Branchenmeldungen 20.06.2025
Land Zahn Wirtschaft – Aus Einzelkämpfer wird Zahnärzteduo in Geislingen
Seit 1992 bin ich in Geislingen, einer kleinen Stadt auf der schwäbischen Alb mit etwa 4.000 Einwohnern in der Kernstadt, in einer Einzelpraxis niedergelassen. Waren wir zu Beginn meiner Tätig-keit noch fünf Kollegen im Ort (eine weitere Praxis mit vier Behandlern), sichere ich seit der Coronazeit 2020 als einziger Zahnarzt die zahn-ärztliche Versorgung in Geislingen ab und bemühe mich seither um Unterstützung durch den Nachwuchs, auch mit dem Gedanken an eine spätere Praxisabgabe.
Praxis als Teil der Altersvorsorge
Die Resonanz meiner Bemühungen, Annoncen auf der KZV-Stellenbörse im Marktplatz, Anfragen bei Dentalfachberatern und Praxiseinrichtern, Finanzberatern etc. war eher gering. Die Praxiswertermittlung durch einen Finanzberater ergab zwar gute Perspektiven, dennoch gab man mir zu verstehen, dass der Standortvorteil nicht so hoch bewertet wurde, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das Modell Einzelpraxis im ländlichen Raum sei trotz Nähe zu einer Kreisstadt mittlerer Größe (Balingen, vier Kilometer entfernt, 30.000 Einwohner) ein Auslaufmodell. Daneben sei der hohe Anteil weiblicher Absolventen ein weiteres Problem. Die meisten Uniabgängerinnen wollen im Angestelltenverhältnis arbeiten, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, außerdem seien die gezahlten Anfangsgehälter für Assistenten an der Uni wesentlich höher als in der freien Praxis. Ich entschloss mich daher, die Praxis schrittweise zu modernisieren, um nicht das gleiche Schicksal wie andere Kollegen in unmittelbarer Nähe zu erleiden, die ihre Praxis mit Erreichung des Rentenalters ohne Nachfolgeregelung schließen mussten. Schließlich sollte die Praxis, die ich seit 33 Jahren aufgebaut hatte und die mein Lebenswerk ist, auch Teil meiner Altersvorsorge sein.

Modernisierung für erfolgreiche Übergabe

Wir haben vor fünf Jahren und zusammen mit unseren Dentaltechnikern den ersten Schritt unternommen, die Praxis zu digitalisieren und auf den Stand der Zeit zu bringen. Schon damals war es mein Ziel, eine Gesamtsanierung der Praxis durchzuführen. Mir war klar, dass junge Kollegen sich heutzutage in Praxisgemeinschaften niederlassen wollen, um die Verantwortung und die Kosten und den zunehmenden bürokratischen Aufwand auf mehrere Schultern zu verteilen und ggf. mehrere Behandlungsschwerpunkte abdecken zu können. Praxisübernehmer wollen eine intakte, auch personell gut aufgestellte Praxis erwerben, ohne gleich zu Beginn hohe Investitionen durch Ausbaumaßnahmen tätigen und eine mehrwöchige Schließung in Kauf nehmen zu müssen. Deshalb wollte ich meine Praxis so modernisieren, dass sie den Anforderungen entspricht und für eine Übernahme attraktiv ist.
Trotz Einschnitt weitermachen
Letztes Jahr wurde ich leider durch eine schwere Herzoperation mit anschließender mehrwöchiger Reha-Maßnahme ausgebremst und stand kurzzeitig vor dem Aus. Zu meinem Leidwesen musste ich erfahren, dass man in Notsituationen nur bedingt auf Hilfe hoffen kann. Ich habe mich aus eigener Kraft durch diszipliniertes körperliches Training wieder ins Leben zurückgekämpft und einige Wochen später den weiteren Umbau der Praxis in Zusammenarbeit mit meinem Dentaldepot und meinem Vermieter realisiert. Erneut habe ich unter hohem finanziellen Risiko und einer mehrwöchigen Bauphase die Modernisierung der Praxis bewerkstelligt. Ohne meine Familie und mein Praxisteam hätte ich das alles nicht geschafft.

„Die Zahnarztpraxis Dr. Holderied ist seit vielen Jahren eine unverzichtbare Institution und wertvolle Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten in Geislingen. Sie steht für erstklassige zahnmedizinische Versorgung und bietet den persönlichen Kontakt. Damit trägt Herr Dr. Holderied mit seinem Team entscheidend zur Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger bei. Ich danke Dr. Holderied für sein wertvolles Engagement. Mit der umfangreichen Neugestaltung wird die Praxis diese wichtige Rolle in unserer Gemeinschaft auch weiterhin bestens erfüllen.“ (Oliver Schmid, Bürgermeister der Stadt Geislingen)
Nachwuchs am Start
Nebenbei hatte ich das Glück mit Jana Hummel eine junge, sympathische und engagierte Kollegin kennenzulernen, die nun seit Februar 2025 als Ausbildungsassistentin unser Team verstärkt. Sie stammt aus einer Arztfamilie und bringt neue Impulse, frische Ideen und geballtes Wissen von ihrer gerade beendeten universitären Ausbildung mit und verleiht dem ganzen Team neue Motivation und eine gezielte Perspektive nach vorne. Das ist ein echtes Geschenk! Direkt nach dem Studium an der Universität Erlangen hat sie mehrere Wochen ehrenamtlich in einer Kinderzahnklinik in Kambodscha gearbeitet und wertvolle Erfahrungen gesammelt.
Einsatz und finanzielles Risiko tragen Früchte
Mittlerweile habe ich durch verschiedene Veröffentlichungen in der regionalen Presse nach längerer Durststrecke wieder einige Bewerbungen um Ausbildungsplätze und ZFA-Stellen erhalten, sodass ich mir im Moment keine Sorgen um die Zukunft machen muss. Der Einsatz und das finanzielle Risiko haben sich voll ausgezahlt. Der Erhalt der zahnmedizinischen Versorgung hat auch für die Stadt große Bedeutung, das hat der Bürgermeister, zu dem wir gute Beziehungen pflegen, immer wieder betont.
Dr. Holderied ist nach wie vor auf der Suche nach Zuwachs für seine Praxis – Interessierte können sich direkt bei ihm melden: mario.holderied@t-online.de.
Dieser Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.
Autor: Mario Holderied