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Branchenmeldungen 29.01.2016

24. SSE-Jahreskongress in Lausanne

24. SSE-Jahreskongress in Lausanne

Fast 280 Teilnehmer fanden den Weg zum traditionellen SSE-Jahreskongress nach Lausanne, der diesmal thematisch eher praxisnah ausgerichtet war. Das Motto lautete: „Practical Endodontics – just endo it“. Nach der Eröffnung durch den SSE-Präsidenten Dr. Reto Lauper begann der Freitag mit dem Studentenpreis für den drei Kandidatinnen der Zahnmedizin ihre Fallpräsentationen zeigten, wobei der Preis in diesem Jahr nach Zürich ging.

Es folgte die Wladimir Adlivankine Lecture, die von Prof. Dr. Mathias Zehnder (Zürich) gehalten wurde. Er widmete sich der „Diagnostik des schmerzhaften und asymptomatischen Zahnes“. Wegen der praktisch kaum zu unterscheidenden reversiblen und irreversiblen Pulpitis gab der Referent die Empfehlung, bei schmerzhaften, kariösen Zähnen eher auf eine direkte Überkappung zu verzichten und sofort die Wurzelbehandlung durchzuführen. Dann ging er ausführlich auf die schwer zu diagnostizierenden Risse und Mikrorisse im Zahn mit den therapeutischen Konsequenzen ein. Einen Ausblick auf zukünftige, bessere endodontische Diagnostik gab er mithilfe neuerer Molekulartests, bei denen beispielsweise Dentinfluid auf bestimmte Metalloproteinasen oder Entzündungszellen untersucht werden kann.

Impressionen aus Lausanne

Nach der Pause setzte Prof. Dr. Paolo Scolozzi (Genf) mit dem Thema „Neuropathien endodontischer Ursache“ fort. Er zeigte, wie der Unterkiefernerv bei massiven Sealerüberschüssen aber auch durch Spüllösungen geschädigt werden kann, wie wichtig eine gute Diagnostik und ein sofortiges Handeln (innerhalb von sechs bis acht Stunden nach der Anästhesie) in diesen Situationen für unsere Patienten sind. Beim chirurgischen Vorgehen favorisierte er übersichtliche und grossflächige Zugänge über den bukkalen Knochen, um den Nerv gut darzustellen und alle Fremdmaterialien vollständig entfernen zu können.

Kollegialer Austausch

Beim Standing Lunch kam es zu einem regen kollegialen Austausch und in der begleitenden Dentalausstellung mit 19 Ausstellern konnten wieder zahlreiche Table Clinics oder Miniworkshops besucht werden. So standen z.B. bei VDW Dr. Mauro Amato zu den Reciproc Instrumenten oder bei FKG ZA Klaus Lauterbach zu den XP-endo Finishern zum Ausprobieren und für Expertentipps zur Verfügung. Reges Interesse galt auch dem MoraVision 3D-System bei der BDS Dental AG, bei dem direkt über einen Monitor in 3-D mit bis zu 16-facher Vergrösserung behandelt werden kann.

Prof. Dr. Serge Boulliaguet (Genf) eröffnete den Nachmittag mit „Endodontic Outcome: product or operator?“, indem er alle Erfolgsfaktoren in der Endodontie vom Gebrauch des Kofferdams über die Wirksamkeit der Spüllösungen bis zur notwendigen Aufbereitungsgrösse der verwendeten Instrumente übersichtlich darstellte und anhand der aktuell verfügbaren Studien diskutierte. Bei den refraktären Entzündungen stellen besonders die apikalen Ramifikationen, die dort zu 70 Prozent vorhanden sind, eine Herausforderung bei der Reinigung und Desinfektion des Wurzelkanals, neben schwer zu erreichenden extraradikulären Biofilmen, dar.

Thema Laser

Prof. Dr. Roland de Moor (Ghent) hielt einen der innovativsten Vorträge, indem er das Thema Laser völlig neu beleuchtete. Er gab zunächst einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten der Aktivierung von Spüllösungen von Ultraschall bis zum Laser und zeigte dann sein entwickeltes Prinzip der PIPS (Photonen induziertes photoakustisches Streaming).

Hierbei werden mit einem Er:YAGLaser kurze Impulse (50 Mikrosekunden) auf die Spüllösungen im Wurzelkanal abgegeben, die zu 3-D-Bewegungen bzw. regelrechten Shockwaves führen und dabei eine unglaublich effektive Reinigung von nicht erreichbaren Strukturen ermöglichen.

Ebenso eindrucksvoll wie die Videos dazu ist sein neuestes Forschungsgebiet, wobei Nanokügelchen als Medikamententräger oder durch Laserlicht im Biofilm aktiviert, zu dessen Zerstörung benutzt werden. Hierbei kooperiert seine Arbeitsgruppe sogar fachübergreifend mit der Dermatologie und Onkologie.

Instrumentenvergleich

Dr. Damiano Pasqualini (Turin) zeigte danach eine der besten Präsentationen zum Thema: „New instruments for shaping root canals“, wobei er aktuelle rotierende und reziproke Instrumentensysteme von der Anwendung bis zu den klinischen Daten miteinander verglich. Seine Arbeitsgruppe entwickelte dazu ein aufwendiges virtuelles Feilenmodell, bei dem Instrumentenbelastungen am Computer bestimmt und Schwachpunkte aufgedeckt werden können. Er zeigte ausserdem, wie die neuen, substanzschonenden Techniken mehr Zahnsubstanz auch im Wurzelkanal durch kleinere Taper erhalten und so auch den gefürchteten „Dentincracks“ vorbeugen und damit Wurzelbehandlungen vorhersagbarer und sicherer machen.

Prof. Dr. Phil Lumley (Birmingham) zeigte als Schlussreferent am Freitag dagegen ein eher klassisches Vorgehen bei seinem Vortrag zur Revision, indem er die altbekannten Konzepte darstellte und zusammenfasste. Der Abend klang gemütlich im kollegialen Kreis bei der Get-together-Party im Restaurant Port de Pully aus, wobei auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz kamen.

Zweiter Tag

Am Samstagmorgen sprach Prof. Dr. Tomasso Lombardi (Genf) als erster Referent über „Non-endodontic periapical lesions“, und zeigte die Bandbreite von radikulären Zysten bis zu Melanommetastasen, die im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich vorkommen können. Seine dringende Empfehlung, ausgehend von seinen klinischen Fallbeispielen und seiner Erfahrung, ist die histologische Untersuchung aller operativ entfernten Strukturen für eine genaue Diagnose. Dann folgte Prof. Dr. Jean-Yves Cochet (Paris) mit seiner lebendigen Präsentation zum Thema „Endodontisches Management von Unfallzähnen“, in der er auch mehrere Behandlungsvideos abspielte. Neben den wichtigen Sofortversorgungen mit den heutigen Möglichkeiten der Replantation, der Abdeckung der eröffneten Pulpa mit MTA und dem Einkleben von frakturierten Kronenanteilen zeigte er auch, wie eine endodontische Versorgung bei Resorptionen vor allem bei jungen Patienten den Knochen erhalten – und später für Implantate genutzt werden kann.

Prof. Dr. Pierre Machtou (Paris), der französische Altmeister der Endodontie, begeisterte das Auditorium in seinem praxisnahen Vortrag mit vielen Tipps und Tricks zur „Lokalisation, Zugang und Aufbereitung komplexer Kanalsysteme“ im Hinblick auf den Gebrauch von klassischen Stahlund neueren sowohl rotierenden als auch reziprok arbeitenden Nickel-Titan-Instrumenten. Sein Temperament und seine Begeisterung sind in all den Jahrzehnten nicht kleiner geworden, und er zeigte abschliessend zukunftsweisende einfache Aufbereitungstechniken, die sein Schüler Prof. Dr. Gassan Yared als Erfinder der reziproken Aufbereitungstechnik weiterentwickelt hat und demnächst veröffentlichen wird. Prof. Dr. Gabriel Krastl (Würzburg) referierte über die Entwicklung der „Guided Endodontics“ bei stark obliterierten Zähnen, angelehnt an die schablonengestützte und navigierte Implantologie, die vom SSE Research Fund unterstützt wurde. Eindrucksvoll, wie seine frühere Arbeitsgruppe an der Universität Basel die Idee bis zur Praxisreife entwickelt hat: vom digitalen Scan des Zahnes, über das Matchen der DVT-Daten, der Schablonenherstellung durch 3-D-Printing bis zur Miniaturisierung der Instrumente, mit der die Wurzelkanäle für die Instrumentation zugänglich gemacht werden und schlussendlich eine Wurzelbehandlung ohne zu viel Substanzverlust und mit hoher Sicherheit möglich wird.

Nachmittagssektion

Dr. Bernhard Thilo (Pully) präsentierte seine 30-jährige Erfahrung zum Thema Wurzelfrakturen in einem interessanten Vortrag mit vielen Fallbeispielen. Besonders wertvoll waren seine Praxistipps zur Sondierung der singulären Taschen, die bei Frakturen entstehen mit grazilen Nickel-Titan-Pluggern statt PA-Sonden und der korrekte Gebrauch des Tooth Slooth Instrumentes zur Rissdiagnostik beim Cracked-Tooth-Syndrom, auf das schon Prof. Zehnder am Freitag eingegangen war.

Als einzige Frau in der kompetenten Referentenrunde hielt Prof. Dr. Irena Sailer (Genf) den letzten Vortrag, bei dem sie CAD/CAM mit Metallkeramik-Restaurationen verglich, und besonders auf die Restauration wurzelbehandelter Zähne einging, die auch heute im Zeitalter der Klebetechnik noch eine grosse Herausforderung darstellten. Da bei Einzelkronen die Vollkeramik gleiche Ergebnisse wie die Metallkeramik über zehn Jahre erreicht, kann hier nach den ästhetischen Gesichtspunkten und mit minimalinvasiven Konzepten zur Substanzschonung gearbeitet werden. Bei Brücken stellt die Metallkeramik immer noch den Goldstandard dar, auch wenn die Zirkonium-Materialien immer besser werden. Sie gab eine übersichtliche Zusammenfassung aller Daten und beantwortete abschliessend noch die Fragen des Auditoriums.

Zum Ende gab es diesmal noch eine grosszügige Preisverlosung, gesponsert von den Ausstellern und der SSE, die für zufriedene Gesichter unter den Teilnehmern im Palais Beaulieu sorgte.

Foto: © Dr. Marcus Makowski
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