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Branchenmeldungen 27.01.2020

Beim 10. PEERS-Jahrestreffen standen „Konzepte auf dem Prüfstand“

Beim 10. PEERS-Jahrestreffen standen „Konzepte auf dem Prüfstand“

Knapp 200 Teilnehmer reisten nach Frankfurt und feierten das zehnte PEERS-Jahrestreffen gemeinsam mit den Autoren der Förderpreise. Die Referenten im vielseitigen Programm lieferten Tipps und Tricks für die tägliche Praxis und standen für rege Diskussionen in kleinen Gruppen zur Verfügung. Die Verleihung der PEERS-Förderpreise war zum 11. Mal der festliche Höhepunkt.

Der jährliche Kongress des Expertennetzwerks PEERS (Platform for Exchange of Experience, Research and Science) startete am 17. Januar im Frankfurter Hilton City Centre Hotel mit der feierlichen Preisverleihung der PEERS-Förderpreise. Am Nachmittag trafen sich bereits die Gremiumsmitglieder, um die Projekte im Jahresverlauf zu besprechen und die Aktivitäten in den regionalen Gruppen Revue passieren zu lassen.

Innovationsforum mit verschiedenen Konzepten

Das „Innovationsforum“ wurde von den Referenten genutzt, um ihre Praxis- bzw. Laborkonzepte vorzustellen und damit den Teilnehmern Orientierungshilfen für die tägliche Praxis zu geben. Priv.-Doz. Dr. Dietmar Weng, Präsident des Netzwerks, beschäftigte sich mit der Frage „Ist eine Alveolenauffüllung im zukünftigen Implantationssitus nach der Extraktion Pflicht?“ Seine pragmatische Antwort: Die Implantation sei für den Behandler deutlich einfacher und weniger risikobehaftet, wenn der Kieferkamm mittels Socket oder Ridge Preservation erhalten wird. Das gleiche gelte entsprechend für den Patienten. Aufwendige Augmentationen und Weichgewebemanagement, welche die Behandlung verteuern und komplikationsanfälliger machen, können dadurch meist entfallen.

Prof. Dr. Christian Mertens stellte in seinem Vortrag „Die Kieferhöhle in der Implantologie – Physiologie, präoperative Diagnostik und Komplikationsmanagement“ kurz und prägnant die Notwendigkeit einer detaillierten Planung sowie Kenntnissen in der Physiologie und Anatomie der Kieferhöhle dar. Auch den Umgang mit Komplikationen, beispielsweise Rupturen der Schneider’schen Membran thematisierte er. Diese lassen sich in 95 Prozent der Fälle wieder verschließen. Unter Berücksichtigung des ALARA-Prinzips (As Low As Resaonably Achieveable) kann eine präoperative Diagnose mittels DVT erfolgen, um die bei 66,5 Prozent der Patienten beobachteten Septen genau lokalisieren und den Belüftungszustand der Kieferhöhle beurteilen zu können.

„Hält der 3D-Druck was er verspricht?“ konnte von ZTM Hans Eisenmann mit einem klaren JEIN beantwortet werden. Sein Rat: Die Investition in einen der derzeit verfügbaren Drucker für die zahnmedizinische Anwendung müsse sorgfältig nach den im Labor vorliegenden Anforderungen und geplanten Einsatzgebieten abgewogen werden. Nicht jeder Drucker eigne sich beispielsweise für die hochpräzisen Anforderungen an eine full-guided-Schablone. Von der Qualität und Präzision der Primescan (Dentsply Sirona) ist er begeistert, und der Intraoralscanner ist fest in seinen digitalen Workflow eingebunden.

Der Gast und PEERS-Präsident aus Belgien, Dr. Bruno Collaert (Leuven), stellte unter dem Titel „Immediate loading of edentulous jaws. Procedure and long term evaluation“ seine mehr als zehnjährigen erfolgreichen Erfahrungen mit Sofortversorgung der Astra-Tech-Implantate im zahnlosen Ober- und Unterkiefer vor. Hierzu verwendet er die „Uni-Abutments“ und gab einen Einblick in seine prospektive Untersuchung über 10 Jahre und die zur Publikation anstehende retrospektive Untersuchung von mehr als 10 Jahren dieses Behandlungskonzeptes.

Ein Plädoyer für den Zahnerhalt insbesondere bei jungen Patienten, wozu auch noch 30- bis 40-Jährige zählen, hielt Prof. Dr. Nicola Zitzmann (Basel) in ihrem Vortrag „Zahnerhalt versus Implantation“. Sie rät zu einer sorgfältigen Abwägung von Langzeitprognose, Risiko sowie Aufwand der rekonstruktiven Maßnahmen, und bevorzugt eine minimalinvasive Vorgehensweise, die weitere – gegebenenfalls tiefgreifendere – Maßnahmen (Notwendigkeit des Retreatments) zulassen.

Die Vorträge dieses Formats wurden anschließend in kleinen Gruppen mit den Referenten diskutiert.

Mukosa im Fokus

Drei Vorträge am Samstagnachmittag beschäftigten sich intensiv mit der Mukosa und wurden bei der anschließenden Podiumsdiskussion eifrig diskutiert. Die beiden Parodontologen Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf und Prof. Dr. Stefan Fickl sowie die Prothetikerin Prof. Dr. Stefanie Kappel erläuterten, welchen Einfluss die verschiedenen Parameter auf deren langfristigen Erhalt haben.

Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf stellte in seinem Vortrag „Periimplantitis – Bakterielle Infektion oder Lebensstilproblem? Probiotika und Ernährungsumstellung in der Therapie periimplantärer Entzündungen“ einen ganz klaren Zusammenhang zwischen dem vermehrten täglichen Konsum nitratreichen grünen Blattgemüses, beispielsweise in Form eines Salatsmoothies, und einer ausgeprägten Reduktion der chronischen Gingivitis dar. Weiterhin stellte er eigene Untersuchungen vor, welche die Wirksamkeit der regelmäßigen Anwendung probiotischer Lactobacillus reuteri-Lutschtabletten in der Kontrolle periimplantärer Mukositis insbesondere bei Patienten mit mangelhafter Mundhygiene belegen.

Wie verhält es sich mit der „Mukosa um Implantate – worauf kommt es an? Dick, hoch befestigt, keratinisiert?“ – diesen Fragen ging Prof. Dr. Stefan Fickl nach und belegte anhand der aktuellen Literatur, dass vornehmlich die Höhe der Mukosa um Implantate für einen langfristigen Knochenerhalt zuträglich ist. Dies widerstrebt dem Parodontologen, der möglichst geringe Taschentiefen anstrebt. Dennoch deuten einige Studien darauf hin, dass befestigte und keratinisierte Mukosa einen geringeren positiven Effekt ausüben als hohe und auch dicke Mukosa.

Prof. Dr. Stefanie Kappel wies in ihrem Vortrag „Einfluss der Prothetik auf das Weichgewebe“ auf die vielfältigen Entscheidungen hin, die man schon bei der Versorgung eines verlorenen Einzelzahns mit Implantaten treffen muss. Leider liefert die aktuelle Studienlandschaft aufgrund ihrer Inhomogenität keine abschließenden Behandlungspräferenzen. Die Referentin hob deutlich hervor, dass der Mukosa polierte Keramik angeboten werden müsse, um diese als Barriere gegen das orale Milieu stabil zu halten. In einer eigenen Studie fand sie insbesondere auf der bukkalen Seite der Krone Zementreste. Deshalb sollte dort besonders sorgfältig gereinigt werden. Außerdem empfahl sie, nur leicht zu entfernende Zemente zu verwenden. Auch die Nutzung von individuellen Abutments zum Beispiel von Atlantis, bei denen die Zementgrenze dem Mukosaverlauf angepasst wird, kann helfen, Komplikationen durch verbliebene Zementreste zu verhindern.

Das nächste PEERS-Jahrestreffen findet am 15. und 16. Januar 2021 wieder in Frankfurt statt. Informationen finden Sie auch unter www.dentsplysirona.com/peers

Strahlende Preisträger der PEERS-Förderpreise

Seit mittlerweile elf Jahren fördert das Expertennetzwerk in fünf Kategorien den wissenschaftlichen Nachwuchs an den Universitäten, aber auch die niedergelassenen Kollegen, die ihre Behandlungskonzepte in Form von Fallpräsentationen oder Videos dokumentieren. Besonders fruchtbar ist auch die Kooperation mit der Klaus Kanter-Stiftung, die aus den dort eingereichten Meisterarbeiten des Vorjahres die beste Arbeit mit implantatgetragenem Zahnersatz auswählt. Gewonnen haben Priv.-Doz. Dr. Dr. Jonas Lorenz, MKG-Chirurgie Uniklinik Frankfurt (Fallpräsentation), ZTM Ariadne Zienert-Kuhn, Birkenwerder (Implantat-Prothetik-Preis), Dr. Laura Leisner, Prothetik Uniklinik Heidelberg (wissenschaftliches Poster) und Dr. Paula Korn, MKG-Chirurgie Charité Berlin (wissenschaftliche Publikation).

Einsendeschluss für die Förderpreise 2021 ist der 15. Oktober 2020. Informationen zu den Teilnahmebedingungen und das Anmeldeformular finden Sie unter www.dentsplysirona.com/peers

Quelle: Dentsply Sirona

Foto: Dentsply Sirona

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