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Branchenmeldungen 13.05.2014

Frühjahrsakademie der DGET 2014 an der Uni Witten/Herdecke

Frühjahrsakademie der DGET 2014 an der Uni Witten/Herdecke

Am 9. und 10. Mai 2014 fand an der ersten privaten Universität in Witten/Herdecke die Frühjahrsakademie (FJA) der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V. (DGET) statt.

Die Institution der FJA ist seit Jahren bewährt und verfährt nach dem Konzept: Von Mitgliedern für Mitglieder. Dies bedeutet, dass die erfahrenen Mitglieder der DGET ihr Wissen und Können zur Verfügung stellen, um praxisnahe Hands-on-Kurse anzubieten. Der Erfolg der FJA zeigt sich auch in der regelmäßigen äußerst raschen Ausbuchung der Kurse.

Am Freitagvormittag haben wie gewohnt Teilnehmer des Curriculums sowie zertifizierte Mitglieder und angehende Spezialisten an Prüfungen teilgenommen. Die Absolventen konnten anhand der vorher eingereichten Behandlungsfälle ihre Fortschritte eindrucksvoll belegen und das Curriculum erfolgreich abschließen. Die DGET gratuliert Charles Stefan Abraham/Jork, Dr. Katrin Adis/Fürth, Fadma Al Ghaddioui/Leverkusen, Dr. Pia Bodenburg/Bovenden, Dr. Johannes Christmann/Stuttgart, Dr. Andres Fernandez-Tenllado/Osteel, Emanuel Gärtner/Bergisch Gladbach, Dr. Marc Hetheier/Herdecke, Dr. Thorsten Clemens Hoopmann/Bremen, Britta Janowski-Brom/Plankstadt, Dr. Stefan Klinge/Kiel, Dr. Nadine Knoll/Oelsnitz, Dr. Tobias Mackert/Bayreuth, Dr. Tobias Paul May/Herford, Dr. Mark Meisel/Heroldsberg, Dr. Christian Mihlan/Zell am Main, Dr. Christiane Paschold/Rudolstadt, Dr. Martina Reich/Mainz, Dr. Eva Schneider/Bonn, Gabriele Timmermann/Schweinfurt, Dr. Adrienn Török/Budapest, Elisa Tullius/Köln, Dr. Florian Wenninger/Nürnberg zum erfolgreichen Abschluss! Neu in den Reihen der „Spezialisten Endodontologie der DGET“ ist Dr. Dimos Panagidis aus Heidelberg.

Prof. Dr. Stefan Zimmer, Leiter der Zahnklinik der Universität Witten/Herdecke, begrüßte die Teilnehmer und Referenten zu dieser durchaus anspruchsvollen Veranstaltung, bevor Freitagmittag das eigentliche Tagungsprogramm mit zahlreichen Workshops und Vorträgen begann. Die Teilnehmer konnten sich aus zwanzig verschiedenen Hands-on-Kursen und theoretischen Seminaren ein individuelles dreiteiliges Programm zusammenstellen und sich eineinhalb Tage umfassend rund um das Thema Endodontie informieren.

Impressionen der Veranstaltung

 

Session 1

 „Spezielle Fälle – spezielle Feilen“. Der von Zahnarzt Klaus Lauterbach/Plankstadt angebotene Workshop war nur einer der alljährlich angebotenen und immer wieder gerne besuchten Klassiker der diesjährigen Tagung. Die Teilnehmer lernten an extrahierten Zähnen die Anwendung spezieller Feilen zur Bearbeitung besonderer Kanalanatomien, wie zum Beispiel die Aufbereitung stark gekrümmter oder obliterierter Wurzelkanäle, das Aufsuchen und Aufbereiten des middle-mesial, mb2 oder sogar mb3. Auch der Hands-on-Kurs „MTA“ stieß wie immer auf breites Interesse unter den Kollegen. Thomas Clauder/Hamburg übte mit den Teilnehmern unter dem Mikroskop die diffizile Handhabung des Reparaturzements MTA und erläuterte die diversen Indikationsbereiche. MTA wird seit fast 20 Jahren zum Verschluss iatrogener Perforationen, zur Apexifikation, als retrogrades Wurzelfüllmaterial sowie zur Abdeckung der vitalen Pulpa verwendet. Verschiedene Techniken der Entfernung frakturierter Wurzelkanalinstrumente erläuterten Dr. Clemens Bargholz/Hamburg und Dr. Christoph Zirkel/Köln in ihrem praktischen Arbeitskurs „Fragmententfernung“. Dabei kommt in der Mehrzahl aller frakturierten Instrumente die Entfernung mittels Ultraschall zum Einsatz, aber auch die Tube-Technik oder die Braiding-Technik sind gängige Entfernungsmethoden. „Komplikationsmanagement in der Endodontie“ nannte sich der Vortrag von Prof. Dr. Rudolf Beer/Witten/Herdecke und beinhaltete u.a. das Vorgehen bei der Notfallbehandlung pulpitischer Zähne und bei Zähnen mit akuter apikaler Parodontitis. Es wurden Strategien im Bereich der Instrumentationstechnik, der Desinfektion und der postendodontischen Restauration aufgezeigt, um Komplikationen und Misserfolge zu vermeiden. Über den endodontischen Tellerrand blickte der Vortrag „Vermeidung von Misserfolgen durch vollständige biopsychologische Diagnostik – über Angst und Schmerz“ von Prof. Dr. Hans-Peter Jöhren/Bochum. Psychosomatische Krankheitsbilder sind in der Zahnmedizin nicht selten und können chronische und atypische Schmerzen, Odontalgien, Depressionen und Angststörungen verursachen, weshalb jeder Zahnarzt um die Existenz verschiedener psychosomatischer Krankheitsbilder wissen sollte. Für alle wissenschaftlich tätigen und begeisterten Kollegen erarbeitete Prof. Dr. Christian R. Gernhardt/Halle (Saale) die Grundlagen der Literaturrecherche und -verwaltung und machte die Teilnehmer mit unterschiedlichen Publikationsmedien vertraut. Ziel war es, die Literatursuche und Literaturverwaltung sowie die Beurteilung medizinischer Fachliteratur zu erlernen.

Wie immer kam auch die zahnmedizinische Assistenz auf dieser Frühjahrstagung nicht zu kurz, wobei das Hauptaugenmerk dieses Jahr nicht wie sonst auf der Abrechnung lag. Sina Schröder/Hamburg referierte über Hand- und rotierende Instrumente in der endodontischen Behandlung und schulte die Teilnehmerinnen in der Aufbereitung von Instrumenten, in der Nachbereitung am endodontischen Arbeitsplatz, der Behandlungsdokumentation und im Bereich des Qualitätsmanagements.

Session 2

Der Samstagvormittag startete bereits um 8.45 Uhr mit einem abwechslungsreichen Programm. Bis auf den letzten Platz besetzt war der Kurs „Dokumentation mit dem Dentalmikroskop: Mythen, Fakten, Lösungen“. Voller Enthusiasmus und mit einem enormen Fachwissen begegnete Oscar von Stetten/Stuttgart seinen begeisterten Zuhörern, die von der Erfahrung des Referenten nur profitieren konnten. Vorgestellt wurden im Mikroskop integrierte Full-HD-Kamerasysteme sowie extern am Mikroskop mit entsprechenden Adaptern anzubringende Fotokameras. Auch die Foto- und Videobearbeitung sowie die anschließende Datenverwaltung mithilfe der Software wurden vermittelt. Die ausgiebige Diskussion im Anschluss des Vortrags machte das zunehmende Interesse vieler Behandler an der Dokumentation ihrer Behandlungen deutlich. Hinsichtlich der hohen Kosten und der Komplexität der meisten Dokumentationssysteme kann man auf die Wiederholung solcher Vorträge bei zukünftigen Tagungen hoffen. Auch der äußerst beliebte Kurs „Squirt your root canal!“ stand dieses Jahr wieder auf dem Programm. Als „Squirting-Technik“ bezeichnet man die thermoplastische Obturation des Wurzelkanalsystems ohne Verwendung eines Masterpoints. Dr. Carsten Appel/Bonn demonstrierte den interessierten Kollegen zunächst die für diese Technik erforderliche Wurzelkanalpräparation. Im Anschluss konnten die Teilnehmer an mitgebrachten extrahierten Zähnen die Aufbereitungs- und Abfülltechnik klinisch üben. Der Erfolg der Übungen wurde sodann mittels Röntgenkontrolle überprüft. Das Wissen eines endodontisch tätigen Zahnarztes sollte sich nicht nur auf die Behandlung des Endodonts beschränken. Häufig ist der Zahnerhalt endodontisch behandlungsbedürftiger Zähne durch einen ausgeprägten Substanzverlust stark eingeschränkt. Für die Vermeidung von parodontalen Entzündungen und Frakturen prothetisch versorgter und endodontisch behandelter Zähne ist die Einhaltung der biologischen Breite und die Einhaltung eines Ferrules von zirkulär 2 mm von größter Wichtigkeit. Dr. Jan Behring, M.Sc./Hamburg und Prof. Dr. Dr. Rüdiger Junker, M.Sc./Krems (Österreich) zeigten Indikationen, Limitationen, Techniken und Alternativen der chirurgischen Kronenverlängerung. Einem Spezialisten konnte man während der Behandlung eines komplexen Zahnes über die Schulter schauen. Dr. Ralf Schlichting/Passau demonstrierte den Zuschauern mittels Live-Übertragung über das Operationsmikroskop sein Vorgehen bei der Revisionsbehandlung eines komplizierten Falles. Ein funktionierendes Qualitätsmanagement wird sowohl in der allgemeinzahnärztlichen Praxis als auch in der Spezialistenpraxis immer wichtiger, um Fehlern vorzubeugen. Dr. Holger Rapsch/Rheine gab eine Einführung in das Thema Qualitätsmanagement. An zahlreichen praxisnahen Beispielen half er den Teilnehmern, Arbeitsabläufe in ihrer eigenen Praxis reibungsloser zu gestalten. Einer von zwei Ergonomiekursen am Dentalmikroskop mit Assistenz war der von Dr. Richard A. Hilger/Düsseldorf und Susanne Hilger/Düsseldorf. Dieser Kurs richtete sich an Behandler und ihr Assistenzteam. Geübt wurden die korrekte Arbeitsplatzgestaltung, das richtige Instrumentieren unter dem OP-Mikroskop und ein einfacher Instrumentenwechsel in Vier- und Sechshandtechnik. Die Revision eines bereits endodontisch behandelten Zahnes ist oft die letzte und bei sorgfältiger Durchführung meist vielversprechende Option, einen Zahn vor einer Extraktion zu bewahren. „Revision wurzelbehandelter Zähne“ lautete der zweiteilige Kurs von Dr. Wolf Richter/München. In einem theoretischen Teil am Samstagvormittag wurde zunächst ein Konzept bei der Durchführung der Revisionsbehandlung vorgestellt. Neben der korrekten Zugangskavität und genauer Kenntnisse der Anatomie des jeweiligen Zahnes trägt auch die Anwendung spezieller Feilen und Lösungsmittel zum jeweiligen Behandlungserfolg bei.

Session 3

Am Samstagnachmittag folgte der praktische Teil des Revisionskurses, in dem die Teilnehmer an mitgebrachten Zähnen übten, die zuvor theoretisch vermittelten Kenntnisse in die Tat umzusetzen. Die tägliche Arbeit am Mikroskop kann durch eine ungünstige Sitzposition und unvorteilhafte Organisation des Arbeitsplatzes auch das Entstehen von Rücken- und Schulterbeschwerden begünstigen. Ein weiterer Ergonomiekurs für das gesamte Behandlungsteam wurde deshalb am Nachmittag von Dr. Bijan Vahedi/Augsburg und Oscar von Stetten/Stuttgart angeboten. Geübt wurde die Positionierung des Behandlungsteams am Mikroskop in Abhängigkeit von der zu behandelnden Region sowie die blinde Zusammenarbeit zwischen Assistenz und Behandler. Eine praxisbezogene Vortragsreihe präsentierten Dr. Annette Roth/Pinneberg, Dr. Bernhard Albers/Norderstedt und Dr. Bernard Bengs/Berlin. Dr. Roth referierte über nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum sowie tiefe Zahnkronenfrakturen und anatomische Besonderheiten der Inzisiven in der dentalen Traumatologie. Anhand zahlreicher Fallbeispiele aus eigener Praxis zeigten Dr. Albers das Erstellen der primären und sekundären Zugangskavität bei Erstbehandlungen und Revisionen und Dr. Bengs die Herausforderungen in der Behandlung komplizierter Kanalanatomien. Weiter mit komplizierten Kanalanatomien, und zwar mit den Schwierigkeiten beim Auffinden des mb2, ging es in dem Hands-on-Kurs mit Dr. Winfried Zeppenfeld/Flensburg. Unter dem Mikroskop wurde das Aufsuchen des mb2 an extrahierten Zähnen geübt. Häufig lassen sich schon durch die richtige Interpretation des Röntgenbildes und der Zahnmorphologie Rückschlüsse auf die Wurzelkanalanatomie ziehen. Um eine schnellere und kostengünstige Wurzelkanalaufbereitung zu erreichen, wurden in den letzten Jahren permanent neue maschinelle Aufbereitungssysteme entwickelt. Eines davon ist Reciproc®, ein System, das dafür konzipiert wurde, den gesamten Wurzelkanal mit nur einem einzigen Instrument aufzubereiten. Das Instrument rotiert dabei abwechselnd im und gegen den Uhrzeigersinn, was ein Einschrauben des Instrumentes in den Kanal verhindern und die Bruchgefahr minimieren soll. Die Anwendung der reziproken Aufbereitung konnten interessierte Kollegen an extrahierten Zähnen in dem Kurs von Prof. Dr. Claudia Barthel-Zimmer/Witten/Herdecke und Dr. Ljubisa Markovic/Witten/Herdecke ausprobieren. Im zweiten Teil des Kurses übten die Teilnehmer, frakturierte Instrumentenanteile mittels Ultraschalltechnik zu entfernen. „Überweiserpraxis und Spezialist mit Tiefgang? Oder Aufbau von Netzwerken in der zahnärztlichen Allgemeinpraxis“, so lautete das Thema des Vortrags von Betriebswirt Klaus Schmitt/Nierstein-Schwabsburg. Anhand von zwei Praxen, die der Referent selbst begleitet und beraten hat, wurden Vorgehensweisen aufgezeigt, wie eine abgeschlossene Spezialisierung in der Endodontie in ein Praxiskonzept integriert werden kann. Ein Konzept kann die ausschließliche Limitierung der Praxis auf den Bereich Endodontie sein – vorgestellt wurden Strategien und Maßnahmen, die aus einer vormals allgemeinzahnärztlich ausgerichteten Praxis eine Spezialistenpraxis gemacht haben. Ein anderes Konzept ist dagegen die Ausrichtung der Praxis als Mehrbehandlerpraxis mit der Ausübung eines Tätigkeitsschwerpunktes in Endodontie.

Gegen 17 Uhr am späten Samstagnachmittag verabschiedeten sich die Teilnehmer nach einem interessanten eineinhalbtägigen Programm. Anhand der beachtlichen Teilnehmerzahl können wir uns schon jetzt auf die kommende Frühjahrsakademie in Dresden freuen.

Quelle: DGET

Foto: © DGET
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