehmende Größe, die die Wucherung für andere bemerkbar macht.

Diagnostik


Normalerweise kann ein Lipom allein durch sein Erscheinungsbild diagnostiziert werden. Dennoch sollte man sich im Regelfall durch die Entfernung vergewissern, dass es sich nicht um ein kanzeröses Wachstum handelt.

Behandlung


Lipome müssen nicht in jedem Fall behandelt werden. Da es sich um nicht kanzeröse Neubildungen handelt und sie sich auch nicht in diese Richtung entwickeln können, bedarf es auch keiner Entfernung. Behandlungen, die vor Lipomen schützen oder ihr Wachstum beeinflussen, sind bislang nicht bekannt.

Folgende Symptome rechtfertigen die chirurgische Entfernung:
– es wird schmerzhaft oder störend
– es wird infiziert oder entzündet sich wiederholt
– es entleert übelriechendes Sekret
– es behindert Bewegung oder Funktion
– es wächst stark
– es wird unansehnlich oder hinderlich.

Die meisten Lipome können in der Arztpraxis oder in ­einem ambulanten OP-Zentrum entfernt werden. Der Arzt injiziert Anästhetikum um das Lipom, inzidiert, entfernt das gewachsene Gewebe und verschließt die Wunde mit Nähten. Topografisch schwierig gelegene ­Lipome können auch deren Entfernung in Intubationsnarkose erforderlich machen.

Klinische Fallbeispiele


Fall 1
Ein 55-jähriger Patient stellte sich mit retroaurikulärem Lipom vor. Durch das langsame Wachstum des Tumors stand das Ohr immer mehr ab (Abb. 1). Nach Lokalanästhesie mit Ultracain DS ohne Vasokonstringens erfolgte die Schnittführung mit einem Diodenlaser der Wellenlänge 980nm im Dauerstrich und einer Leistung von 1,5 W. Die Haut konnte ohne Blutung durchtrennt werden, sodass eine hervorragende Übersicht im Operationsgebiet erhalten blieb (Abb. 2).
Der Tumor wurde unter stumpfer Präparation mithilfe des emittierenden Lasers vom umliegenden Gewebe getrennt und ohne Verletzung der äußerst subtilen Nachbarstrukturen entfernt (Abb. 3 und 4). Nach Spülung der Wunde mit steriler Kochsalzlösung erfolgte der Wundverschluss mit sechs Einzelstichnähten der Stärke 4-0 (Abb. 5). Die Wundheilung verlief problemlos, im histologischen Schnitt sieht man die Lipomstruktur sehr anschaulich (Abb. 6 und 7).

Fall 2
Aufgrund eines großen Lipoms im Bereich der linken Unterlippe erschien eine 42-jährige Patientin zur Sprechstunde. Die Geschwulst wuchs innerhalb der letzten drei Jahre nach Angaben der Patientin merklich an und behinderte sie, sodass sie sich zur Entfernung vorstellte (Abb. 8).
Nach Operationsaufklärung erfolgte in Lokalanästhesie im Bereich des Austrittspunktes des Nervus mentalis sowie eine Infiltration im Bereich der Zähne 41 und 42. Der Zugang erfolgte durch Schnittführung mittels Diodenlaser 980nm, cw, 1,5W. Durch die gute Koagulationswirkung in diesem stark vaskularisierten Gebiet konnten wir nach Anschlingung des Lipoms dieses stumpf präparieren und in sechs Minuten entfernen (Abb. 9 und 10). Nach fünfminütiger Kompression und der Anweisung an die Patientin, den Tupfer noch eine weitere Stunde im Mundvorhof zu belassen, verzichteten wir auf eine Naht. Die Wundheilung verlief völlig problemlos. Beim Kontrolltermin war der Schnitt kaum mehr zu erkennen (Abb. 11). Das Lipom wurde histologisch verifiziert.

Diskussion


Besonders in Regionen mit hoher Durchblutung und der Schwierigkeit, Nähte anzubringen, machen den Einsatz von Diodenlaser mehr als sinnvoll. In den beschriebenen Fällen war es möglich, in Lokalanästhesie unter Schutz der anatomischen Strukturen bei gleichzeitiger Blutstillung die Lipome zu entfernen, ohne die benachbarten Strukturen zu verletzen. Auf diese Weise war es möglich, gewebeschonend vorzugehen und die Nachbarstrukturen zu schützen. Dies macht Mut, Diodenlaser im Bereich der oralen Weichgewebschirurgie öfter einzusetzen und den Indikationsbereich schrittweise zu erweitern.

Ferner zeigen beide Fälle, dass bei geringen Leistungseinstellungen (1,5W, cw) unter striktem Kontakt der Faser zum Gewebe ohne große kollaterale Nekrosen gearbeitet werden kann und so mit keiner merklichen Verzögerung der Wundheilung zu rechnen ist. Vor höheren Leistungen muss man allerdings im Dauerstrichmodus warnen, da bei entsprechender Ankopplung beziehungsweise dem Auftreten eines unkontrollierten Hot-Tip-Effektes, das Einbrennen der Faser an deren Spitze, unkontrollierte Hitzenekrosen hervorrufen kann.

Weiterführende Literatur ist beim Verfasser abrufbar.


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