Prophylaxe 24.05.2017
Mundduschen: Im Einsatz für eine erhöhte Patientencompliance
Der alltägliche Kampf gegen die bakterielle Plaque, vor allem in den für Patienten meist schlecht zugänglichen Zahnzwischenräumen, stellt Behandler wie zahnmedizinisches Fachpersonal immer wieder vor große Herausforderungen. Dabei sollten Patienten in ihrer häuslichen Pflege eine konsequente und richtige Benutzung von Zahnzwischenraumbürsten und Zahnseide praktizieren, um Karies und Parodontitis effektiv entgegenzuwirken. Doch zu selten ist dies der Fall. Für die erfahrene Dentalhygienikerin Sabrina Leibmann ist dies zweifach begründet: Zum einen empfinden Patienten die Anwendung der Zahnzwischenraumprodukte als schwierig und sind unsicher im Umgang, zum anderen stellt der dafür benötigte Zeitaufwand für potenzielle Anwender eine nicht zu unterschätzende Hürde dar.
Hier braucht es Alternativen, die Patienten die orale Prävention erleichtern und trotzdem effektiv sind. Jeder Patient ist ein Individuum, auch in Bezug auf die Mundhygiene. Als Fachpersonal müssen wir daher auf die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse unserer Patienten eingehen und geeignete Hilfsmittel heranziehen.
In einem aktuellen Test wurde daher Patienten unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen klinischen Befunden und Voraussetzungen die Munddusche Waterpik® WP-100E4 (Vertrieb durch intersanté GmbH) und die XiroDesept® Fertiglösung (intersanté GmbH) für Mundduschen zur Verfügung gestellt. Ziel der Untersuchung war es, festzustellen, ob und wie sich eine tägliche Anwendung der Munddusche auf die Parameter Sondierungstiefen (ST), Approximalraum-Plaque-Index (API), Sulkus-Blutungs-Index (SBI) und das Bluten auf Sondieren (BAS) auswirkt. Zu Beginn der Untersuchung wurden die Sondierungstiefen mit BOP und ein API und SBI erhoben. Nach einer vierwöchigen Testphase wurden die gleichen Indices wieder erhoben und miteinander verglichen. Die Patienten füllten vor und nach der Testphase einen Fragebogen aus. Im Folgenden sollen drei Fallbeispiele exemplarisch für die durchweg positiven Anwendungsresultate kurz erläutert werden.


Links: XiroDesept® Fertiglösung (0,06% Chlorhexidin). Rechts: Munddusche Waterpik® WP-100E4.
Fallbeispiel 1
Ein 51-jähriger Patient mit unauffälliger Anamnese durchlief im Jahre 2008 eine systematische geschlossene Parodontaltherapie. Danach erfolgte im drei- bis viermonatigem Intervall die unterstützende parodontale Nachsorge (UPT). Die parodontale Situation des Patienten blieb über die Jahre hinweg bis auf leichte Schwankungen recht stabil. Leider war die Compliance des Patienten eher mäßig. Trotz ständiger Remotivation nutzte er keinerlei Zahnzwischenraumhilfsmittel. Dies zeigte sich deutlich in einem hohen Gingiva-Index (API: 100 %, SBI: 91,66 % BOP: 53,6). Nach einer vierwöchigen Testphase mit der Munddusche Waterpik® WP-100E4 in häuslicher Anwendung (die der Patient durchweg einhielt) zeigten sich jedoch positive Ergebnisse: Die Werte hatten sich in allen Bereichen deutlich verbessert (API: 79,16 %, SBI: 25 %, BOP: 14,3) und auch die Sondierungstiefen waren etwas rückläufig. Was jedoch am meisten erstaunte, war die Compliance-Motivation des Patienten. Er bemerkte selbst eine Verbesserung des Gingivazustandes und war sehr angetan von der einfachen Handhabung des Gerätes. Zudem gab er an, die Munddusche auch weiterhin nutzen zu wollen.
Fallbeispiel 2
Eine 42-jährige Patientin, starke Raucherin mit regelmäßiger Einnahme von Immunsuppressiva. Im Jahre 2009 wurde ihr Regio 21 ein Implantat inseriert. Sie kam regelmäßig alle sechs Monate zur Prophylaxesitzung. Die Sondierungstiefen waren im Laufe der Jahre stabil, diese lagen bei maximal drei Millimetern. Vor einigen Wochen stellte sich die Patientin nun mit einer vestibulären Fenestration an diesem Implantat vor. Durch den behandelnden Kieferchirurgen wurde eine dentalhygienisch ungünstig gestaltete Suprakonstruktion bemängelt, darüber hinaus wurde aber keine Therapie durchgeführt. Wir statteten auch diese Patientin mit der Munddusche Waterpik® WP-100E4 aus. Sie sollte die Fenestration bei empfohlener niedrigster Druckstufe mit XiroDesept® Fertiglösung (0,06 % Chlorhexidin) mithilfe der Gingival Pik Pocket-Aufsteckdüse einmal täglich gezielt ausspülen. Nach circa drei Wochen erfolgte die erste Nachkontrolle. Die klinische Situation hatte sich bereits stark verbessert; nach weiteren zwei Wochen Anwendung war der Defekt komplett geschlossen.
Fallbeispiel 3
Ein 14-jähriger Patient mit unauffälliger Anamnese bekam Anfang 2015 ein kieferorthopädisches, festsitzendes Multiband eingesetzt. Es erfolgte eine eher mangelhafte Zahnzwischenraumpflege (API: 100 % SBI: 66,66 % BOP: 14,3). Vor allem in der UK-Front entwickelte sich eine starke Gingivahyperplasie. Nach einer vierwöchigen Testphase mit der zur Verfügung gestellten Waterpik® Munddusche war ein deutlicher Rückgang der Schwellung erkennbar und auch die Indexwerte hatten sich etwas verbessert (API: 29,16 %, SBI: 54,16 % BOP: 0).

Der Vorher-Nachher-Vergleich.
Fazit
Generell konnte bei allen Patienten eine positive Entwicklung festgestellt werden. Die Patienten hatten keinerlei Probleme mit der Handhabung der Waterpik® Munddusche. Hieraus resultierte vermutlich auch die Bereitschaft, diese konsequent einmal täglich anzuwenden. Etwas bessere Ergebnisse konnten bei Patienten erzielt werden, die zu einer etwas langsameren Mineralisation neigen. Bei den Probanden mit schnellerer Zahnsteinbildung ist eher eine häufigere professionelle Zahnreinigung oder kontrollierte häusliche Anwendung einer stärker abrasiven Zahnpasta zu empfehlen. Viele der Patienten erhielten direkt vor der Testphase eine professionelle Zahnreinigung oder unterstützende Parodontitisherapie. Dies hat vermutlich bereits positive Auswirkungen auf die gingivale und parodontale Situation bewirkt. Den großen Vorteil für die Anwendung einer Waterpik® Munddusche sehe ich als Dentalhygienikerin darin, dass die Patienten sichtbare, fühlbare und nachvollziehbare Erfolgserlebnisse haben, sich damit wohlfühlen und so auch langfristig die gewünschte Compliance zeigen.
Autorin: Sabrina Leibmann
Dieser Artikel ist erstmalig im Prophylaxe Journal 3/17 erschienen.