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Branchenmeldungen 09.01.2019

DH schickt Mundhygieneartikel über den Atlantik

DH schickt Mundhygieneartikel über den Atlantik

Bella Risa heisst schönes Lächeln. Und zu einem schönen Lachen gehören gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch. Das wissen nicht nur in der Dentalbranche Beschäftigte, auch in der breiten Bevölkerung ist das tief verankert. Dies ist dem Erfolgsmodell der Schweizer Schulzahnpflege zu verdanken, wo bereits im Kindesalter die wichtigsten Grundlagen zur Förderung der oralen Gesundheit vermittelt werden. Doch das ist nicht überall auf der Welt so.

Bella Risa ist auch der Name der Initiative der Sempacher Dentalhygienikerin (DH) und Willisauer Schulzahnpflegeinstruktorin Daniela Frey Perez. In ihrem Beruf setzt sie sich täglich für die Mundgesundheit der Jugend hierzulande ein – und seit über sieben Jahren auch für Kinder in der Karibik. Was mit einer spontanen Idee und 400 Zahnbürsten im Reisekoffer anfing, entwickelte sich bis heute zu einem kleinen seriösen Sozialprojekt. 

Wie alles begann

Das Paradies hat zwei Seiten – wer kennt sie nicht, die tollen Bilder von weissen Sandstränden, wunderschönen Sonnenuntergängen oder glasklarem Meerwasser. Die Karibik ist ein Touristenmagnet. Doch man sollte auch mal hinter die Kulissen schauen und den gigantischen All-inklusiv-Hotelanlagen den Rücken kehren. Genau das macht Daniela Frey Perez. Sie sagt: „Als Schweizerin habe ich das Privileg, in den schönen, aber eben auch von Armut betroffenen Ländern Urlaub zu machen. Mit meinem Engagement möchte ich etwas zurückgeben.“

Es war ein spontaner Einfall, welcher 2011 die Geburtsstunde von Bella Risa bildete. In den Ferien in der Dominikanischen Republik erzählte die DH dem Hotelpersonal davon, dass sie in der Schweiz beruflich Zahnprophylaxe-Schulungen macht. Jemand sagte ihr aus Spass, das könnte sie doch auch hier anbieten. Sechs Monate später kehrte sie mit einem Koffer voller Zahnbürsten zurück, und so nahm Bella Risa seinen Lauf.

Ziel von Bella Risa

Angeknüpft am Erfolgsrezept der Schweizer Schulzahnpflege expandierte Bella Risa nach den gleichen Ansätzen und dem Motto „Vorbeugen ist besser als heilen“ in die Karibik. Das Sozialprojekt Bella Risa möchte die Mundgesundheit in armen Ländern fördern. Ziel ist es, Kinder und Erwachsene für eine gute orale Hygiene und gesunde Essgewohnheiten zu sensibilisieren. In Schulen, Waisenhäusern und Kinderheimen wird über Mundhygiene, Ernährung, Karies, Zahnfleischentzündung etc. informiert und instruiert, wie man sich richtig die Zähne putzt. Es werden vor Ort neben den Kindern auch die einheimischen Lehrpersonen und Betreuerinnen in diesen Bereichen geschult. Dabei findet eine enge Zusammenarbeit mit den Schul- und Heimleitungen statt.

Generell lässt sich sagen, dass die Hygiene in von Armut betroffenen Ländern öfter mangelhaft ist, was meist auf fehlendem Wissen beruht. Die Vermittlung dieses Wissens ist ein Hauptziel von Bella Risa. Für Daniela Frey Perez ist im Rahmen des Projekts die Hilfe zur Selbsthilfe das Wichtigste. Sie sagt: „Wie soll man etwas weitergeben, was man selber nicht gelernt hat. Oft kommt das fehlende Verständnis für die Zahnpflege noch aus der früheren Erziehung, wo diese noch keinen grossen Stellenwert hatte.“ Sie möchte ihr Know-how weitergeben und die Wichtigkeit der Mundhygiene unterstreichen. Mit dieser Vorgehensweise wird erreicht, dass die Kinder nicht nur selbst lernen, sondern auch von den Betreuerinnen zu richtiger Mundhygiene erzogen werden. Dies ganz im Sinne der Sozial- und Selbstkompetenz. Daniela Frey Perez merkt, dass im Ausland der Präventionsunterricht in der Schweiz sehr bewundert wird. Dies zeigt ihr, dass Bella Risa auf dem richtigen Weg ist und motiviert sie weiterzumachen.

Ausweitung auf Haiti

Seit 2014 engagiert sich Bella Risa auch in Haiti. Zuerst unspezifisch, seit 2015 fixiert auf ein Kinderheim in Port au Prince, weil ein Bekanntenpaar der Dentalhygienikerin zwei Mädchen aus diesem Heim adoptierten.

Auch einige Jahre nach dem schweren Erdbeben ist die Armut in Haiti allgegenwärtig. Daniela Frey Perez sagt: „Wenn man heute durch die Hauptstadt von Haiti fährt und alles mit eigenen Augen sieht, könnte man meinen, das Erdbeben wäre nicht im Jahr 2010, sondern erst kürzlich gewesen. Viele Häuser, Kirchen oder Plätze sind noch immer Schutt und Asche. Man kenne die Bilder aus den Nachrichten, aber live berühre einen diese Armut noch mehr. Haiti ist noch lange nicht über den Berg. Es gibt immer wieder Demonstrationen und Aufstände. Die Zukunft ist sehr ungewiss. Die Kinder im Heim haben keine Perspektive für eine sichere Zukunft. Ich habe immer ein lachendes und ein weinendes Auge, wenn ich über Haiti spreche.“

Was als Pilotprojekt (Oktober 2016) begann, ist nun fester Bestandteil von Bella Risa. Eine Einheimische wurde so geschult, dass diese regelmässig und selbstständig das Heim als Zahnpflegeinstruktorin besuchen kann. Per WhatsApp erhält Daniela Frey Perez von ihr Fotos und Videos. Sie sagt: „Mit jährlich einer Kiste neuer Zahnbürsten erreicht man nichts. Es soll für die Kinder zur Routine werden, und das Projekt soll nachhaltig sein. Bella Risa möchte mit der Verbesserung der Mundhygiene einen Teil zum oft mühsamen Adoptionsprozedere beitragen. Denn Kinder mit stark kariösen Zähnen und damit verbundenen Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit können schlechter oder gar nicht vermittelt werden.“

Rückblick Reise 2018

Im Herbst 2018 reiste Daniela Frey Perez erneut in die Dominikanische Republik. Statt einzelne Schulklassen zu besuchen, hatte man dieses Mal erstmalig einen grossen Event in einer Schule in Santo Domingo organisiert. Es waren über 400 Kinder und 200 Erwachsene anwesend. Nach der Vorstellung des Projekts wurde das Publikum mithilfe von elf Kindern instruiert, wie man sich richtig die Zähne putzt und weshalb. Als einzige Blondine mit weisser Hautfarbe waren natürlich stets alle Augen auf die DH gerichtet. Sie sagt: „So war ich natürlich noch nervöser, auch habe ich nie zuvor vor so vielen Menschen auf Spanisch gesprochen. Ich bin aber sehr stolz, es gewagt zu haben, konnten so doch erneut viele Kinder erreicht werden.“

Die Dentalhygienikerin gehört mittlerweile im Hotel zu den Stammgästen. Sie sagt: „Man kennt mich. Wenn jemand Zahnschmerzen oder etwas am Zahnfleisch hat, fragt man mich. Ich sehe dann oft sofort, was die Ursache ist.“ Leider hatte Daniela Frey Perez eine Woche etwas Pech mit dem Wetter. Als Hurrikan Michael in Richtung USA unterwegs war, regnete es immer wieder, und man durfte z.T. nicht ins Meer. Statt Trübsal zu blasen oder an der Hotelbar zu sitzen, machte die DH, was sie am besten kann. So gab sie Zahnpflege-Schulungen am Strand. Sie sagt: „Ich verschenke nicht einfach Zahnbürsten, sondern zeige, wie man diese richtig gebraucht. Alle waren sehr motiviert und haben die Tipps dankend angenommen.“

Im Herbst 2018 verzichtete Daniela Frey Perez auf eine Reise nach Haiti, weil im vorangegangenen Frühling im Kinderheim Tuberkulose ausbrach. Die Lage hat sich nun zum Glück normalisiert. Die Kinder bekamen eine Antibiotikatherapie. Nach dreimonatiger Pause infolge des hohen Ansteckungsrisikos konnte die haitianische Zahnfee ihre Arbeit wieder aufnehmen. Der erste Auftrag, Zahnbürstenaustausch wegen der Infektionsgefahr, wurde prompt umgesetzt. Daniela Frey Perez erhielt per WhatsApp Fotos von den ausgewechselten Zahnbürsten. Sie sagt: „Leider entstanden dadurch zusätzlich Plastikabfälle, aber in diesem Moment war mir die Gesundheit der Kinder wichtiger. Ich wollte unter allen Umständen verhindern, dass sich mehr Kinder anstecken.“

Meilensteine und Erfolge 2011–2018

Exportschlager Schulzahnpflege in die Dominikanische Republik. Erste Erfolge stellen sich ein. Es gab schon einen TV-Beitrag über Bella Risa. Ein Lokalsender hatte eine Reportage ausgestrahlt und in den Onlinemedien berichtetet. Die Schweizer Schulzahnpflege wurde als Vorbild erwähnt und in einem kurzen Ausschnitt waren sogar Schülerinnen und Schüler von Willisau beim Zahnpflegeunterricht zu sehen, was Daniela Frey Perez sehr stolz machte.

Im Kinderheim in Port au Prince wurden Workshops erfolgreich durchgeführt und alle Betreuerinnen im Heim instruiert und geschult. Ebenfalls in Haiti wurde eine Einheimische zur Schulzahnpflegeinstruktorin ausgebildet. So hat das Kinderheim dank Bella Risa inzwischen eine eigene Zahnfee erhalten. Bella Risa schafft also sogar Arbeitsplätze, die haitianische Zahnfee ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern.

Bella Risa ist weit mehr als nur Zähneputzen. Viele denken, die armen Inselbewohner haben doch andere Sorgen und Probleme als ihre Zähne. Aber es ist doch so – an den Zähnen hängt der ganze Körper. Längst ist wissenschaftlich belegt, dass Erkrankungen in der Mundhöhle Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben. Kinder mit desolaten Zähnen essen zum Beispiel nicht mehr richtig – Folge Mangelernährung, das heisst, sie haben Defizite oder erkranken und kommen deshalb nicht auf die Adoptionsliste. Es ist ein Teufelskreis. Verfaulte Zähne sind auch für die Ästhetik ein Problem, also eine Einbusse der Lebensqualität. Was passiert, wenn man deshalb keinen Job bekommt? Man wird vielleicht kriminell oder Ähnliches. 

Hohe Transportkosten und Ausblick 2019

Bella Risa ist gewachsen. Es begann 2011 mit 400 Zahnbürsten. Im Jahr 2018 waren es über 7‘000 Zahnbürsten und 5‘000 Zahnpasta/Becher/Mundspülungen usw., insgesamt über 12‘000 Mundhygieneartikel. Im Flugzeug lässt sich diese Menge nicht mehr mitnehmen, das wäre zu teuer. Heute geht alles per Schifffscontainer über den Atlantik. Mittlerweile gehören auch Schulmaterial, Kleider, Spielsachen, Möbel usw. dazu. Die Dentalhygienikerin sagt, sie könnte noch viel mehr mitnehmen. Aber oft fehlen die finanziellen Mittel, oder es gibt immer wieder unvorhergesehene Probleme und somit Mehrkosten, wie z.B. 2018, als der Transport über Italien umgeleitet werden musste, weil der Wasserstand des Rheins zu tief war und die Schiffe nicht fahren konnten.

Nach der Reise ist vor der Reise. Bereits seit 2018 laufen die Vorbereitungen für den Einsatz in diesem Jahr. Dies wird ein ganz spezielles Jahr für Bella Risa. Daniela Frey Perez plant erstmals statt Kisten gleich einen Container zu schicken. Sie sagt: „Es wird sicher wieder sehr emotional. Der Grund dafür ist, dass meine Mutter im November 2018 pensioniert wurde. Sie hat nur eine kleine AHV-Rente und muss gezwungenermassen aus der 4,5-Zi.-Wohnung ausziehen, wo ich als Jugendliche wohnte. Man kann sich vorstellen, was sich in 20 Jahren angesammelt hat. In die kleinere Wohnung kann natürlich nur noch ein Teil mitgenommen werden. Wir sind drei Kinder und haben schon begonnen auszusortieren. Mir war gar nicht bewusst, dass wir als Kinder so viele Spielsachen hatten. Statt alles zu entsorgen, möchten meine Mutter, meine Geschwister und ich viele Sachen an arme Leute in der Dominikanischen Republik und Haiti weitergeben.“ Daniela Frey Perez wird alles persönlich verteilen und überwachen, dies ist ihr persönlich ein grosses Anliegen und auch im Sinne ihrer Mutter. So kann diese hoffentlich etwas leichter Abschied nehmen, wenn sie weiss, die Sachen bekommen einen neuen Besitzer.

Spendenaufruf

Bella Risa ist ein nachhaltiges Projekt. Kaum ist die Dentalhygienikerin von einer Reise zurück, laufen auch schon die Vorbereitungen für die nächste an. Sie ist sehr stolz und freut sich immer wieder, zu sehen, was man erreichen kann. Wer hätte gedacht, dass aus jener Idee, welche im Spass entstanden ist, so ein grossartiges Projekt werden könnte.

Das Ziel von Daniela Frey Perez ist es, die Einsätze für Bella Risa regelmässig zu wiederholen, um den Lerneffekt nachhaltig zu gewährleisten und weitere Schulen und Waisenhäuser zu besuchen. Bis heute setzt sie ihr Projekt als Privatperson und ohne Unterstützung durch eine lokale Organisation um. Damit gewährleistet sie, dass die eingesetzten Gelder am richtigen Ort ankommen. Da hinter Bella Risa aber eben keine Organisation steht, ist Daniela Frey Perez auf finanzielle Mithilfe angewiesen und freut sich über jeden Zustupf, um noch lange alles weiterführen zu können. Ohne externe Hilfe haben private Projekte wie Bella Risa keine Chance.

Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie unter: www.bellarisa.ch oder in den sozialen Medien auf Facebook und Instagram (Bellarisa), daniela.frey@gmx.net

Spendenkonto für Projekt Bella Risa: Daniela Frey Perez, Raiffeisenbank, 6130 Willisau, IBAN CH32 8121 1000 0077 1580 7, Vermerk: Bella Risa

Foto: Daniela Frey Perez
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