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Branchenmeldungen 07.08.2019

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“

Dr. Gottfried Fuhrmann war sieben Jahre Präsident des Österreichischen Dentalverbandes. Über die Herausforderungen dieser Zeit sprach er mit Majang Hartwig-Kramer, Redaktionsleiterin der Dental Tribune Österreich.

Seit 36 Jahren ist der studierte Jurist Dr. Gottfried Fuhrmann in der Den­talbranche aktiv und arbeitete in Bensheim, Frankfurt am Main, Han­nover, Saarbrücken und Wien.

Dental Tribune Österreich: Herr Dr. Fuhrmann, auf der letzten Generalversammlung am 29.Juni 2019 in Anthering nahmen Sie Abschied von Ihrer Funktion als ODV-Präsident. Was haben Sie in den sieben Jahren Ihrer Präsidentschaft auf den Weg gebracht?

Dr. Gottfried Fuhrmann: Was wir – Vorstand und Fachbeirat – in der Zeit meiner Präsidentschaft realisieren konnten, ist sehr umfangreich. Die Förderung von Qualitätsstandards ist in den Statuten als ganz wichtig beim Vereinszweck festgehalten. Hier haben wir vier Schritte verwirklichen können. Der erste Schritt war der Beschluss der Generalversammlung 2013, den noch vor meiner Präsidentschaft entwickelten ODV-Kodex als für alle Mitglieder verbindlich festzulegen. Er beschreibt die grundlegende Wertvorstellung des ODV im Sinne von Leitlinien für sich und seine Mitglieder und stellt somit einen Auftrag zur entsprechenden Handlungsweise an die Organe des Vereins. Er dient also als Orientierung für die Mitglieder. Als nächste Stufe folgte, daraus abgeleitet, das Legal Compliance Audit. In diesem wird durch einen externen Auditor überprüft, ob sich die auditierte Firma an die Richtlinien des ODV-Kodex hält. Einen weiteren Schritt stellt das Good Dental Distributor Practice (GDDP) Audit dar. Dafür gibt es ein eigenes Handbuch, in welchem beschrieben wird, welche Standards geprüft werden. Dieses Handbuch wurde 2018 überarbeitet und entspricht in seinen Forderungen bereits den Medical Device Regulation, die im Mai 2020 in Kraft treten. Das erfolgreiche Audit erlaubt den auditierten Firmen, das Logo zu führen. Elf namhafte Dentalfirmen haben das Audit und die alle zwei Jahre notwendigen Re-Audits abgeschlossen. Der derzeit letzte Schritt, der bereits in die Wege geleitet wurde, ist der Plan, dass diese Qualitätsregelungen im Rahmen von Austrian Standard verbindliche Norm werden.

Basis für die Erfüllung der Qualitätsstandards ist die laufende Schulung. Der ODV bietet dazu viermal im Jahr Face-to-Face Schulungen für Medizinprodukteberater. Zusätzlich gibt es noch zwei Angebote von Schulungen über das Internet. Dies sind einerseits das Schulungsangebot des Bundesverbands des Deutschen Dentalhandels und andererseits ein Angebot des Instituts für Compliance im Gesundheitswesen. Zusätzlich gab es noch anlassbezogene Informationsveranstaltungen wie z. B. für die Datenschutz-Grundverordnung. Um den immer höher werdenden Ansprüchen zu genügen, hat der Vorstand beschlossen, die ODV-Akademie zu gründen.

Wie gestalteten sich die Öffentlichkeitsarbeit und die Kooperation mit Fachverbänden?

Hier stelle ich an den Anfang ein großes „Danke“ an die Dentalmedien. Uns war es immer wichtig, den Markt über die Tätigkeit des ODV zu informieren. Dies gelang in erster Linie über die Printmedien. Hier wurde über Veranstaltungen des ODV berichtet wie Wiener Internationale Dentalausstellung, Klausurtagung, Generalversammlung und Schiweltmeisterschaften, aber auch über die Übergabe von Zertifikaten für erfolgreiche GDDP-Audits und die jeweils Jahresbesten. Weitere Beiträge betrafen Fachartikel, welche unter der Flagge des ODV veröffentlicht wurden sowie Artikel des ODV mit Erläuterungen zu LC- und GDDP-Audits und Informationen über die Leistungen des ODV. Ein anderer Weg zur Informationsweitergabe sind unser Internetauftritt, die Vertretung auf Facebook und der Jahresbericht.

Die Vereinsstatuten fordern auch die Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Verbänden. Dies erfolgt mit den Zahnärzten einerseits durch den Austrian Dental Award. Dieser wird gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Zahn-, Mund-und Kieferheilkunde ausgeschrieben. Eine zweite Zusammenarbeit mit den Zahnärzten wurde 2013 mit dem ODV-Wissenschaftspreis des ZIV ins Leben gerufen. Gut angenommen wurde auch das Angebot des ODV an den Zahnärztlichen Interessenver¬band und das Zahnärztliche Fortbildungsinstitut, Vorträge im Rahmen des WID-Forums zu halten. Gleichartige Angebote gab es auch an die Innung der Zahntechniker. Auf internationaler Ebene ist der ODV-Mitglied in der Association of Dental Dealers in Europe (ADDE).

Hat der ODV in den vergangenen Jahren auch Marktdaten erfasst und Befragungen durchgeführt?

Es wurden zwei Versuche gestartet, über Abfrage bei den Mitgliedsfirmen Daten über Stückzahlen und Umsätze des Marktes zu erhalten. Obwohl die Abwicklung über eine Notariatskanzlei erfolgte, überwogen die Forderungen nach Anonymität, sodass den Projekten kein Erfolg beschieden war. Erfolgreich war jedoch eine Marktbefragung zum Thema des Einkaufsverhaltens junger Zahnärzte. Erfreulich, weil sehr positiv, fiel auch die Befragung der Mitarbeiter der Mitgliedsfirmen aus, in welcher sie über den ODV und seine Aktivitäten urteilen sollten.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Besonders stolz bin ich über die Entwicklung zum Thema Schulungen. Die Schulungsangebote für die vom Gesetz geforderten Schulungen der Medizinprodukteberater wurden von den Mitgliedern lange nicht angenommen. Stetes Hinweisen und die Ausweitung des Angebotes auf vier Termine im Jahr haben den Umschwung gebracht, sodass diese Veranstaltungen sehr gut besucht sind. Die Gründung der ODV-Akademie in Zusammenarbeit mit der Sigmund Freud Universität ist sicherlich der derzeitige Höhepunkt in der Entwicklung unseres Schulungsangebotes. Im Herbst startet nun der Universitätslehrgang „Experte im Medizinproduktehandel (Dental)“.

Was geben Sie dem neuen Vorstand um Roman Reichholf mit auf den Weg?

Ein Grund, weshalb ich nicht weiter im ODV tätig sein wollte, war die Tatsache, dass die „Jungen“ Aufgaben und Lösungen anders sehen. Es wäre daher ganz verkehrt, Ratschläge zu erteilen. Der neue Vorstand wird die Ziele des Vereins beachten und das machen, was für alle Mitglieder gut und richtig ist, und ich wünsche ihm dazu viel Kraft und Erfolg.

Und nun noch eine ganz private Frage: Sie waren 35 Jahre in der Dentalbranche aktiv. Gehen Sie nun in den „echten“ Ruhestand oder gibt es noch Pläne, der dentalen Welt treu zu bleiben, sei es als Berater oder Lehrperson?

Aus heutiger Sicht ist das Thema Dental abgeschlossen. Eine Ausnahme ist meine weitere Tätigkeit als Juror beim ODV-Wissenschaftspreis des ZIV. Darum hat mich Roman Reichholf gebeten und das mache ich, solange kein Mitglied des Vorstands diese Aufgabe übernehmen will, gerne. Und natürlich steht das Angebot, meine Nachfolger bei der Übernahme ihrer Aufgaben zu unterstützen, und dies wird auch angenommen.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen und mich bei allen, die mich in den letzten sieben Jahren begleitet und auch denen, die zum gemeinsamen Erfolg beigetragen haben, bedanken. Ihnen allen wünsche ich für ihre Zukunft das Beste!

Vielen Dank für das Gespräch, Dr. Fuhrmann, und alles Gute für die Zukunft.

 

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