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Branchenmeldungen 28.02.2011

Blutzuckerkontrolle – bald auch beim Zahnarzt?

Blutzuckerkontrolle – bald auch beim Zahnarzt?

Vermutlich werden demnächst Patienten mit Diabetes beim Zahnarzt häufiger nach ihrer Zuckereinstellung gefragt. Oder es kann sein, dass der Zahnarzt sie bittet, sich internistisch untersuchen zu lassen – weil der Verdacht auf Diabetes besteht. Das ist nicht verwunderlich. Denn wenn das Zahnfleisch häufig blutet oder Wunden nach einem Zahnarzt-Eingriff schlecht abheilen, kann das ein Hinweis für Diabetes sein.

Die wissenschaftliche Datenlage ist eindeutig: Der Zusammenhang zwischen parodontalen Erkrankungen und Störungen im Zuckerstoffwechsel ist belegt. So haben Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Sie neigen verstärkt zu Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis), zu Zahnverlust und Lockerung des Zahnhalteapparates. Die entzündeten Zahnfleischtaschen sind bei Patienten mit Diabetes meist auch tiefer (über 6 mm). Dabei ist bewiesen, dass das Risiko für schwierige Krankheitsverläufe mit Lebensalter, der Dauer einer Diabeteserkrankung und mit unzureichender metabolischer Kontrolle steigt.

Parodontitis wird immer häufiger. Eine mögliche Ursache: Diabetes

„Wir sehen in der zahnmedizinischen Praxis, dass trotz stärkerem Bewusstsein für die Mundgesundheit allgemein die Parodontitis in breiten Bevölkerungsschichten zunimmt“, sagt Dr. Dietmar Oesterreich von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in Berlin. Bei entzündlichen Erkrankungen des Zahnbettes, die nicht in den Griff zu bekommen sind, müsse auch nach weiteren medizinischen Ursachen wie z.B. Diabetes gefahndet werden. Denn beide Erkrankungen, die Parodontitis und der Diabetes haben einen systemischen Charakter. Es sind auch dieselben Signalsubstanzen der Entzündungsreaktionen, die bei Parodontitis zu Zahnschwund und beim Typ-2-Diabetes zur Unempfindlichkeit gegenüber Insulin führen.

Initiative "Gesund im Mund bei Diabetes" gegründet

Um über diese Zusammenhänge aufzuklären, haben Zahnmediziner im Schulterschluss mit Stoffwechselexperten die Initiative „Gesund im Mund bei Diabetes“ ins Leben gerufen und eine Expertengruppe gegründet. Deren Ziel ist es, fundierte Informationen der Öffentlichkeit (Bevölkerung, Patienten) und medizinischen Fachgruppen (Ärzte, Apotheker) zugänglich zu machen. Das bedeutet folglich, dass Zahnärzte ein „solides Wissen“ über Diabetes und Stoffwechselmediziner über zahnmedizinische Aspekte brauchen. Der ganzheitliche Ansatz in der Behandlung chronisch kranker Patienten mit Diabetes wird also seinen Blick künftig nicht mehr nur auf Herz, Hirn, Augen, Nieren, Nerven oder Füße richten, sondern die Mundhöhle mit einbeziehen.

Die Zahnmedizin wird im Wissenschaftsausschuss durch die Parodontologen Prof. Dr. Sören Jepsen (Bonn), Prof. Dr. Jörg Meyle (Gießen), Prof. Dr. James Deschner (Bonn) und Prof. Dr. Thomas Kocher (Greifswald) vertreten. Als Stoffwechselexperten sind Prof. Dr. Hellmut Mehnert (München), Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe (Bad Oeynhausen), Prof. Dr. Thomas Haak (Bad Mergentheim) und Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger (München) vertreten.

Quelle: www.diabetes-ratgeber.net

Foto: © Shutterstock.com

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