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Praxishygiene 29.11.2019

Sauber ≠ sauber: Wascht Eure schmutzige Wäsche woanders!

Sauber ≠ sauber: Wascht Eure schmutzige Wäsche woanders!

Was früher lediglich anstelle oder zum Schutz der privaten Kleidung getragen wurde, spielt mittlerweile in vielen Praxen eine entscheidende Rolle: Die Berufskleidung. Häufig wird sie modisch aufeinander abgestimmt vor allem in der Farbgebung und in der Passform. Dabei dient sie als optisches Erkennungsmerkmal der Teammitglieder, als Zeichen eines professionellen Corporate Designs, aber nicht zuletzt auch als Qualitätsmerkmal für ein einheitliches Vorgehen in der Praxis.

Während mit Berufskleidung das ganz normale Outfit von Zahnarzt und Team am Arbeitsplatz bezeichnet wird, handelt es sich bei der Schutzkleidung um Gegenstände, die zusätzlichen Schutz vor Verletzungen oder Infektionen bieten sollen. Dazu gehört beispielsweise Handschuhe, Kopfbedeckung, Schutzbrillen sowie ein gut anliegender Mund- und Nasenschutz.

Unter Umständen sind aufeinander abgestimmte, modische Berufsmoden teurer als herkömmliche weiße Kleidung aus dem Kaufhaus. Bunte Farben können leichter einmal ausbleichen oder die Kleidungsstücke können einlaufen und müssen neu angeschafft werden. Da stellt sich generell die Frage, wer denn eigentlich die Kosten für die Anschaffung bzw. Wiederbeschaffung trägt.

Arbeitskleidung ≠ Schutzkleidung

Bei dieser Fragestellung muss unterschieden werden, ob es sich um normale Arbeitskleidung (also Berufskleidung) oder gesetzlich vorgeschriebene Schutzkleidung handelt. Ist letzteres der Fall, schreibt §3 ArbSchG dem Arbeitgeber vor, die jeweiligen Elemente kostenlos bereitzustellen. Besteht ein Arbeitnehmer aus persönlichen Gründen darauf, spezielle Berufskleider zu seinem Schutz zu tragen, ohne dass dies gesetzlich geregelt ist, muss er allerdings anteilig oder ganz dafür aufkommen. So wie der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, spezielle Berufskleidung zur Verfügung zu stellen, müssen Arbeitnehmer diese im Umkehrschluss natürlich auch tragen. Außerdem darf sie nicht zweckentfremdet werden, sondern muss genau so genutzt werden, wie der Vorgesetzte es anordnet.

Das Tragen von Berufskleidung bringt natürlich auch einen gewissen zusätzlichen Aufwand mit sich. Die Kleidung darf aus hygienischen Gründen nicht außerhalb der Praxis getragen werden. Vielmehr wird sie zu Arbeitsbeginn in der Praxis angelegt und bei Arbeitsende auch dort wieder abgelegt. In Pausen, die außerhalb der Praxis verbracht werden, ist ebenso Privatkleidung anzulegen. Die Umkleidezeit selbst gehört zur normalen Arbeitszeit und muss entsprechend berücksichtigt und vergütet werden.

Richtiges Aufbewahren

Private Kleidung und Praxiskleidung sind immer getrennt voneinander aufzubewahren. Das kann durch eine Trennwand im Kleiderspint oder durch räumlich getrennte Schränke erfolgen. Bei sichtbarer Kontamination oder Verschmutzung muss die Arbeitskleidung umgehend gewechselt werden.

Richtiges Reinigen

Auch das Waschen bzw. die korrekte Reinigung von Arbeits- bzw. Schutzkleidung ist facettenreich. Einige Stücke der Schutzkleidung in Zahnarztpraxen sind klassische Einwegartikel, die nach dem Gebrauch entsorgt werden. Hierunter fallen beispielsweise Schutzhandschuhe sowie der Mund- und Nasenschutz. Schutzbrillen für die Augen werden gereinigt und desinfiziert. Je nach Modell und Hersteller kann alternativ eine maschinelle Aufbereitung erfolgen.

Etwas aufwändiger wird es allerdings hinsichtlich der restlichen Kleidungstücke, wie Shirts, Kittel, Schürzen, Hosen oder Pullis. Sind diese Bestandteile der eigentlichen Berufskleidung kontaminiert worden, so sind sie wie Schutzkleidung zu behandeln. Das bedeutet, sie dürfen nicht wie normale Alltagskleidung im Privathaushalt gewaschen werden. Nach chirurgischen Eingriffen, Operationen und in der Implantologie müssen sie nach jeder Behandlung zwingend gewaschen werden. Bei allgemeinen zahnärztlichen Behandlungen ist das Oberteil täglich, die Hose zwei Mal pro Woche zu wechseln. Prophylaxe-Mitarbeiterinnen wechseln das Oberteil sogar zwei Mal täglich, bei sichtbarer Verschmutzung jedoch sofort nach der Behandlung. Auch nach der Behandlung von Patienten mit einem bekannten Infektionsrisiko, sind die Textilien sofort auszutauschen.

Die Wäsche muss an dem Ort, an dem sie anfällt direkt sortiert werden. Abhängig vom jeweiligen Wasch- bzw. Behandlungsverfahren wird sie in gekennzeichnete Sammelbehälter eingeordnet. Als Sammelbehälter für die kontaminierte Kleidung eignen sich robuste, reißfeste und keimdichte Behältnisse oder verschließbare Säcke. Im Idealfall ist ein reiner Lagerraum für saubere Wäsche und ein unreiner Lagerraum für Schmutzwäsche, etc. vorhanden. Steht nur ein Raum zur Verfügung, muss in diesem eine räumliche Trennung zwischen reinen und unreinen Gegenständen vorgenommen werden.

Wäsche waschen: In der Praxis oder außer Haus?

Der Waschvorgang selbst erfolgt entweder in der Praxis oder in einer externen, zertifizierten Wäscherei, unter Anwendung spezieller desinfizierender thermischer bzw. chemo-thermischer Verfahren. Rein thermische Verfahren sind allerdings vorzuziehen. Sollte eine chemo-thermische Aufbereitung gewählt werden, sind desinfizierende Waschmittel gemäß der Empfehlungen der VAH-Liste oder der RKI-Liste zu benutzen. Die Anwendungskonzentrationen sind darüber hinaus zu beachten.

Wird die Wäsche außer Haus gegeben, so sollte auf die Erfüllung der Güte- und Prüfbestimmungen der Wäscherei geachtet werden. Das Unternehmen muss einen Nachweis für die „Sachgemäße Wäschepflege für Krankenhauswäsche“ erbringen. Diese entsprechende Eignung wird durch das Zeichen RAL-RG 992/2 belegt. Der anschließende Rücktransport der aufbereiteten Praxiswäsche muss zur Verhinderung einer Rekontamination hygienisch erfolgen.

Zahlreiche Studien belegen, dass sich antibiotika-resistente Bakterien in Waschmaschinen einnisten können. Erst kürzlich wurde von der Universität Bonn darüber hinaus nachgewiesen, dass antibiotika-resistente Erreger über Waschmaschinen sogar verbreitet werden können und es dadurch zur Übertragung der Keime auf Menschen kommen kann. Daher empfiehlt es sich, professionelle Industriewaschmaschinen in der Praxis einzusetzen. Diese verfügen über ein Desinfektionsprogramm und müssen regelmäßig validiert werden. Viele Bundesländer fordern dies bereits für die MKG-Praxen. Die Firma Miele beispielsweise bietet seit der IDS in Köln 2019 eine spezielle Waschmaschine für den Dentalbereich an, welche im Gegensatz zur herkömmlichen Haushaltswaschmaschine die geforderten Temperaturen und Haltezeiten exakt erfüllt.

Manche Maschinen haben nur eine Öffnung zum Beladen und Entladen der Wäsche. In diesen Fällen empfiehlt es sich, nach dem Beladen mit Schmutzwäsche, die kontaminierten Bereiche um die Öffnung herum mit einem Flächendesinfektionsmittel zu desinfizieren. Damit wird einer Kontamination der frisch desinfizierten Wäsche beim Entladen vorgebeugt.

Wäsche waschen: Aber wie?

Weiterhin einige Parameter wie die Waschtemperatur, die Einwirkzeit, das sogenannte Flottenverhältnis und die Lagerungsbedingungen einzuhalten. Ist die Kleidung kontaminiert, so muss sie bei 60 oder 95° gewaschen werden. Bei 60°-Waschgängen ist ein hygienisches Waschmittel anzuwenden. 95°-Waschgänge erlauben alternativ die Nutzung eines herkömmlichen Waschmittels. Das Flottenverhältnis indiziert die Relation von Wäschemenge zum Volumen der Waschlösung. Von der Benutzung eines Weichspülers ist grundsätzlich abzusehen. Die Trocknung der Wäsche erfolgt ausschließlich im Wäschetrockner oder im geschlossenen Raum, niemals aber draußen. Sowohl für die Waschmaschine, als auch für den Trockner ist ein nachweislicher Wartungsvertrag vorzulegen.

Wäsche, die steril in der Praxis zum Einsatz kommt, wird nach vorangegangenem Waschgang in einem Dampfsterilisator, inklusive einem Bowie Dick Indikator für Wäsche, in einer sachgerechten Verpackung aufbereitet. Auch hier besteht alternativ die Möglichkeit, auf Einmalartikel zurückzugreifen.

Die Aufbewahrung der aufbereiteten Wäsche erfolgt trocken und staubgeschützt in geschlossenen Schränken und zwar getrennt von der Privatkleidung der Mitarbeiter! Die Lagerzeit beträgt maximal sechs Monate.

Praxiswäsche = Personalschutz

Die persönliche Berufs- und Schutzkleidung ist ein wesentlicher Bestandteil des Personalschutzes in der Zahnarztpraxis. Allerdings ist dieser Schutz nur bei korrektem Einsatz gewährleistet. Die genauen Vorgehensweisen im Umgang damit müssen daher detailliert im Hygieneplan der Praxis verankert sein.

Dieser Beitrag ist in Zahnärztliche Assistenz erschienen.

Foto: nik macmillan - unsplash.com

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