Branchenmeldungen 30.06.2021

Als ZMP auf Teneriffa: Prophylaxe unter Palmen

Als ZMP auf Teneriffa: Prophylaxe unter Palmen

Foto: Manja Carlsson / Corey Agopian – unsplash.com

Arbeiten, wo andere Urlaub machen – klingt nach Traumjob und perfekter Work-Life-Balance, oder? Wie die Praxisrealität von ZMP und ZMV Manja Carlsson und ihrem Mann sowie Zahnarzt Thorsten in ihrer Wahlheimat Teneriffa aussieht, erzählt die 45-jährige Auswanderin im Interview.

Welche Aufgaben reizen dich an deinem Beruf besonders?

Ich mag die große Vielfalt an diesem Beruf als Zahnmedizinische Fachangestellte. Mir macht einfach alles Spaß – von der Instrumentenaufbereitung über die Assistenz, die Prophylaxe, die Materialbestellung bis zum ganzen Spektrum der Organisation und Verwaltung. Nur eines davon allein wäre mir auf Dauer zu langweilig.

Am meisten reizt mich die Assistenz. Ich liebe das harmonische Hand-in-Hand-Arbeiten, ohne dabei große Worte verlieren zu müssen und dem Patienten in der Behandlung das Gefühl von Geborgenheit zu geben. Vor allem aber mag ich die besonders kniffeligen Behandlungsfälle, also wenn es so richtig anspruchsvoll wird. Also, raus aus der Routine und mitdenken, das ist es, was ich am allerliebsten in der Assistenz mag. Aber genauso mag ich auch das Praxis- und Zeitmanagement. Mitdenken, organisieren, verwalten, um den Praxisablauf so angenehm wie möglich zu gestalten. Optimale Behandlungsabläufe, keine Wartezeiten für den Patienten – mein Mann lässt mir da freie Hand in der Planung. 

 

Trotz gut laufender eigener Praxis in Hamburg habt ihr euch für das Abenteuer Auswanderung entschieden. Von wem ging der Wunsch ursprünglich aus und warum ist deine Wahl letztlich auf Teneriffa gefallen?

Die Eltern meines Mannes verbringen die Winter aufgrund gesundheitlicher Probleme seines Vaters auf Teneriffa. Wir waren gerade mal ein Monat ein Paar und besuchten dann über die Feiertage seine Eltern dort. Mein Mann offenbarte mir seinen Wunsch nach einer Zahnarztpraxis auf Teneriffa. Auch sein Vater fand diese Idee toll. Ich dagegen zuerst überhaupt nicht. Die Insel ist ganz schön zum Urlaub machen, aber hier zu leben? Das konnte ich mir 1997 noch überhaupt nicht vorstellen.

Wir sprachen trotzdem offen über seine Wünsche und meine Bedenken. Es war damals ja auch nur so eine Idee. Und auch erst fürs Alter, mit 55 Jahren oder so. Damit war das dann erst mal vom Tisch, blieb aber immer im Kopf. Unsere Urlaube verbrachten wir weiterhin sehr gern auf Teneriffa. Es war ja praktisch und angenehm wegen des Apartments der Eltern dort. Umso häufiger wir da waren, umso mehr wurde es zweite Heimat für mich.

Wir arbeiteten die nächsten Jahre ganz normal in der Zahnarztpraxis in Hamburg weiter – mit all seinen Höhen und Tiefen, die ein Praxisalltag ebenso mit sich bringt. Wir zwei verstanden uns weiterhin sehr gut, Aufgaben und Probleme schweißten uns immer weiter zusammen. Es war auch die Zeit, wo vieles von der Gesundheitspolitik, BKZV und GKV umgestellt wurde, die BEMA/GOZ, die HKPs usw. Mit anderen Worten: Die Bürokratie wurde immer ausufernder. Die Budgetierung der erbrachten Leistungen war für meinen Mann ein Punkt der Unzufriedenheit. Personal in unserer Konstellation ist ebenfalls so ein Thema für sich. Es war immer eine Herausforderung, auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt.

Durch diese Unzufriedenheiten kam immer wieder der Wunsch auf, nach Teneriffa zu gehen – der Traum, dort nur zu zweit zu arbeiten. Frei von diesem ganzen Bürokratiewahnsinn der deutschen Gesundheitspolitik. Unser Ziel war es, sich in erster Linie wieder um die Patienten zu kümmern und den Beruf wirklich freiberuflich auszuüben. Genauso, wie wir es jetzt auch machen: Für jeden einzelnen Patienten die individuell beste Lösung suchen, dafür eng mit dem zahntechnischen Labor zusammenarbeiten, flexibel in den Arbeitszeiten je nach Patientenaufkommen reagieren usw.

Natürlich waren auch die trüben, nasskalten Winter ein Grund mehr, die uns letztendlich in Richtung Sonne ziehen ließen.

Wie hast du dich auf dein neues Leben vorbereitet?

Wie heißt es immer so schön: Am Anfang steht immer die Idee. Und man verändert nichts, wenn man zufrieden ist. Und somit wussten wir, auf was wir alles Acht geben sollten. Wir ließen uns genug Zeit und redeten viel über unsere Idee, eine Zahnarztpraxis auf Teneriffa gründen zu wollen, dort zu arbeiten und zu leben.

Für das Leben und Arbeiten auf der Insel war es mir wichtig, diese auch schon zu kennen. Vor allem mit der kanarischen Mentalität klarzukommen. Somit haben wir die letzten Urlaube damit verbracht, im Sinne der Praxisgründung zu recherchieren, was alles notwendig sein wird. Besonders wichtig waren die Anerkennung der Approbation und damit die Zulassung, als Zahnarzt auf Teneriffa tätig sein zu dürfen. Solche Behördengänge inkl. Übersetzungen nehmen sehr viele Monate Zeit in Anspruch.

Was die Vorbereitung zur Praxisgründung anbelangt, glaube ich, dass mir meine ganzen Ausbildungen (ZFA, ZMP, ZMV) von großem Vorteil gewesen sind. Grundvoraussetzung war für uns auch, einen optimalen Standort für unsere deutsche Zahnarztpraxis auf Teneriffa zu haben.

Und auch genauso wichtig war für uns, ein Netzwerk aufzubauen. Dazu gehörte als wichtigster Punkt, ein zahntechnisches Labor auf der Insel zu finden, welches unserem Qualitätsstandard entspricht. Ebenso mussten wir herausfinden, wie die behördlichen Auflagen sind. Wo bestelle ich die Dentalprodukte? Wer richtet uns die Zahnarztpraxis ein? Wer macht den Umbau entsprechend der Auflagen?

Und zu allerletzt ist es Grundvoraussetzung, dass wir gut spanisch verstehen und sprechen können.

Hattest du bereits über genügend Sprachkenntnisse?

Das typische Touri-Spanisch für Essen gehen und Shoppen konnten wir ja schon. Als unsere Idee mit der Zahnarztpraxis auf Teneriffa immer mehr zum Wunsch wurde, habe ich großen Wert darauf gelegt, diese Sprache so schnell wie möglich richtig zu erlernen.

An der Hamburger Volkshochschule absolvierten wir unsere Intensivkurse zügig bis zum B1 Sprachzertifikat bei einer Muttersprachlerin. Damit kann man zwar mit Händen und Füßen schon recht gut kommunizieren, aber gerade für Behörden ist das nicht ausreichend.

Deshalb haben wir auf Teneriffa die ersten Jahre im Einzelunterricht weiterhin intensiv Spanisch gelernt. So konnten wir gezielt genau auf die eigenen Bedürfnisse angepasst Spanisch lernen und erreichten so Sprachkenntnisse auf C1-/C2-Niveau.

 

Mittlerweile ist im europäischen Ausland für die Arbeit im Medizinsektor auch das europäische Sprachzertifikat C1 Voraussetzung.

Was waren deine größten Befürchtungen und Hoffnungen, als du nach Teneriffa kamst?

Eine gut laufende Praxis aufzugeben und neu anzufangen, ist schon ein großer Schritt. Es hatte aber auch schon einen gewissen Reiz. Die Befürchtung, dass alles nicht so wird, wie erhofft, ist natürlich dabei gewesen, der Sprache nicht mächtig genug zu sein, dass die Praxisgründung vielleicht doch nicht klappt – was sich zwischendrin auch schon mal durch Probleme mit dem Umbau abzeichnete. Zudem sind die Freunde in Deutschland und eben nicht auf Teneriffa. Alles ist anders, alles ist neu.

Meine größte Hoffnung war ein Arbeitsleben freier von Bürokratie. Wieder mehr Zeit für den Patienten und seine Bedürfnisse zu haben. Und vor allem wieder in allen Bereichen der Zahnmedizin tätig sein zu können – von Assistenz bis zur Verwaltung – in entspannter Atmosphäre.

Wie verhielt es sich mit der Anerkennung deiner deutschen Ausbildung in Spanien?

Ich hatte Glück. Ich brauchte keine Anerkennungen meiner Qualifikationen. Die Übersetzung zur ZMP war ausreichend. Die Anerkennung zur ZMV war nicht notwendig. Das Ausbildungssystem in Spanien weicht völlig vom deutschen ab, die Ausbildung muss z.B. selbst finanziert werden.

Zahnärzte müssen ihre Approbation anerkennen lassen und sich in der Zahnärztekammer einschreiben. Jedoch musste mein Mann die Röntgenprüfung auf Spanisch wiederholen, da diese in Spanien kein Teil des Studiums war. Und solange wurde auch das Röntgengerät von der Behörde gesperrt. Manche seiner deutschen Kollegen brauchten mehrere Anläufe. Das waren schon sehr nervenaufreibende vier Tage.

Wie verlief der Prozess der Praxisübergabe in Hamburg?

Anders als geplant. Die Praxisübergabe in Hamburg sollte eigentlich schon im März 2007 passieren. Allerdings kam der Nachfolger nicht so schnell aus seinem Vertrag in der alten Praxis raus. So war die Übergabe erst Ende September. Was für uns von Nachteil war, da wir den Sommer für die Neugründung nutzen wollten. Allein schon deshalb, weil die Wintersaison die Hauptsaison ist. Der Nachfolger war im August für zwei Wochen in der Praxis, um einen Einblick in unsere Abläufe in Behandlung und Rezeption zu bekommen. Auch, um schon seine zukünftigen Patienten und das Praxisteam kennenzulernen. Im September arbeitete ich dann meine Nachfolgerin für die Rezeption ein. Was sich als schwieriger herausstellte als gedacht, da sie aus einer reinen CMD-Privatpraxis kam, absolut keine Ahnung von jedweder BEMA-Abrechnungsmodalität hatte und ihr auch jegliche Ambitionen dazu fehlten.

Zum Abschied machten wir mit unseren Mädels nochmal einen Betriebsausflug. Ja, und nur eine Woche später flogen wir nach Teneriffa. Die Umzugskartons waren schon auf hoher See im Containerschiff.

Was waren die größten Hürden/Schwierigkeiten/Überraschungen bei der Auswanderung?

Voller Euphorie kamen wir auf Teneriffa an. Wir gingen gleich zur Praxis, um zu schauen, wie der Praxisumbau in unserer Abwesenheit geworden ist. Der Schock war riesengroß, denn es war noch eine totale Großbaustelle: Wände, Fensterrahmen und Türen waren draußen. Der Boden für Leitungen aufgerissen. Es war wirklich reif fürs Fernsehen. Und nun wurde mir klar, was José – der den Umbau leitete – meinte mit „August ist August“. Das heißt also, im August passiert hier auf Teneriffa gar nichts. Das war der Nachteil, dass wir nicht schon im Sommer vor Ort sein konnten. Und Videotelefonie war 2007 wie in der heutigen Form auch noch nicht möglich.

Der Praxisumbau hat uns ganz schön viel Nerven und viel mehr Geld gekostet, als veranschlagt. Das Wort „mañana“ (morgen) konnte ich schon nicht mehr hören. Aber noch schlimmer war „in zehn Tagen“. Das bedeutet so viel wie, am Sankt-Nimmerleins-Tag … Wer da nicht mit starken Nerven gemeinsam durchgeht, hat echt verloren.

Es waren drei nervenaufreibende Monate mit Umbau, bis die Praxis endlich Ende Dezember komplett eingerichtet war. Jeden Morgen standen wir auf dem Bau und waren gespannt, ob die Bauarbeiter da waren oder auch nicht – ein ständiges Hinterhertelefonieren und Kontrollieren.

Spannend war auch, ob die ganze Praxiseinrichtung wie Behandlungszeile und -stuhl rechtzeitig vom spanischen Festland bzw. sogar aus Deutschland geliefert wurden. Teneriffa ist Zollausland und dementsprechend zeitaufwendig ist die Zollabwicklung, besonders zwischen den Feiertagen.

Die wichtigste Abnahme ist die der Gesundheitsbehörde. Zwischen den Feiertagen passierte gar nichts, und außerdem ist nur eine Sachbearbeiterin für mehrere Inseln zuständig. Durch unsere guten Vorbereitungen waren auf Anhieb alle Auflagen erfüllt und wir bekamen sofort eine Genehmigung von der Gesundheitsbehörde. Das war wohl so außergewöhnlich, dass sich die Sachbearbeiterin für die Revisionskontrolle, die alle zehn Jahre stattfindet, immer noch an uns erinnern konnte.

Aber auch Genehmigungen von weiteren Behörden waren noch notwendig. Schon während des Umbaus kamen ständig Behördenbriefe als Einschreiben. Diese Behördenbriefe waren nicht zu entziffern. Selbst der Sachbearbeiter wusste auf Nachfrage oft nicht, was der Inhalt bedeutet, und musste erst auf seine Notizen schauen. Es war echt spannend.

In Spanien sind es teils ganz andere Behörden, als wir es in Deutschland kennen, die dort zuständig sind. Hier lernt man wirklich, flexibel zu werden, wenn man nicht aufgeben will.

Gleichzeitig benötigt man eine Eröffnungslizenz vom Ayuntamiento (Rathaus). Diese Behörde arbeitet aber so langsam, dass man zeitgleich mit der Beantragung trotzdem schon mal anfangen kann. Ach ja, so langsam, dass wir doch jetzt tatsächlich nach 13 Jahren (!) diese Eröffnungslizenz endlich erhalten haben. Und das in der Pandemie!

Es gab damals auch keine freien Festnetztelefonnummern mehr. Ein absolutes No-Go für eine Neueröffnung. Nach täglichen Anrufen bei der Telefongesellschaft „Movistar“ und der Einstufung als „schwieriger Kunde“ haben wir am 26. Dezember 2007 zur Eröffnung endlich unsere Festnetznummer für die Praxis erhalten. Privat haben wir übrigens neun Monate auf einen Telefonanschluss mit Internet warten müssen.

Überrascht hat mich, dass es in Spanien keinen Hygieneplan gibt. Das Röntgengerät wird regelmäßig von der Strahlenschutzbehörde kontrolliert. Genauso verhält es sich mit den Feuerlöschern. Ein eigenständiges Austauschen, wenn die abgelaufen sind, gibt es nicht. Und so geht es weiter. Es ist sehr vieles anders und darauf muss man sich erstmal einlassen.

Wurdest du mit offenen Armen empfangen oder gab es Vorbehalte seitens der Einheimischen?

Ganz klar gesagt: Nein. Wer glaubt, alle warten auf einen, der irrt gewaltig. Ins Ausland zu gehen, bedarf sehr viel Vorbereitungszeit sowie Recherche, man muss der Sprache mächtig sein und ein gutes finanzielles Polster haben.  

Vorbehalte gab es allerdings auch keine. Zumindest empfinden wir es so. Hier läuft vieles anders, als man es aus Deutschland kennt. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Viele Auswanderer schimpfen und meinen, das machten sie nur mit Ausländern. Das stimmt aber nicht. Die Mentalitäten, Behörden und Abläufe sind hier eben anders. Man darf nie vergessen, dass man nicht in Deutschland ist. Hier sind Flexibilität und Anpassung gefragt.

Die Einheimischen finden wir nett und sympathisch. Wir respektieren ihre Mentalität und passen uns ihren Gewohnheiten entsprechend an.

Wie verlief der Praxisstart auf der Insel?

Wir waren stolz und erleichtert, als wir endlich alle Hürden zur Praxiseröffnung gemeistert hatten. Das Terminbuch füllte sich schneller als gedacht. Allerdings fliegen die meisten im März/April zurück nach Deutschland, um dort den Sommer zu verbringen.

Ab Herbst hatten wir dann eine sehr gut laufende Praxis. Unsere Patienten sind zum größten Teil deutschsprachige Patienten (Deutschland, Österreich, Schweiz) der älteren Generation, die ihren Lebensabend auf Teneriffa verbringen. Aber auch Engländer, Italiener, Skandinavier, … und natürlich Einheimische kommen zu uns. Aber nicht nur das. Deutsche Patienten wohnen auch auf den kleineren Nachbarinseln La Gomera, La Palma und El Hierro und kommen mit Flugzeug oder Fähre dann zu uns. Selbst deutsche auf Teneriffa lebende Künstler, Musiker, Schauspieler und andere prominente Personen sind Patienten bei uns.

Es ist eine sehr spannende Mischung nicht nur aus verschiedensten Nationalitäten. Auch die verschiedenen Charaktere der Patienten aus Nord- bis Süddeutschland sind interessant, zu beobachten. Die Norddeutschen ticken doch anders als die Kölner, die Schwaben oder die Bayern. Das finde ich schon faszinierend. Ebenso mal in Deutsch, Spanisch oder Englisch reden zu müssen.

Und was gehört heute zu deinen täglichen Aufgaben in der Praxis?

Das werde ich sehr oft gefragt. Kurz gesagt: „Ich mache alles, außer bohren.“ Dadurch, dass wir nur zu zweit arbeiten, ist für mich der Praxisalltag ein etwas anderer. Aber so wollte ich es ja auch. Gleichzeitig für Assistenz, Empfang mit Telefon, Abrechnung und Hygieneaufbereitung und Prophylaxe da zu sein, erfordert ein gutes Praxis- und Zeitmanagement. Entsprechend oft haben wir unser Praxiskonzept den Gegebenheiten angepasst. So zum Beispiel arbeiten wir nun ohne Pause fünf bis sieben Stunden durchgehend, je nachdem, wie viel zu tun ist. Eine Mittagspause hat sich hier einfach nicht bewährt. Während der Behandlung läuft oft der AB.

Die Prophylaxe dabei unterzubringen, ist in manchen Monaten schon eine wahre Herausforderung. Während ich die Prophylaxe durchführe, übernimmt mein Mann dann Rezeption und Telefon. Er hofft zwar immer auf eine kurze Ausruhpause, aber meistens klappt das nicht.

Den Praxis-PC nehme ich nach Praxisschluss mit nach Hause, um von dort weiterarbeiten zu können. Im Homeoffice kümmere ich um die Verwaltung und Abrechnung wie Zahlungsverkehr, Buchhaltung, usw. Ich bereite auch die Behandlungspläne inkl. Abrechnung schon mal vor, plane ZE-Behandlungen, telefoniere ggf. mit Patienten usw.

Was sind die größten Unterschiede innerhalb des Praxisalltags zwischen Deutschland und deinem Auswanderland?

Große Unterschiede gibt es nicht wirklich im Praxisalltag. Wir wollten alles ein bisschen lockerer, entspannter und moderner gestalten. In Hamburg hatten wir noch mit Karteikarten gearbeitet. Mit Beginn auf Teneriffa lief alles digital, inkl. Bestellbuch und Röntgen.

Doch eines ist ungewohnt anders: Die Insel ist doch mehr wie ein Dorf. Die Terminvergabe findet nicht nur in der Praxis statt, sondern auch unterwegs. Auf der Straße, beim Einkaufen, etc. sprechen Patienten uns an: „Wo ich Sie gerade sehe! Ich brauche mal wieder einen Termin. Können Sie mir gleich einen geben?“, ist keine Seltenheit. Dank Smartphone alles machbar. Und E-Mail, SMS und andere Messengerdienste toppen das Ganze. 

Prinzipiell ist Zahnmedizin in Spanien keine Kassenleistung. Somit sind wir eine reine Privatpraxis. Am Ende jeder Behandlung werden die erbrachten Leistungen auch gleich abgerechnet und der Patient muss diese sofort bezahlen. Die Rechnung zählt hier gleichzeitig als Quittung. Spannend ist es auch, wenn Patienten mit begonnenen Behandlungen aus anderen Ländern zu uns kommen, die nicht unterschiedlicher sein können. Oder wenn Patienten Probleme mit Implantaten haben, aber unklar ist, welches System das ist. Manche Ausführungen von Zahnersatz und Implantaten sind so skurril, dass man ein Buch darüber hätte schreiben können.

Ständig muss man auch zwischen den Sprachen hin und her switchen. Spannend wird es, wenn Franzosen weder Englisch noch Spanisch können und wir so gut wie kein Französisch.

Unsere Rentner haben hier wohl oft zu viel Zeit, denn sie sind gerne schon mal mehr als 30 Minuten, manchmal sogar eine Stunde vor ihrem Termin da – zum Quatschen mit anderen Patienten oder einfach mal, um in Ruhe eine deutsche Zeitschrift lesen zu können. Für die Begleitung geben wir gerne auch mal einen Espresso aus. Patienten wollen uns auch des Öfteren mal privat zum Essen einladen, was wir aber nicht annehmen. Nette Touristen bekommen ein paar Tipps für ihre Ausflüge auf Teneriffa.

Muss der Behandlungsstuhl bzw. Autoklav oder die Absauganlage vom Techniker gewartet oder repariert werden, so passiert das problemlos und schnell. Je nach Situation sofort, nach Praxisschluss oder in unserem Urlaub. Man kennt sich hier und der Techniker hat einen Schlüssel, kann somit flexibel in die Praxis kommen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Dentallabor?

Das zahntechnische Labor, mit dem wir zusammenarbeiten, ist gleich im Nachbarort. Der Chef ist auch ein Deutscher. Was uns hier richtig gut gefällt, ist die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit, das Mitdenken, die Qualität und der Teamgeist. Der Kontakt ist persönlicher und vertrauter, als man es aus Deutschland kennt. Telefonate zu Zahnersatzarbeiten finden auch mal abends oder sogar am Wochenende statt.

Vieles ist deutlich unkomplizierter, z.B. ist die Übergabe der Zahnersatzarbeiten hier ganz einfach – wenn nicht in der Praxis, dann zu Hause, im Labor oder unterwegs beim Tapas essen, etc.

Die Wintermonate sind häufig eine Herausforderung für alle, da die Patienten ja meistens schon einen Abreisetermin haben. Deshalb backe ich auch des Öfteren mal einen Kuchen fürs Labor als Dankeschön. Die Einheimischen stehen voll auf deutschen Kuchen. Zu Weihnachten gibt es Lebkuchen vom Blech, aber auch Quark- und Butterkuchen, Bienenstich und Franzbrötchen – alles typisch Norddeutsch – werden mit voller Begeisterung gegessen. Das absolute Highlight bleibt aber meine Caipirinha-Torte.

Worin liegen für dich konkret die Vor- aber auch Nachteile am „Arbeitsplatz, wo andere Urlaub machen“?

Schwer zu sagen. Es ist einfach anders hier. Patientenrechnungen werden sofort nach der Behandlung erstellt und bezahlt. Das erfordert eine schnelle fehlerfreie Leistungseingabe während der Behandlung. Dafür gibt’s eben keine Abrechnungen mit der KZV usw. Also keine Quartals-, ZE- und KBr-Abrechnungen. Und alles andere an Auflagen/Veränderungen wie die Laborrechnungen und die eGKV bleiben uns zum Glück erspart.

Man muss flexibel auf die unterschiedlichsten Mentalitäten in verschiedensten Sprachen eingehen. Urlauber mit Beschwerden kommen gerne ohne Termin und stehen schon vor Praxisbeginn in der Tür. Einheimische nehmen es oft nicht so genau mit der Uhrzeit. Das erfordert oft ein geduldiges, aber konsequentes Terminmanagement.

Es gibt keine Notdienstversorgung, wie man es in Deutschland kennt. So sind wir für unsere Patienten bei Bedarf auch am Wochenende da. So ist es oft schwierig, die Balance zwischen Arbeit, Familie und Freizeit zu finden.

Materialbestellungen sind hier auch eine echte Herausforderung, allein schon wegen der aufwendigen Zollabwicklung, unbekannten Lieferzeiten und reduziertem Materialangebot. Mal fix etwas bestellen, weil man verpasst hat, es rechtzeitig zu erledigen, funktioniert hier nicht. Bestellungen werden auch nicht immer ausgeliefert. Manche liefern auch nicht auf die Kanaren, Vorausplanen für die Hauptsaison ist also immer eine Herausforderung.

Wiederum machen die lockere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem zahntechnischen Labor und dem Dentalausrüster das Arbeitsleben hier so außergewöhnlich smart und unkompliziert.

Für qualitativ anspruchsvolle Kongresse und Fortbildungen fliegen wir bevorzugt nach Deutschland. Auch der Erfahrungsaustausch mit deutschen Kollegen ist uns sehr wichtig, da die Mehrheit unserer Patienten ja auch aus Deutschland kommt. Und diese Zeit verbinden wir sehr gerne mit Urlaub in der Heimat.

Familie und Freunden machen oft bei uns Urlaub. Sie gehen an den Strand und wir arbeiten. Das ist der Unterschied, den ich aber nicht als Nachteil sehe.

Was mir gefällt, ist das Mehr an Licht im Winterhalbjahr und die angenehmen Frühlingstemperaturen. Abends einfach mal kurz die Meeresluft zu schnuppern, draußen sitzen zu können und ein paar Tapas zu essen sowie die Natur auch im Winter genießen zu können – das macht das Leben hier so wertvoll.

Wie würdest du deine Work-Life-Balance auf Teneriffa im Vergleich zu Deutschland beschreiben?

Ein geregelteres, ausgeglicheneres Arbeitsleben hatte ich in Deutschland – ohne Frage. Auf Teneriffa sind gerade die Wintermonate doch recht arbeitsintensiv, sodass kaum Raum für Freizeit bleibt. Im Sommer hingegen ist es viel entspannter. 

Am schnellsten finde ich meine Balance, wenn ich Zeit zum Fotografieren haben. Ich setze mich mit dem Makroobjektiv auf eine Blumenwiese und tauche in meine Welt ein, Kleines ganz groß zu sehen. Auch die urbane Nachtfotografie ist schön: mit Kamera und Stativ die Lichter der Stadt in Langzeitfotografie einzufangen und um mich herum dreht sich die hektische Welt. Sobald ich auf Teneriffa den Sternenhimmel fotografiere, vergesse ich alles andere um mich herum. Man muss nur die Zeit dazu finden.

Ansonsten finde ich auch meinen Ausgleich in der Gartenarbeit auf der Terrasse. Hier habe ich mein kleines Naturparadies mit Blümchen, Gartenkräutern und verschiedenen Zitrusbäumchen.

Mit dabei ist immer die Seidenpflanze. So kommen permanent die Monarchfalter, um ihre Eier abzulegen. Daraus kommt die kleine Raupe Nimmersatt und frisst die Blätter weg, verpuppt sich und wird wieder zum Schmetterling. Es ist ein wunderbares Naturschauspiel, was uns immer wieder total begeistert.

Ansonsten backe ich sehr gerne Kuchen oder Brot mit selbstgemachtem Sauerteig. Und wenn etwas mehr Zeit ist, dann lese ich auch mal ein Buch. Oft sitzt dann auch eine unserer zwei Katzen bei mir.

Ab und an machen wir gerne mal einen Ausflug in die Berge. Besonders spannend ist es, wenn es geschneit hat. Oder wenn die endemischen Pflanzen von April bis Juni das sonst so karge Gestein mit bunten Blumentupfen schmücken, ist es immer wieder ein absolutes Highlight, in die Berge zu fahren.

Welche Auswirkungen hatte/hat die Corona-Pandemie auf deinen Praxisalltag?

Die Pandemie hat uns März 2020 sehr hart getroffen. Schon Tage von dem Lockdown kamen gefühlt stündlich COVID-19-Mails von der spanischen ZÄK, die nichts Gutes ahnen ließen. In Madrid waren die Krankenhäuser komplett überfüllt, sodass schon zwölf große Hallen als Feldlager für die COVID-19-Erkrankten genutzt wurden. Das waren reinste Schreckensbilder.

Am Freitag, den 13. März 2020, kam nachmittags die Mail, dass alle Praxen sofort schließen müssen und ganz Spanien für 14 Tage in den Lockdown geht. Keiner durfte ohne triftigen Grund mehr vor die Tür gehen. Aus dem normalen Leben komplett von jetzt auf gleich rausgerissen. Alle Behandlungen absagen, kein Geld verdienen, nicht wissen, wie es weitergeht. Mich persönlich hat die erste Welle sehr mitgenommen. Das war schon echt hart.

Mit Militär und Helikoptern wurde alles kontrolliert und bestraft, was ohne triftigen Grund auf der Straße war. Die Straßen und Autobahnen wurden komplett abgeriegelt. Es waren schon echt kriegsähnliche Zustände auf Teneriffa. Sämtliche Touristen wurden innerhalb einer Woche mit Militäreinsatz aus allen Hotels geholt und in die Flieger gesetzt. Nach der ersten Lockdown-Woche wurde der Flughafen ohne Ankündigung gesperrt. Meine Schwiegereltern sind mit dem letzten offiziellen Flieger nach Hamburg geflogen.

Patienten durften nur in ernsthafter Notsituation behandelt werden. Die vorgeschriebene Schutzausrüstung dazu gab es natürlich nicht. Und jeder Notfallpatient brauchte von uns eine schriftliche Erklärung für die Straßenkontrollen. Aus 14 Tagen wurden dann ganze drei Monate. Gesundheitsbehörde und Kammer in Spanien gaben klare Ansagen, wann wie und ob überhaupt gearbeitet werden durfte.

Dann kam zum Winter 2020 die zweite Welle. Spanien verhängte Anfang Dezember für sechs Monate eine erneute Notstandsregelung, dazu zählte auch die nächtliche Ausgangssperre. Wöchentlich wurden die Inseln in die entsprechenden Alarmstufen 1 bis 4 eingeteilt. Damit waren die Regeln für alle klar definiert und vieles auch gut nachvollziehbar.

In Spanien besteht in allen medizinischen Einrichtungen generelle Mundschutzpflicht. Wer das nicht akzeptierte, durfte ohne Ausnahme auch unsere Praxis nicht betreten. Wir passten unser Hygienekonzept der Pandemie-Situation entsprechend an: nur ein Patient in der Praxis, die gesamte Zeit mit weit geöffneten Fenstern behandeln, 10 bis 15 Minuten Lüftungspausen, auch um mal selbst die vorgeschriebene FFP2 Maske abnehmen zu können. Jeder Patient musste sich die Hände reinigen, desinfizieren, mit einer viruziden Jodspüllösung gurgeln. Alles was Aerosole verbreitet, sollte vermieden werden. Behandlungen wurden auf das Notwendigste reduziert.

Viele Patienten, die im ersten Lockdown hier festhingen (trotz Rückholflieger), kamen die letzte Saison nicht. Überhaupt viele Winterresidenten kamen nicht oder flogen schon zum Jahresbeginn wegen der Impfung zurück.

Wurdest du schon geimpft? 

Die Impfungen für das zahnmedizinische Personal ist hier von der Zahnärztekammer Teneriffas organisiert worden. Wer wollte, konnte sich Anfang Februar in die Liste eintragen.

Dann kam Ende Februar ein kurzfristiger Anruf/eine SMS mit Datum, Uhrzeit und Ort, wo man zur Impfung zu erscheinen hat. Eine Änderung war nicht möglich. Es gab eine kurze Kontrolle, ob du auf der Liste stehst. Hinsetzen und Piecks. Beim Piecks kam die Info über Impfstoff inkl. Nebenwirkungen. Pflaster drauf, 15 Min. auf dem Gang warten, fertig.

Den gelben Impfpass kennen die Spanier nicht. Stattdessen wird es dann nachträglich per Hand von der SCS (Gesundheitsservice) in deine digitale Akte eingetragen. Hier ist nun auch der digitale Reise-Impfnachweis bereits enthalten.

Von Heimweh bis Kulturschock: Kamen dir schon einmal Zweifel an deiner Auswanderung und wäre für dich eine spätere Rückkehr nach Deutschland noch denkbar?

Also während der Umbauphase haben wir uns schon des Öfteren gefragt, ob das wirklich alles so richtig ist – keine Frage. Aber nein, wir haben es nie bereut. Auch wenn manche Dinge hier schwerfälliger sind als in Deutschland. Dafür sind andere wieder umso leichter.

Und ganz ehrlich: Ohne Hamburg geht es auch nicht, ansonsten bekommt man einen Inselkoller. Wir haben ein kleines Häuschen im Grünen in Hamburg zusammen mit den Schwiegereltern. Es war für mich Voraussetzung, dieses Zuhause nie aufzugeben. So erfreuen wir uns, unseren Urlaub jeden Sommer in der alten Heimat zu machen und Familie und Freunde wiederzusehen. Angedacht ist, dass wir auch später im Ruhestand – wie die Winterresidenten – den nasskalten Monaten entfliehen und diese auf Teneriffa verbringen werden. Aber ich vermisse auch schon manchmal den Frühling in Hamburg.

Selbst an Kultur fehlt es auf Teneriffa nicht. Das Auditorium in Santa Cruz hat ein vielfältiges Angebot an internationalen Konzerten, welche sehr gerne besucht werden. Es gibt auch viele international gefragte Musikkonzerte im Süden Teneriffas und natürlich vieles mehr.

Teneriffa und Deutschland – beides finde ich sehr schön. Ich denke, die Abwechslung macht es erst richtig interessant, so kommt eher Vorfreude statt Heimweh auf.

Was war das skurrilste Ereignis seit der Auswanderung?

Das Gesundheitssystem in Spanien besteht aus einer Bürgerversicherung. In den staatlichen Gesundheitszentren werden z. B. auf Krankenkassenkosten Zähne nur extrahiert. Dafür benötigt man einen Termin mit sechs bis acht Wochen Vorlaufzeit und es stehen dafür dann auch nur zehn Minuten pro Patient an Zeit zur Verfügung. Ansonsten gibt es einen neuen Termin in sechs bis acht Wochen. Gegebenenfalls bekommt der Patient dort noch Antibiotikum und Schmerztabletten verschrieben. Heftig war es einmal, als ein Patient hilfesuchend zu uns kam. Er war am Tag zuvor beim spanischen Zahnarzt (Empfehlung vom Hotel) und dort wurde seine gelöste Teleskopkrone rezementiert. Aber leider nicht nur die Innenkrone auf den Zahnstumpf, sondern auch die Innen- mit den Außenteleskopen.

Das erste, was man auf Teneriffa lernt, ist geduldig, dann flexibel sein und sich an die Gegebenheit gewöhnen. Wenn aber in den Sommermonaten von Juni bis September die Behörden inkl. Post nur nach „horario de verano“ (Sommeröffnungszeiten) arbeiten, sodass allerspätestens 14 Uhr alles zu ist, dann führt das doch schon zum amüsierten Kopfschütteln. Im August sind Behörden und Gerichte kaum bis gar nicht erreichbar.

Das Amüsanteste war wirklich die Eröffnungslizenz vom Rathaus nach fast 14 Jahren seit Beantragung. Für die Bearbeitung der Vorgänge nehmen sich die Behörden gerne mehr als sehr viel Zeit, manchmal sogar Jahre – egal, wie sehr die Zeit drängt. Aber dann, wenn du Post bekommst, hast du nur ganze zehn Tage Zeit und sie drohen gleich mit harten Strafen im Vorhinein, wie z.B. einer Praxisschließung, wenn du nicht innerhalb dieser Frist antwortest.

Der persönliche Postbote/Austräger vom Rathaus ist auch Patient bei uns. Den frage ich dann immer ganz amüsiert, in welcher Funktion er heute bei uns in der Praxis steht. Als Patient oder im Auftrag des Rathauses?

Das Antikorruptionsgesetz in Spanien erlaubt keine Anstellung von Familienangehörigen mehr, da diese oft (es gab mehrere Skandale bei Politikern) nicht wirklich gearbeitet hatten. An sich richtig so, aber somit war ich dann auch keine Angestellte mehr. Nun bin ich „mitarbeitende Ehefrau“ und werde als „autonomo“ (selbstständig) eingestuft, obwohl ich nachweislich arbeite. Also, Arbeit ist mein Hobby (lacht).

Sprachliche Gegebenheiten und Floskeln wie Feierabend, Vorfreude ist die schönste Freude oder Frosch im Hals gibt es nicht. Als ich mal zu meiner Freundin „blauer Fleck“ wortwörtlich in „mancha azul“ übersetzte, fing sie laut an zu lachen und meinte, dass hört sich an wie bei den Indianern. Sie nennen das einfach nur „Hämatoma“. Dafür findet sie das Wort Spitzbube wiederum ganz lustig. So haben wir schon viel über die Unterschiede gelacht.

Und man fängt an, die Sprachen zu mischen. Besonders dann, wenn ein deutsches Wort zu lang ist, benutzt man das spanische dafür. Die Bewässerung ist die Riego, die Fernbedienung ist die Mando und der Kugelschreiber der Boli.

Was magst du besonders gern auf der Insel Teneriffa?

Schnee gibt es hier recht selten oben in den Bergen. Somit ist dieses Schneevergnügen ein absolutes Highlight. Die Einheimischen rutschen dann mit Bodyboards, der silbernen Sonnenschutzabdeckung für Autofrontscheiben, oder einfach nur mit gefüllten Plastiksäcken die Berghänge voller Freude runter.

Ich selbst mag die Kastanienzeit. Heiße Maronen direkt vom Kastanienfeuer gibt es dann an jeder Straßenecke zu kaufen. Im Sommer frisch gefangene Camarones mit einem Gläschen Weißwein von der Insel im Hafen genießen zu können. Das ist dann für mich wie Urlaub.

Da ich ein Naturfreund bin, mag ich am liebsten die Zeit von April bis Juni, wenn alles so kräftig intensiv blüht, vor allem oben in den sonst so kargen Bergen. Endemische Pflanzen kommen zum Vorschein, die man so noch nie zuvor gesehen hat. Die Tajinasten wachsen mehr als zwei Meter hoch.

Die Sonnenuntergänge sind oft ein wahres Naturschauspiel, aber auch gewisse Wetterphänomene sind hier spannend anzusehen. Wenn der Teide zum Abend für einen kurzen Moment einen Schatten über die Insel wirft, ist es einfach atemberaubend schön, hier sein zu dürfen.

Unglaublich faszinierend ist auch der Sternenhimmel auf Teneriffa. Oben in den Bergen auf 2.200 Metern Höhe bei Neumond ist es einfach ein unbeschreibliches schönes Gefühl, den Sternen zum Greifen nah zu sein. 

Welchen Ratschlag hast du für zukünftige Auswanderer?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Auswandern hat seinen Reiz, wenn man Veränderungen mag und Neues erleben möchte. Mein größter Ratschlag ist, nichts zu überstürzen und nicht blauäugig an die Sache heranzugehen. Es gibt ein paar grundsätzliche Dinge, welche beachtet werden sollten.

Die Sprache wirklich gut sprechen zu können, ist sehr wichtig, sonst scheitert man schon daran. Aber auch mit der Mentalität der Einheimischen klarzukommen, ist sehr wichtig. Diese Integration erfordert oft sehr viel Geduld, Verständnis und auch Flexibilität, die nicht zu unterschätzen ist.

Wer mit beiden Füßen fest im Leben steht und sich dem Abenteuer hingeben möchte, da sehe ich keine Bedenken. Solche Leute wissen, auf was sie sich einlassen. Wer vor sich selbst flieht, sollte es lieber bleiben lassen. Anders gesagt: Wer auswandert, muss sich bewusst sein, dass sie/er erstmal jede Menge Hürden nehmen muss und keiner auf einen wartet. Vor allem als Paar muss man wirklich zusammenhalten und gemeinsam Probleme lösen können. Man braucht extrem viel Kraft und Energie, gerade in der Anfangszeit, um alles zu meistern. Auch sollte man genug Taler als Notgroschen beiseitegelegt haben.

Vor allem sollte man sich immer die Frage stellen: Was ist, wenn ich meine Stelle im Ausland verliere? Was ist, wenn ich krank werde? Ich möchte niemandem den Mut nehmen. Es muss einfach nur gründlich durchdacht sein. Eine Idee wäre, vielleicht nicht sofort alles in Deutschland aufzugeben, sondern erstmal eine kleine möblierte Wohnung im Ausland zu mieten und zu schauen, ob es auch wirklich so ist, wie man es sich vorgestellt hat. Ein Jahr ist immer so ein Zeitraum, in dem sich herausstellt, ob Traum und Realität zusammenpassen.

Man muss sich aller Konsequenzen bewusst sein. Auch, dass man hier alles aufgibt. Denn nur der schöne Sonnenuntergang am Strand kann es nicht sein und neue wahre Freunde findet man auch nicht so schnell.

Was sind deine nächsten Ziele/Pläne?

Mein aktuelles Ziel ist das, was wir alle wollen – die Spuren der Pandemie abzustreifen und auf ein baldiges Zurück in die gewohnte Normalität hoffen sowie unbeschwerte Zeit wieder mit Familie und Freunden gemeinsam genießen zu können.

Ich bin glücklich und zufrieden, mit dem, was wir geschafft haben. Große Zukunftspläne habe ich deswegen zurzeit nicht. Ich möchte erstmal meine vorhandenen Projekte wieder reaktivieren.

Was ich mir wirklich wünsche, ist mehr Zeit für die kleineren und größeren Entdeckungstouren mit meinem Mann zusammen und vor allem, mich wieder intensiver meiner Leidenschaft der Fotografie zu widmen und diese ausleben zu können … Ich möchte gerne mein Fotowissen weiter vertiefen.

Außerdem hätte ich gerne mehr Zeit für meinen Fotografie-Blog www.manjacarlsson.com, denn dieser bringt mir sehr viel Freude. Allerdings kostet der Blog auch viel Zeit und manchmal auch Nerven. Die Nachfrage an Kalendern ist im Familien- und Bekanntenkreis immer größer geworden. Sogar Patienten fragen manchmal nach. Ein Buch mit Fotoimpressionen zu erstellen, ist ebenfalls ein immer größer werdender Wunsch. Die Fotografie ist so kreativ und ermöglicht dementsprechend viele Möglichkeiten.

Vielen Dank für den ausführlichen Einblick!

Kontakt

Zahnarztpraxis Thorsten Carlsson
Avda. Marqués de Villanueva del Prado 17
Edf. Bejeque 1° A
38400 Puerto de la Cruz / Teneriffa
Tel.: +34 922 389253
E-Mail: info@dentalbotanico.com
Web: www.dentalbotanico.com

Dieser Beitrag ist in der Zahnärztlichen Assistenz erschienen.

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