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Branchenmeldungen 30.01.2014

Aufwendige Vollnarkosen vermeiden

Aufwendige Vollnarkosen vermeiden

Vollnarkosen in der Zahnarztpraxis bedeuten immer einen großen organisatorischen Aufwand. Zudem birgt jede Narkose immer auch das Risiko ernster Komplikationen. Dabei könnte in vielen Fällen durch den Einsatz von sicheren und effizienten Alternativen auf eine Vollnarkose verzichtet werden. Nicht nur in der Kinderzahnheilkunde sind daher moderne Sedierungsmethoden weiter auf dem Vormarsch.

Ein Zahnarztbesuch ist für viele Menschen mit unangenehmen Gefühlen und Ängsten verbunden. Wirkt man dem nicht entgegen, kann die Angst mit den Jahren so ausgeprägt sein, dass man den Gang zum Zahnarzt gar nicht mehr antritt oder eine Behandlung nur noch unter Vollnarkose möglich erscheint. Doch eine Vollnarkose sollte immer als letzte aller Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, denn sie ist nach wie vor mit Risiken verbunden. Schwerwiegende Komplikationen – meist die Atmung betreffend – können zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Solche respiratorischen Komplikationen kommen bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen, da sie anatomische und physiologische Besonderheiten zeigen, die das Atemwegsmanagement zu einer besonderen Herausforderung machen. Lange Vor- und Nachbereitungszeiten, sowie erhöhter Platz- und Personalbedarf machen die Narkose für die Zahnarztpraxis aufwendig und ineffizient. Zudem ist die Beteiligung eines Anästhesisten bei einer Vollnarkose zwingend erforderlich, was zunehmend schwieriger wird, da immer weniger Narkoseärzte bereit sind, Anästhesien in Zahnarztpraxen durchzuführen. Sichere Methoden gegen die Angst Wenn psychologische Methoden nicht mehr ausreichen, um ein Klima für eine stressfreie und effiziente Behandlung zu schaffen, kann man auf pharmakologische Methoden zurückgreifen. Einem Großteil der Patienten kann durch sichere Sedierungsverfahren, die der Zahnarzt selbstständig anwenden kann, geholfen werden. Die weltweit am häufigsten durchgeführte Sedierung durch die Lachgasinhalation reicht in vielen Fällen aus. Bei stärkeren Angstzuständen oder komplexeren zahnmedizinischen Eingriffen kann durch orale Medikamente eine tiefere Sedierung erreicht werden. Auch stark verängstigte Kinder können durch diese beiden Verfahren, einzeln oder in Kombination, oft ausreichend beruhigt werden, sodass auf eine Intubationsnarkose verzichtet werden kann.

Lachgas

Um leicht verängstigte Zahnarztpatienten zu behandeln ist Lachgas (Stickoxydul) die beste Wahl. Die Lachgassedierung ist die sicherste Form der Sedierung und wird seit über 150 Jahren erfolgreich von Zahnärzten eingesetzt. Der analgetische Effekt reicht zwar nicht aus, um auf eine lokale Anästhesie zu verzichten, aber der Injektionsschmerz ist soweit reduziert, dass der Patient davon meist gar nichts mitbekommt. Ein Gefühl der Entspannung und ein verändertes Zeitempfinden tragen zu einem positiven Behandlungserlebnis bei. In der Zahnmedizin üblich ist eine Lachgaskonzentration von 30 bis 70 Prozent. Moderne Lachgasgeräte schließen durch die sogenannte Lachgasbremse eine versehentliche Überdosierung aus. Ein großer Vorteil von Lachgas ist, dass die Wirkstärke während der Behandlung an die jeweilige Behandlungsphase und die Bedürfnisse des Kindes oder erwachsenen Patienten angepasst werden kann. Da das Stickoxydul extrem schnell an- und abflutet, kann der Zahnarzt sehr flexibel reagieren. Die Wirkung des Gases lässt nach Beendigung der Inhalation fast umgehend nach und der Patient kann die Praxis schnell verlassen. Der Zeitaufwand ist also äußerst gering.

Orale Sedativa

Durch orale Sedativa kann eine tiefere Sedierung erreicht werden. Die Anwendung ist einfach und die schmerzlose Applikation ist gerade für Angstpatienten vorteilhaft. Kindern wird das Sedativum meist in flüssiger Form mit ein wenig Saft verabreicht. Die orale Sedierung ist kostengünstig und wenig komplikationsträchtig, sofern die Einhaltung fachlicher Standards durch eine qualifizierte Ausbildung des Zahnarztes sichergestellt ist. Eine intensive Patientenaufklärung und klare Einnahmevorschriften helfen, Komplikationen zu vermeiden. Bei der Gabe von oralen Sedativa muss eine entsprechende Planung im Behandlungsablauf erfolgen. Patienten werden zur Einnahme der Pharmaka circa eine Stunde vor dem Behandlungstermin in die Praxis bestellt und benötigen nach der Behandlung eine gewisse Erholungszeit. Orale Sedativa können sehr gut mit der Lachgasinhalation kombiniert werden, und die Vorteile beider Verfahren miteinander verbinden.

Ausbildung

Die notwendigen Kompetenzen zur Durchführung der dentalen Sedierung können sich Zahnärzte in speziellen Fortbildungen aneignen. Dabei sollten sie sich dringend im Vorfeld über die Qualität der Fortbildung informieren. Lachgaskurse müssen nach deutschen (DGfdS) und europäischen (CED) Standards mindestens zwei Tage umfassen und klar vorgegebene Themenbereiche beinhalten. So ist zum Beispiel neben Pharmakologie, Monitoring, Indikationen und Kontraindikationen, Patientenauswahl und praktischen Übungen mit dem Gerät auch ein Kursteil im Notfallmanagement zwingend vorgeschrieben. In 1-Tages- oder Schnupperkursen können den Teilnehmern nicht die nötigen Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten vermittelt werden. Zudem bieten sie keine rechtliche Sicherheit zur Anwendung in der eigenen Praxis. Über die Ausbildungsrichtlinien und anerkannte Fortbildungsinstitute gibt die Deutsche Gesellschaft für dentale Sedierung (DGfdS) Auskunft.

Fazit

Es wird auch weiterhin Fälle geben, in denen eine Vollnarkose unter Aufsicht eines Anästhesisten sinnvoll ist. Doch die Anwendung von Sedierungstechniken ermöglichen es dem Zahnarzt, einen großen Teil seiner Patienten selbstständig und effizient zu behandeln, ohne auf eine zeitaufwendige Narkose zurückgreifen zu müssen. Er kann neue Patienten erreichen, die sich ohne Sedierung nur begrenzt oder gar keiner Behandlung unterziehen würden. Bei Kindern kann durch den Einsatz von Lachgas und oralen Sedativa eine Ausbildung von starker Angst von vornherein vermieden werden. So ist nicht nur für eine gegenwärtige stressfreie Behandlung gesorgt, sondern auch die Grundlage für eine zukünftig gute Beziehung zwischen Behandler und Patient gelegt.

Foto: © BIEWER medical – sedaview®
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