Branchenmeldungen 27.02.2026
Vom KI-Investor zur elektrischen Zahnbürste – Warum Frank Thelen auf Dental setzt
share
Sie gelten als Tech-Investor mit Fokus auf Robotik, KI und Raumfahrt. Warum ausgerechnet Zahnbürsten. Was hat Sie am Dentalmarkt strategisch so gereizt, dass Sie hier einsteigen?
Ich bin tatsächlich über „Die Höhle der Löwen“ auf das Thema gestoßen, genauer gesagt über eine Zahl, die mich wirklich überrascht hat: Rund 40 Prozent der Deutschen putzen immer noch mit der Hand. In meiner Welt aus KI, Robotik und Deep Tech hätte ich gedacht, das Thema Handzahnbürste sei längst Geschichte. Diese Marktlücke hat mich ehrlich gesagt fassungslos gemacht. Meine Frau ist Kieferorthopädin und begegnet dem Thema täglich in der Praxis. Sie hat mir sofort bestätigt, wie groß der Unterschied zwischen Hand- und Elektroreinigung ist. Über die Recherche, wer in Deutschland wirklich gute Schalltechnologie mit hochwertigem Design verbindet, bin ich auf Zahnheld gestoßen und war zunächst einfach Kunde. Dann habe ich Fabian als Kopf hinter dem Produkt kennengelernt und er hat mich begeistert. Bei seinem Produkt ist jedes Detail durchdacht. Er hat eine starke Roadmap für die nächsten Jahre und war offen mit uns Zahnheld 2.0 zu bauen.
Hand aufs Herz: Putzen Sie selbst elektrisch? Und wenn ja, warum haben Sie diesen Markt nicht schon früher als Investmentfeld entdeckt?
Natürlich putze ich seit Jahren elektrisch, allein schon, weil ich von meiner Frau sehr klar weiß, wie groß der Effekt ist. Früher lag mein Fokus stärker auf Themen wie KI, Raumfahrt und Robotik. Um meinen 50. Geburtstag herum habe ich begonnen, mich intensiver mit Longevity zu beschäftigen, also der Frage, wie man gesund älter wird. Wenn mich ein Thema interessiert, gehe ich tief rein. Und wer sich ernsthaft mit Longevity beschäftigt, merkt schnell: Ohne gute Mundhygiene geht es nicht. Mundgesundheit ist ein unterschätzter Schlüssel zur allgemeinen Gesundheit.
Longevity ist derzeit ein starkes Narrativ im Tech-Umfeld. Ist Mundhygiene für Sie ein tatsächlich unterschätzter medizinischer Hebel oder ein strategisch kluges Einstiegssegment in einen konsumstarken Alltagsmarkt mit Gesundheitsbezug?
Beides. (lacht) Wissenschaftlich ist längst belegt, dass der Mund das „Tor zum Körper“ ist. Chronische Zahnfleischentzündungen, das sogenannte Inflammaging, sind ein massiver Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Wer länger gesund bleiben will, muss im Mund anfangen. Gleichzeitig ist der Dentalmarkt ein extrem spannender Alltagsmarkt mit enormer Größe und Konsumrelevanz. Für mich als Investor mit Fokus auf Technologie und Impact ist das die perfekte Kombination aus echtem gesundheitlichem Nutzen und wirtschaftlicher Skalierbarkeit.
Der Markt für elektrische Zahnbürsten ist seit Jahrzehnten etabliert und wird von internationalen Konzernen dominiert. Wo sehen Sie realistisch Raum für echte technologische Innovation und wo wird lediglich neu positioniert, was es technisch längst gibt?
Viele Produkte sind inzwischen austauschbar. Viel Marketing, wenig Substanz. Zahnheld will bewusst einen anderen Weg gehen. Keine bunte Plastikzahnbürste, sondern Qualität, Wirkung und Design. Die Schalltechnologie ist leistungsstark und zugleich angenehm. Die Features sind durchdacht, das Gesamterlebnis hochwertig. Mir geht es nicht darum, die Technologie komplett neu zu erfinden, sondern sie besser zu denken. Klarer, ehrlicher und nachhaltiger. Genau das schafft Vertrauen in einem Markt, der von großen Konzernen oft stark marketinggetrieben bespielt wird.
Deutschland gilt als starker MedTech-Standort, gleichzeitig klagen viele mittelständische Unternehmen über Bürokratie, Regulierung und langsame Entscheidungsprozesse. Ist Europa aus Ihrer Sicht derzeit ein attraktiver Innovationsstandort oder verlieren wir im internationalen Wettbewerb an Tempo?
Wir verlieren aktuell den Anschluss. Wir haben in Europa großartige Ingenieure, starke Forschung und viele mittelständische Hidden Champions. Aber wir scheitern zu oft an langsamen Entscheidungswegen, überbordender Regulierung und fehlendem Wagniskapital.
Wenn wir die nächsten globalen Tech-Märkte mitgestalten wollen, müssen wir mutiger und schneller werden.
Wenn wir uns in einem Jahr wieder sprechen. Woran würden Sie erkennen, dass Ihr Einstieg in den Dentalmarkt mehr war als nur ein guter Deal, sondern ein echter Beitrag zur Mundgesundheit?
Nicht nur am Umsatz, sondern daran, ob weniger Menschen mit der Hand putzen. Wenn elektrische, wirksame Zahnpflege zum Standard wird, haben wir einen echten Impact geschaffen, gesundheitlich und wirtschaftlich.
Sie sprechen gern von Disruption. Gibt es Bereiche, in denen Sie ganz bewusst analog bleiben oder ist technologischer Fortschritt für Sie immer die bessere Wahl?
Ich bin ein großer Fan von Technologie, wenn sie echten Fortschritt bringt. Aber Fortschritt heißt nicht, alles digitalisieren. Ein Spaziergang ohne Handy, Gespräche ohne Screens, Offline auf dem Meer oder in den Bergen, das gehört für mich genauso dazu. Technologie soll unser Leben besser machen, nicht dominieren.
Herr Thelen, wir sprechen uns in einem Jahr wieder. Dann schauen wir, wie viele noch mit der Hand putzen. Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Zeit.