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Branchenmeldungen 14.03.2018

Gmünder Zahnarzt: Zwölfjähriger Kampf um Doktortitel

Gmünder Zahnarzt: Zwölfjähriger Kampf um Doktortitel

Einem serbischen Zahnarzt, der jahrelang in Gmünd praktizierte, wurde 2006 unrechtmäßig durch die Zahnärztekammer der Doktortitel aberkannt. Der Zahnarzt bewies langen Atem und kämpfte zwölf Jahre für sein Recht.

Seine Beharrlichkeit zahlt sich nun aus: Das Bundesverwaltungsgericht entschied zugunsten des Zahnarztes. Das Gericht erklärt, der Eintrag seines Doktortitels in der Zahnärzteliste der Österreichischen Zahnärztekammer hätte nicht gelöscht werden dürfen. Das Gericht verweist mit seinem Urteil auf die EU-Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die durch das slowenische Ministerium beschlossen wurde. Seither darf der Zahnarzt seinen akademischen Grad wieder tragen, wie NÖN.at berichtet.

Dass er diesen jedoch zwölf Jahre entbehren musste, hatte Auswirkungen auf seine Berufsausübung. Da er befürchtete, Patienten würden einem „einfachen“ Zahnarzt weniger Vertrauen schenken als einem Doktor, hatte er den Traum von der eigenen Praxis nie verwirklicht. Zudem wirkte sich die psychische Belastung auf seinen Gesundheitszustand aus, sodass er in eine Depression schlitterte.

Auch wenn der Fall nun als abgeschlossen gilt, könnte dies noch Folgen für die Zahnärztekammer haben. So plant der Anwalt des Zahnarztes eine Schadenersatzklage.

Dass es überhaupt zu diesem Fehlurteil der Zahnärztekammer kommen konnte, hängt im weitesten Sinne mit dem Zerfall Jugoslawiens, der Heimat des Zahnarztes, zusammen. Bereits 1986 hatte der Serbe an der Universität Belgrad seinen Doktortitel erworben – damals eine der besten Zahnmedizinischen Fakultäten weltweit. Aufgrund der politischen Unruhen Ende der 1990er-Jahre verließ der Zahnarzt gemeinsam mit seiner Familie das Land und erhielt die Genehmigung, in Österreich zu praktizieren. Mehrere Jahre lief alles reibungslos, bis 2006 die Zahnärztekammer aus der Ärztekammer gelöst wurde.

Sein Doktortitel verschwand ohne ersichtlichen Grund plötzlich aus der Zahnärzteliste. Es folgte ein jahrelanger Briefverkehr, jedoch ohne offiziellen Bescheid vonseiten der Zahnärztekammer. Ohne diesen hatte der Zahnarzt aber auch keine Mittel, vor Gericht zu ziehen. Erst 2017 lehnte die Kammer dann endlich den Antrag auf Eintragung des Doktortitels ab – die Voraussetzungen, vor das Verwaltungsgericht zu ziehen, waren gegeben.

Auf Nachfrage, wie die Österreichische Zahnärztekammer zu diesem Fall stehe, teilte sie ZWP online mit: „…, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelt, in dem aus unserer Sicht ein fehlerhaftes Urteil ergangen ist, das wir aber selbstverständlich umgesetzt haben.“

Foto: Şкץαηđรτα® – stock.adobe.com
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