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Branchenmeldungen 24.04.2018

Gemeinsam stark im Verband – BVD-Fortbildungstage 2018

Susan Oehler
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Gemeinsam stark im Verband – BVD-Fortbildungstage 2018

In die Hansestadt Bremen lud am 23. und 24. April der Bundesverband Dentalhandel zu den Fortbildungstagen 2018. Rund 200 Vertreter aus Industrie und Handel trafen sich in der Wesermetropole, um sich über aktuelle Entwicklungen der Branche und des Verbands auszutauschen. Wichtige Tagungsthemen bildeten dabei unter anderem die neuen Datenschutzregularien, die Fortschritte in der Schaffung eines einheitlichen Artikelpasses und die veränderten Bedürfnisse junger Existenzgründer.

Impressionen aus Bremen

BVD-Präsident Lutz Müller begrüßte am ersten Kongresstag die Teilnehmer zu den inzwischen 107. Fortbildungstagen des Bundesverbandes Dentalhandel und wies bereits in seinen einleitenden Worten auf die Herausforderungen hin, denen sich der dentale Fachhandel gegenwärtig und künftig noch verstärkt gegenübersieht. Externe Faktoren wie die neuen Datenschutzrichtlinien des Gesetzgebers bringen unmittelbaren Handlungsbedarf mit sich, die Konzentration der Versorgungsstruktur in MVZs und Praxisketten verändert die Bedingungen für alle Marktakteure. Es stelle sich die Frage, ob es den Handel in seiner derzeitigen Form weiterhin geben wird – oder ob er sich selbst vollständig neu definieren muss.

Mit einem Appell an die Verantwortung für den Patienten und dessen qualitativ hochwertige zahnmedizinische Versorgung wandte sich im Anschluss Uwe Breuer, scheidender Präsident des VDZI, an das Auditorium. Er bedankte sich herzlich für die vergangenen Jahre voll vertrauensvoller Zusammenarbeit und forderte die Branchenvertreter auf, die Bereitstellung von Zahnersatz auch künftig nicht denjenigen zu überlassen, die den Kostenfaktor vor das Wohl des Patienten stellen. Die zahntechnischen Meisterlabore seien in seinen Augen als starke Partner in der Dentalbranche nach wie vor ausschlaggebend.

Niederlassungen fördern und stärken

Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, griff in seinem Statement die von Lutz Müller bereits angesprochene Thematik der Medizinischen Versorgungszentren noch einmal auf. Er äußerte die Sorge, dass sich die Versorgungsqualität der Bevölkerung tendenziell eher verschlechtern werde, da sich die Zentren oft in Ballungsgebieten ansiedeln würden anstatt in den unterversorgten ländlichen Gebieten. Zudem stünden sie als wirtschaftliche Unternehmen nicht unter der direkten Aufsicht der Zahnärztekammern. Aus Sicht junger Zahnärzte sei das Anstellungsverhältnis unmittelbar nach dem Studienabschluss durchaus attraktiv, nicht zuletzt aufgrund möglicher Teilzeitmodelle und der damit leichteren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Niedergelassene Zahnärzte sind jedoch, so Dr. Peter Engel, unabdingbar für die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung. Hier läge es in der Verantwortung des Handels, jungen Existenzgründern Perspektiven zu bieten, sie kompetent zu beraten und ihnen vor allem finanzielle Planungssicherheit zu geben. Damit würde auch verhindert, dass sich MVZs und Praxisketten zu möglicherweise schwierigen Partnern entwickeln, indem sie durch ihre Größe ein hohes Druckpotenzial auf den Handel aufbauen.

Erfolgreiche Zusammenarbeit

Die folgenden Vorträge widmeten sich der Präsentation aktueller Projekte des BVD und seiner Arbeitsgruppen. Uwe Jerathe und Andreas Meldau, Vizepräsidenten des BVD, erinnerten zunächst an die in den vergangenen Jahren gesetzten Ziele, den Bundesverband Dentalhandel als dentale Plattform zu etablieren, die Zusammenarbeit des Handels mit Kunden und Industrie zu stärken und vorhandene Synergien zu nutzen. Um dies zu erreichen, wurden unter anderem die Schulungslehrgänge neu strukturiert und mit modernisierten Prüfverfahren versehen, zudem erfolgte eine umfassende Marktforschung zur internen und externen Wahrnehmung des Verbandes. Die Erkenntnisse ermutigten die Projektverantwortlichen dazu, die Kommunikation nach innen und außen zu stärken und langfristig ein BVD-Qualitätssiegel zu etablieren.
Thematisiert wurde auch das Konzept der Regionalmessen, die im vergangenen Jahr erneut ein stabiles und ausgeglichenes Ergebnis lieferten. Damit kamen sie ihrem Auftrag, eine dentale Informationsplattform zu schaffen, vollumfänglich nach. Sowohl die Ausstellerzahlen und –fläche, als auch die Besucherzufriedenheit sei gestiegen, was sich nicht zuletzt an den regen Social Media-Aktivitäten ablesen lasse. Auch die erste Messe in 2018, die id infotage dental Berlin, lieferten Anlass zu einem positiven Resümee.

Eines der Hauptprojekte des BVD bildet der einheitliche Artikelpass, vorgestellt von Stefan Kreutzer und Joachim Klein. In enger Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel wird hier derzeit eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten geschaffen, die viel bürokratischen Aufwand reduziert und vor allem für Rechtssicherheit sorgt. Aus den einzelnen Datenblättern der Kooperationspartner Dental-Union, Henry Schein, Pluradent und NWD wurde der kleinste gemeinsame Nenner generiert, welcher den gesetzlichen Vorgaben entspricht, standardisiert ist und stets aktuell gehalten wird. Der Artikelpass mündet in eine gemeinsame Artikeldatenbank: Dort sind alle Artikelkataloge mit den dazugehörigen Sicherheitsdatenblättern hinterlegt. Abgerufen werden können die Informationen von Behörden, Zahnärzten und Laboren. Die Implementierung des Artikelpasses stehe laut der beiden Projektverantwortlichen inzwischen kurz vor dem Abschluss.

Die erste Hälfte des Starttages der Veranstaltung beschloss Zukunftsforscher Michael Carl, der den Anwesenden einen interessanten Ausblick auf künftige Arbeitswelten gewährte. Mit dem Schlagwort „Das Verrückte von heute wird das Normale von morgen“ ermunterte er das Publikum, sich alternativen Denkstrukturen zu öffnen und den technologiebedingten Fortschritt offen anzunehmen.

Digitalisierung als Aufgabe der Politik

Den Beginn der zweiten Tageshälfte markierte das Referat eines besonderen Gastredners: Wolfgang Kubicki, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, widmete sich dem Thema des Status Quo der Digitalisierung in Deutschland. Mit offenen Worten legte er dar, dass sich die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Staaten derzeit noch deutlich im Rückstand bezüglich des Ausbaus der digitalen Infrastruktur befindet. Die Datenströme der Zukunft erfordern ein flächendeckendes Glasfasernetz – gerade in ländlichen Gebieten bestünde hier noch ein zu hoher Nachholbedarf.

Des Weiteren müsse die Digitalisierung auch im Bildungssystem stärker berücksichtigt und eingebunden werden, konkret in Form der technischen Ausstattung an Schulen, der Lehrerfortbildung und der Integration eines eigenen Schulfaches für Digitalkompetenz. Nicht zuletzt stelle der digitale Fortschritt Politik und Behörden vor die Herausforderung, sich selbst und die Bürger vor Hacker-Angriffen und Cyber-Terrorismus zu schützen. Wie stark das Thema Digitalisierung dem Redner am Herzen liegt, zeigte sich in seinen schonungslosen Verweisen auf bisherige Versäumnisse und die dringend anstehenden Hausaufgaben der politisch Verantwortlichen im digitalen Wandel.

Am Ende des ersten Veranstaltungstages betrat Profilerin Suzanne Grieger-Langer das Podium. Die Pädagogin, Psychologin und Psychotherapeutin vermittelte dem Publikum, wie sich unterschiedliche Führungsstile auf die Persönlichkeiten der Mitarbeiter auswirken und wie im eigenen Unternehmen wirkliche Leistungserbringer von Leistungssimulanten unterschieden werden können.

Bei guten Gesprächen und geselligem Beisammensein im Hudson Eventloft direkt am Weserufer klang der Tag für die Teilnehmer der Fortbildungstage aus.

Umdenken und Vorbild sein

Der zweite Veranstaltungstag wurde eingeleitet durch einen Exkurs in die digitalen Marketing- und Verkaufsstrategien der Zukunft, erteilt durch Alexander Müller. Der Inhaber eines innovativen Weiterbildungsunternehmens zeigte auf, wie sich Vertriebsstrukturen in den nächsten Jahren verändern müssen, um mit den sich wandelnden Kundenbedürfnissen Schritt zu halten. Dabei ermunterte er das Publikum ausdrücklich dazu, in ihren Unternehmen auch eine Kultur des kontrollierten Scheiterns zu implementieren: Nur durch kontinuierliches Erproben neuer Methoden und Technologien könnten durch Ausschlussverfahren die Wege identifiziert werden, die letztlich zum Erfolg führen. Kreativität, Mut und unternehmerisches Denken außerhalb konservativer Pfade seien die Kardinaltugenden der Führungskräfte von morgen.

Der Folgeredner verdeutlichte mit einer klaren Aussage, wie er den Weg zum Erfolg definiert: „Go hard or go home“ beinhaltet laut Dominik Neidhart den Willen zu absoluter Leistungsbereitschaft, Hingabe und Loyalität. Als Segler im Team Alinghi, dem Gewinner des XXXI. America’s Cup, hat er hautnah die Herausforderungen erlebt, die für einen solchen Sieg erfüllt werden müssen. Ähnlich wie auf einer Hochtechnologie-Yacht könnten Unternehmen nur dann erfolgreich sein, wenn ihr Team durch gegenseitiges Vertrauen, Entschlossenheit und Disziplin zusammengehalten wird. Im America’s Cup gibt es nur einen Sieger und keinen Zweitplatzierten – in der Wirtschaft kann laut Neidhart Spitzenerfolg ebenfalls nur dann erreicht werden, wenn jedes Teammitglied seinen Aufgaben nachkommt und durch eine vorbildhafte, auf Anerkennung und Respekt basierende Führung geleitet wird.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte BVD-Präsident Lutz Müller den Anwesenden für ihren Beitrag zu einer erfolgreichen Konferenz und lud sie ein, die nächsten BVD-Fortbildungstage am 20. und 21. Mai 2019 im nordrhein-westfälischen Münster schon jetzt im Kalender zu vermerken.

 

Foto: OEMUS MEDIA AG
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