Oralchirurgie 12.06.2026
Persistierende Mund-Antrum-Verbindung bei Panzytopenie
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Ein 73-jähriger Patient stellte sich aufgrund einer therapieresistenten MAV im Bereich Regio 26 nach Zahnextraktion vor (Abb. 1). In der Anamnese waren ein Lupus erythematodes sowie eine damit vergesellschaftete Panzytopenie bekannt. Klinisch fand sich eine deutlich sichtbare und sondierbare MAV bei Zustand nach erfolgter Zahnextraktion und frustranen Deckungsversuchen mittels Rehrmann-Lappen und dem Corpus adiposum buccae. Zudem berichtete der Patient von wiederkehrenden Sinusitiden links mit Sekretausfluss aus der Nase, was auf eine persistierende oroantrale Kommunikation hinwies.
In der digitalen Volumentomografie (Abb. 2) zeigte sich eine vollständige Verschattung der Kieferhöhle. Nach vorausgegangener konservativer Therapie mit antibiotischer Abschirmung und lokalen Spülungen bis zur Reizfreiheit erfolgte anschließend die chirurgische Deckung mittels Palatinallappen in Intubationsnarkose.
Die präoperative Blutuntersuchung zeigte eine deutliche Verminderung der Leukozyten (1,8/nl), Erythrozyten (2,9/nl) und Thrombozyten (79/nl), was dem bekannten Bild der Panzytopenie entsprach.
Intraoperativ wurde der Defekt ausgemessen, anschließend ein gestielter Palatinallappen präpariert, mobilisiert und spannungsfrei über die MAV geschwenkt (Abb. 3–5). Die Durchblutung des Lappens war intraoperativ suffizient und die plastische Deckung konnte ohne Komplikationen durchgeführt werden. Der postoperative Verlauf war insgesamt komplikationslos, jedoch zeigte sich eine deutlich verzögerte sekundäre Wundheilung im Vergleich zu Patienten ohne hämatologische Grunderkrankung. Der Patient trug die vorab angefertigte Verbandplatte (VPL) für die ersten drei Tage nach der Operation. Die Nahtentfernung erfolgte 14 Tage postoperativ.
Das strukturierte Follow-up erfolgte nach zwei (Abb. 6), drei (Abb. 7) sowie sechs Monaten (Abb. 8) und zeigte im Verlauf eine vollständige epitheliale Abheilung ohne Hinweis auf ein Rezidiv der MAV. Insgesamt konnte ein funktionell und klinisch stabiles Ergebnis mit reizloser Schleimhaut erzielt werden.
Diskussion und Schlussfolgerung
Zahlreiche Studien belegen, dass eine Panzytopenie das Risiko für Wundheilungsstörungen nach chirurgischen Eingriffen erhöhen kann. Asiri et al. konnten zeigen, dass chronische Anämien die Kollagensynthese und die mechanische Festigkeit von Wunden der Haut beeinträchtigen können, was zu einer verzögerten Heilung führt.1 Dies unterstreicht auch die Studie von Massenburg et al., welche zeigte, dass präoperative Anämie ein Marker für ein erhöhtes Risiko für postoperative Komplikationen sein kann.² Niedrige Lymphozyten- und Eosinophilenzahlen scheinen außerdem signifikant mit verzögerter Wundheilung sowie mit Osteonekrose des Kiefers assoziiert zu sein.3 Auch in diesem Fall zeigte sich eine deutlich verzögerte Wundheilung nach Palatinallappenplastik. Patienten mit einer Panzytopenie stellen somit eine besondere Herausforderung im klinischen Alltag dar. Eine engmaschige Kontrolle des Blutbildes ist wichtig, um nicht nur die Blutungsneigung, sondern auch die Wundheilung einzuschätzen. Ein Palatinallappen kann nach erfolglosen Deckungsversuchen mittels Rehrmann-Plastik und Deckung mit dem Corpus adiposum buccae eine gute und sichere Alternative darstellen, da dieser als axial pattern flap über ausreichend Mobilität verfügt.4, 5
Autoren: Dr. Kübra Bartschat, Dr. Dirk Elvers, Univ.-Prof. Dr. Dr. Frank Hölzle, Dr. Marie Sophie Katz