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Branchenmeldungen 14.05.2018

Umstrittenes Projekt: Bleibt Bohren besser Aufgabe des Zahnarztes?

Umstrittenes Projekt: Bleibt Bohren besser Aufgabe des Zahnarztes?

Das in den Niederlanden geplante Pilotprojekt, welches Dentalhygienikerinnen mehr Kompetenzen einräumt, hat einige Schönheitsfehler – vor allem aber geht es nicht mit EU-Verordnungen konform.

Der niederländische Gesundheitsminister Bruno Bruins plant, Dentalhygienikerinnen (DH) ab 2020 in einem Testlauf mehr Verantwortung zu übertragen. Bisher dürfen Dentalhygienikerinnen Aufgaben wie Bohren, Röntgen und Lokalanästhesien nur auf Anweisung des Zahnarztes durchführen. In dem Projekt sollen sie eigenverantwortlich handeln dürfen.

Nicht nur auf nationaler Ebene, wo sich 90 Prozent der Zahnmediziner dagegen aussprechen, sondern auch auf EU-Ebene, wird das Vorhaben kritisch beäugt. Gegner des Projekts, wie der Council of European Dentists (CED), berufen sich auf die Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen. Dort heißt es unter (22) „… Die Tätigkeit des Zahnarztes sollte nur von Inhabern eines zahnärztlichen Ausbildungsnachweises im Sinne dieser Richtlinie ausgeübt werden.“ In einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen Österreich (C-437/03) vor einigen Jahren wurde dies bekräftigt. So geht aus der Rechtsprechung hervor, dass sämtliche Ausbildungsvorgaben für Zahnärzte erfüllt sein müssen, um auch zahnärztliche Tätigkeiten durchführen zu können. Ist dem nicht so, ist diese Person nicht befugt, entsprechende Tätigkeiten zu verrichten.

Insbesondere das Röntgen scheint gemäß des Strahlenschutzgesetzes 2013/59 nicht ganz unproblematisch – vor allem im Hinblick auf das Stellen von Diagnosen, was den Kompetenzbereich einer DH zu übersteigen scheint.

Sollte sich das Pilotprojekt als erfolgreich erweisen, sind einige Überarbeitungen verschiedener EU-Verordnungen nötig. Angefangen bei der Frage, wie in den Niederlanden mit DH aus anderen EU-Ländern verfahren wird. Hier müsse eine Art Kontrollinstanz geschaffen werden.

Foto: batke82as – stock.adobe.com
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