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Branchenmeldungen 17.11.2017

Traumberuf ZFA: Behörde verweigert Ausbildung

Traumberuf ZFA: Behörde verweigert Ausbildung

In Oldenburg streiten gerade die Bundesagentur für Arbeit und die Landeszahnärztekammer Niedersachsen (ZKN) um die Deutungshoheit einer Statistik. Anlass ist eine junge Frau, die eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachassistentin (ZFA) beginnen möchte. Streitursache: ihr Pass.

Sonia Mohadjeri, die in Kanada geboren wurde und kanadische Staatsbürgerin ist, liefert ein gutes Beispiel dafür, wie verzweigt die Migrationsgeschichte einer Person sein kann. Ab dem fünften Lebensjahr verbringt sie einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend in Deutschland. Danach ging die Tochter einer Iranerin und eines Deutschen mit iranischen Wurzeln mit ihrem Ehemann erst nach Kanada, später in den Iran. Im Jahr 2016 kehrt sie nach Deutschland zurück und sucht einen Erwerb. Allerdings wird ihre in Kanada absolvierte Ausbildung nicht anerkannt. Deshalb möchte sie eine neue beginnen.

Wäre Frau Mohadjeri deutsche Staatsbürgerin, hätte sie kein Problem. Mit dem Zahnarzt, in dessen Praxis sie zuvor ein Praktikum absolvierte, war sie sich schon einig geworden. Da sie aber keinen deutschen Pass ihr eigen nennt, gilt es für den Beginn der Ausbildung eine weitere Formalie zu überwinden: Die Zustimmung zweier Behörden ist vonnöten. Der übliche Weg für Nicht-EU-Bürger, eine Arbeit oder eine Ausbildung in Deutschland aufzunehmen, ist der Gang zur Ausländerbehörde der jeweiligen Kommune, die nach Rücksprache mit der zuständigen Agentur für Arbeit eine Genehmigung ausstellen kann. Letztere Behörde kann dem aber nur zustimmen, wenn sie den Bedarf an Arbeitskräften oder an Auszubildenden im betreffenden Segment als nicht gedeckt ansieht.

Sowohl der Zahnarzt, in dessen Praxis Frau Mohadjeri sich ausbilden lassen möchte, als auch die Zahnärztekammer wissen um den Bedarf an ZFA – ganz anders sieht es allerdings die Bundesagentur für Arbeit. Sie verweigert die Zustimmung, weil es auf dem Arbeitsmarkt ausreichend bevorrechtigte Bewerber gebe, berichtet NWZ ONLINE.

Bei der ZKN kennt man die Umfragen zu Berufswünschen von Schulabgängern, auf die die Agentur für Arbeit ihre Argumentation des gesättigten Bedarfs stützt: Die ZFA-Ausbildung ist der Wunsch vieler. In der ZKN weiß man aber auch: Knapp ein Drittel der Ausbildungsverträge wird noch im ersten Jahr wieder aufgelöst – und, dass die Nachfrage nach ZFA-Auszubildenden eben nicht gesättigt ist.

Sonia Mohadjeri hofft indes weiter auf ihre Traumausbildung, denn ihr erscheint das Argument der Behörde als fadenscheinig: Die Arbeitsaufnahme als Aushilfe in einer Boutique wurde ihr erlaubt. Ihre Schwester versucht inzwischen, sie mit einer Petition zu unterstützen.

Foto: Bundesagentur für Arbeit
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