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Prophylaxe 29.11.2011

Die Hygiene, der Prüfer und Pro-Tip

Die Hygiene, der Prüfer und Pro-Tip

Einen Blick nur warf der „Prüfer“ in das Behandlungszimmer auf unsere Behandlungseinheit und da war die Hauptsache schon erledigt. Doch was erregte die Aufmerksamkeit des Hygienespezialisten? Der Einweg-Spritzenansatz für die Mehrfunktionsspritze (MFS) war es – der Pro-Tip der Firma Loser. Denn: wenns im Detail stimmt, dann ist, so das Resümee des Spezialisten, auch alles andere in Ordnung.

Wer als Kind nicht im Schmutz oder Sand spielen durfte, der hat meines Erachtens keine richtige Kindheit gehabt. Interessant ist auch die These, dass sich gewisse Immundefizite weniger oft bei Menschen finden, die mit einer Vielzahl von Keimen aufgewachsen sind. Ein Irrweg war auch die keimfreie Aufzucht unserer Kinder mit Fläschchen im Desinfektionsbad. Unbestritten aber ist und bleibt, dass Infektionsübertragungen in der Zahnarztpraxis nicht in die Kategorie „auf die leichte Schulter nehmen“ gehört. Und das gilt nicht nur für die Sterilisation der Extraktionszange.

Kategorie leichte Schulter


Unseren Patienten können wir in aller Regel nichts vormachen. Sie sind durch gewisse Vorkommnisse in Sachen Keime, Infektionen & Co. sensibilisiert. Sie schauen sich schon an, wie das Thema Sauberkeit in einer Zahnarztpraxis gehandhabt wird. Da wird manchmal das vermeintlich hochwertige Mundspülglas aus Echtglas misstrauisch beäugt, ein „angemackter“ großer Sauger führte eine Patientin sogar zum Amtsarzt, um vermeintliche Hygienemängel zu melden. Ein (von uns) kaum bedachtes weiteres Ausstattungsdetail der Einheit führt jedoch ein Mauerblümchendasein: die Mehrfunktionsspritze.

Stagnation


1)Trinkwasser ist keinesfalls keimfrei,
2)wird durch Rücksog kontaminiert und
3)der Biofilm wächst in den Zeiten der Stagnation des Wasserflusses.

Insider wissen längst, dass in den Schläuchen und weiterführenden Gerätschaften unserer Behandlungseinheiten der Feind lauert. Bereits Eve et al.1 haben es erkannt: Sobald das Luft- Wasser-Ventil der MFS ausgelöst (und wieder losgelassen) wurde, ist, wie bei Übertragungsinstrumenten, ein Rücksaugeffekt möglich. Die Sprühkanüle der Spritze wird so kontaminiert. Und dazu kommen noch die Keime aus dem Trinkwasser, die sich in den Zeiten des Stillstandes der Einheit bei den entsprechenden Temperaturen stark vermehren. Den so entstehenden Biofilm bekommen wir mit einem bloßen Durchspülen genau so wenig weg wie bei den Übertragungsinstrumenten (Turbine etc.).

Semikritisch B


Semikritisch B – was ist das? Und was hat das mit dem Püster zu tun? Ja, lesen Sie mal genau in den RKI-Richtlinien nach. Schwer zugängliche Hohlräume sind nämlich das, was einerseits die „Funktion“ der Mehrfunktionsspritze mit dem getrennten Austreten von Wasser und Luft oder aber Spray ausmacht. Was dort rauskommt muss absolut feuchtigkeits- und ölfrei sein, um die Kavität für eine adhäsive Füllung korrekt zu trocknen. Und? Ist dieses komplizierte Innenleben immer genügend sauber zu bekommen? Im Laufe der Zeit sammelt sich da doch was an und dieser bakteriell kontaminierte Biofilm ist, wenn überhaupt, nur schwer zu beseitigen. Doch was ist nun der Ausweg aus dieser Misere? Der Pro-Tip Einweg-Mehrfunktionsspritzen-Ansatz der Firma Loser aus Leverkusen. Ich habe seit Längerem diesen Ansatz (und den entsprechenden Adapter für mein MFS-System) in Gebrauch.

Adapter für alle Gerätetypen


Es ist ganz einfach: Lediglich der alte Spritzenansatz muss ab- und der Adapter für den Pro-Tip Ansatz aufgeschraubt werden. Die Einwegkanüle selbst wird mit einem Bajonettverschluss auf dem Adapter verriegelt. So besteht keine Gefahr, dass sie sich von selbst löst und im Patientenmund oder sogar auf dem Fußboden landet. Ich hatte schon erwähnt, dass der Ansatz einer Mehrfunktionsspritze ein kompliziertes Gebilde ist. Lässt sich so was qualitativ genügend (saubere Trennung von Luft und Wasser), dafür aber preisgünstig überhaupt herstellen? Ja! Ich habe nunmehr die Ansätze über längere Zeit ausprobiert, es war kein „Ausrutscher“ dabei, wie das manchmal von anderen Einwegprodukten her bekannt ist – ein Ansatz war so gut wie der andere.

Der Preis


Der „Thermo“ hat bereits eine Helferin in unserer Praxis eingespart. Aber wie sieht das mit den Kosten für das Einwegsystem Pro-Tip aus? Sie bereiten ja bekanntlich korrekt auf. Wenn Sie nun die Kanülen der Mehrfunktionsspritzen für jeden Patienten, bei dem Sie sie anwenden, gemäß den Richtlinien aufbereiten und sterilisieren, dann erfordert dies
einen hohen Zeit- und Kostenaufwand. Und: Erfahrungsgemäß ist der (teure!) Austausch des konventionellen Ansatzes bereits nach einigen Monaten erforderlich. Bleibt abschließend auch noch das Restrisiko: Das feine Kanalsystem im Inneren der MFS kriegen Sie nie komplett gereinigt.

Der neue Turbo


Der neue, nochmals verbesserte Einwegansatz für die Mehrfunktionsspritze. Mit dem neuen Pro-Tip Turbo wurde jetzt auch noch ein verringerter Durchmesser und ein besserer Zugang zum Behandlungsfeld sowie ein exakter, starker Luft-Wasserstrahl erzielt. Dabei bleibt der Ansatz der alte. Brauchen Sie also Ihre Vorräte ganz normal auf und steigen dann um auf den neuen. Und wenn Sie noch ohne Pro-Tip arbeiten, dann sollten Sie mal überlegen, ob Sie nicht endlich die alte Sprühkanüle aus dem Bestandsverzeichnis der aufzubereitenden Medizinprodukte streichen wollen. Ein Einwegansatz wie der Pro-Tip braucht nicht mehr gelistet und auch nicht mehr aufbereitet zu werden – Ihre (teure) Helferin können Sie stattdessen für etwas Sinnvolleres einsetzen.

Noch ein Gedanke zum Schluss


Der Prüfer war zufrieden, die Kostenseite stimmt und wir können reinen Gewissens unseren Patienten höchste Hygienestandards anbieten. Welche Standards fordern sie für sich selbst? Und da Sie nun über das Innenleben der Mehrfunktionsspritze Bescheid wissen: Was denken sie darüber beim nächsten Mal, wenn Sie „beim Zahnarzt“ sitzen? Lassen Sie sich die Pro-Tip Turbo-Ansätze doch einmal von einem Außendienstler von Loser zeigen. Medizinprodukte, die nicht mehr aufbereitet werden müssen, weil es Einwegprodukte sind, bereiten auch keine Kopfschmerzen mehr. Schlagen Sie RKI und Trinkwasserverordnung ein Schnippchen und sorgen Sie dafür, dass Ihre Patienten keinen Biofilm in den Mund kriegen!

[1] Eve D., Quinley MS., Nancy J., Williams MS; „The air/water Syringe-Contamination and Disinfection“ Quintessenz Int.; Vol . 20, 12/89.

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