Branchenmeldungen 26.01.2018

30 Jahre Präparierkurse im Institut für Anatomie der Charité

30 Jahre Präparierkurse im Institut für Anatomie der Charité

Foto: Charité

Im Mai 1989 fand im Hörsaal der ersten Medizinischen Klinik der Charité der erste Kurs zur funktionellen endoskopischen Chirurgie der Nasennebenhöhlen statt. Der Kursleiter war Doz. Dr. sc. Dr. Klaus Vogt, damals erster Oberarzt der Universitäts-HNO-Klinik der Charité. Als Referenten war auch eine Gruppe von Ärzten von der Universität Graz, der „Geburtsstätte“ einer damals ganz neuen funktionellen, strukturerhaltenden Mikrochirurgie eingeladen.

Als Kursassistent hatte ich dabei das Privileg, die Gäste Prof. Heinz Stammberger, Prof. Gerald Wolf und Dr. Cornelia Loidolt in Empfang zu nehmen. Am nächsten Tag assistierte ich Prof. Heinz Stammberger bei der Auswahl der fixierten Schädelpräparate im Institut für Anatomie der Charité. Seine technisch und rhetorisch perfekte Live-Cadaver-Dissection mit Videoprojektion im großen Hörsaal war damals eine Sensation für die circa 50 Kursteilnehmer. Für mich war sie eine prägende Motivation bei der weiteren Verfeinerung und Weiterentwicklung der eigenen endoskopischen Operationstechniken.

In den nächsten Jahren organisierten wir dann unsere eigenen Kurse gemeinsam mit Prof. Dr. Oliver Kaschke, damals noch Jungfacharzt in der Charité, und in den ersten Jahren mit Dr. Rainer Loysa.

Die Vorträge fanden in den ersten Jahren im alten HNO-Hörsaal der Charité, später in den Hör- und Präpariersälen des Instituts für Anatomie statt. Ein unverwechselbares historisches Ambiente für die Präparierübungen bietet der Sternsaal, für die Vorträge und Panels der große Hörsaal und der historische Hertwig-Hörsaal. Während seiner Live-Cadaver-Dissection wies Prof. M. E. Tardy Jr. darauf hin, dass es etwas sehr Besonderes sei, Kurse zur Nasenchirurgie dort abzuhalten, wo es seinerzeit bereits Jacques Joseph, der bedeutende Pionier der modernen Nasenchirurgie, tat.

Die Teilnehmer wurden von den Kursleitern während selbstständiger Präparierübungen in die endoskopischen Operationen des Siebbeins, der Kiefer-, Stirn- sowie Keilbeinhöhle eingewiesen. Die Kurse fanden ein- bis zweimal jährlich statt und hatten mit 40 bis 130 Teilnehmern immer eine rege Beteiligung. In den Jahren 1994 und 1995 wurden erstmals neben den endoskopischen auch die äußeren Zugänge zur Stirnhöhle und vorderen Schädelbasis thematisiert.

Prof. Hans-Jürgen Gerhardt (†), ehemaliger Direktor der Universitäts-HNO-Klinik der Charité, förderte die Kurse über Jahre und ließ uns freie Hand bei deren Gestaltung. Er zeigte 1994 eine live übertragene transethmoidale-transsphenoidale Hypophysenoperation. Mein Vorgänger in Weißensee, Dr. Peter Strümpel, demonstrierte in einem zuvor angefertigten Film seine Technik der endonasalen, Sphenoidhöhlen-gestützten Pansinusoperation.

In den Folgejahren wurde von den Kursleitern immer ein nationaler oder internationaler Gastreferent eingeladen, wie z. B. Prof. Daniel Simmen (Zürich), Prof. Malte Erik Wigand (Erlangen), Prof. Werner Hosemann (Greifswald), Prof. Rainer Weber (Karlsruhe).

Herzstück des Kurses waren immer die selbstständigen Präparierübungen der Teilnehmer unter Anleitung der Referenten und Autoren. Ein besonderes Highlight waren die Demonstrationen an den Präparaten der einzigartigen Schädelsammlung des Instituts für Anatomie der Charité durch deren damaligen Direktor Prof. Dr. Johannes Staudt (†).

Nach eigenen Hospitationen und Kursaufenthalten zur funktionell-ästhetischen Septorhinoplastik bei Gene Tardy Jr., Regan Thomas und Dean Toriumi in Chicago sowie bei Gilbert Nolst Trenité in Amsterdam führten Oliver Kaschke und ich im Jahr 2003 den ersten internationalen Kongress „Essentiells of Septorhinoplasty“ mit Präparierübungen durch. 130 Teilnehmer aus 32 Ländern folgten unserer Einladung. 2005 folgte der Kongress „Nose & Face“ mit ähnlicher Resonanz.

Zum zwanzigjährigen Jubiläum 2009 öffnete sich mit „Nose, Sinus & Implants“ ein neues Zeitalter unserer Präparierkurse. Einerseits ging die Organisation und technische Durchführung in die bewährten Hände der OEMUS MEDIA AG, namentlich an Jürgen Isbaner und Sandra Otto, andererseits wurde ein modernes Podium für den interdisziplinären Dialog für die nächsten Jahre geschaffen.

Unter Leitung von Priv.-Doz. Dr. Dr. Steffen G. Köhler wurde die Schnittstelle zwischen Rhinologie und dentaler Implantologie erstmals zum Thema. Dieser Schwerpunkt wurde mit Dr. Theodor Thiele, M.Sc., M.Sc. systematisch weiterentwickelt und stellt heute einen besonderen Schwerpunkt der Kursveranstaltungen dar.

Prof. Heinz Stammberger (Graz) und Prof. Paolo Casteolnuovo (†) stellten ein Update der Rhinoneurochirurgie vor. Die Rhinoneurochirurgie ist auf Erkrankungen des zentralen Nervensystems gerichtet und nutzt dafür endonasale Zugänge sowie die für die Mikrochirurgie der lateralen Nasenwand entwickelten endoskopischen Operationstechniken.

2010 wurden die Grenzgebiete der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) zum Hauptthema. In drei Podien ging es um die Neurochirurgie und HNO. Gastreferenten waren u. a. Prof. Peter Vajkoczy (Charité, Berlin), Prof. Johannes Franz Hönig (†) (Hannover), Prof. Dr. Holger Gassner (Regensburg), Doz. Dr. Greta Nehrer (Wien), Priv.-Doz. Dr. Dr. Steffen Köhler (Berlin), Dr. Theodor Thiele, M.Sc., M.Sc. (Berlin) und Prof. K. Vinzenz (Wien). Ein Novum war die Live-Übertragung des ersten endoskopisch kontrollierten Sinuslifts.

Konsequent wurde auf den Kursen „Nose, Sinus & Implants“ 2012 und 2014 die Präparation des SMAS von Dr. Greta Nehrer (Wien) und Dr. Dr. Frank Muggenthaler (Basel) systematisch aufgebaut und gelehrt. Dabei ging es einerseits um die Voraussetzungen für die Chirurgie des Facelifts, als auch zusätzlich um die Darstellung des Nervus facialis bei der Chirurgie der Speicheldrüsen. Seit 2014 werden die endonasale und offene Rhinoplastik (Dr. Jacqueline Eichhorn-Sens, Berlin) systematisch gelehrt.

Auch 2018 halten wir wieder ein interessantes Programm für alle Interessenten bereit. Schwerpunkte werden u. a. sein: die endoskopische Chirurgie der Nasennebenhöhlen, der Sinuslift, die interdisziplinären Operationsmethoden zum Verschluss von Mund-Antrum-Fisteln, die osteoplastische Kieferhöhlenoperation, der plastische Verschluss von Septumperforationen, die biostatische Chirurgie für den Implantologen, Zugänge und Techniken der Rhinoplastik, die Präparation des SMAS und Nervus facialis.

Das Besondere der „Berliner Nasenkurse“ war eine von allen Fachverbänden unabhängige Bestimmung der Themen und eine Vertiefung von kontroversen oder „vergessenen“ Randgebieten oft im Niemandsland zwischen den Fachgebieten. Die veränderten Themen und neuen interdisziplinären Podien zeigen die rasante und dynamische Entwicklung in der operativen Medizin in den letzten Jahrzehnten.

Inzwischen zeichnen sich die Kurse durch ihren interdisziplinären Charakter, ein hohes akademischen Niveau und eine große klinische Relevanz aus. Didaktisches Ziel ist es, dem Anfänger Anleitung und Orientierung zu geben und das Bewährte zu vermitteln, ohne durch allzu viele Kontroversen zu verwirren.

Für die langjährige enge Zusammenarbeit möchte ich mich bei der Charité, den Referenten, Tutoren, Organisatoren, Sponsoren und allen Kursteilnehmern bedanken. Ein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Oliver Kaschke, Priv.-Doz. Dr. Dr. Steffen Köhler, Doz. Dr. sc. Dr. Klaus Vogt, Dr. Theodor Thiele, M.Sc., M.Sc., Dr. h.c. mult. Sybill Storz, Evelyn Heuckendorf, Eva-Maria Werner, Irmtraud Wenzel, Danilo Melis, Karola Stubbe, Sandra Otto und Jürgen Isbaner. Dem Direktorium der Charité danke ich ausdrücklich, dass sie uns über dreißig Jahre ihren „Segen“ nicht entzogen hat und uns in den ehrwürdigen und geschichtsträchtigen Sälen hat lehren, präparieren und diskutieren lassen. Das war für mich ein großer Ansporn.

Wir laden Sie bereits jetzt zu unserem nächsten Kurs am 20. und 21. April 2018 herzlich ein. In einem Festvortrag findet eine Zeitreise in die letzten 30 Jahre statt. Im Anschluss wird gemeinsam in eine vielversprechende und ereignisreiche Zukunft geblickt.

Dieser Beitrag ist im Oralchirurgie Journal 4/17 erschienen.

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper