Anzeige
Branchenmeldungen 29.03.2012

Kongressbericht „5. Landsberger Symposium“

Kongressbericht „5. Landsberger Symposium“

Auch wenn zurzeit von einigen Stellen eine Fortbildungsmüdigkeit in der Zahnärzteschaft beklagt wird, gelang es dem Team um Dr. Bayer aus Landsberg zum 5. Mal, ein erfolgreiches Symposium zum Thema der aktuellen Aspekte der Implantatbehandlung durchzuführen.

Wie in den letzten Jahren praktiziert, fand zunächst am Freitag ein Auftaktsymposium mit beschränkter Teilnehmerzahl in der Praxis Dres. Bayer, Kistler und Elbertzhagen statt, bei dem in diesem Jahr die aktuellen Konzepte der Sofortversorgung mit verschiedenen Vorträgen, zwei Live-OPs und abschließend einem Hands-on-Workshop demonstriert wurden. Hier konnten die Teilnehmer erfahren, wie zum einen bei einem Patienten mit reduziertem Zahnbestand die parodontologisch nicht mehr erhaltungsfähigen Pfeilerzähne entfernt und sechs Implantate im Oberkiefer mit angulierten Abutments versehen wurden, um so eine Sofortversorgung einzugliedern, ohne dass sich die Notwendigkeit der beidseitigen Sinusbodenelevationen mit der entsprechenden längeren Behandlungsdauer ergab. In der zweiten Operation wurde gezeigt, wie bei einer mehrspannigen Brücke durch den Einsatz spezieller präfabrizierter Bauteile auch Chairside ein Provisorium angefertigt werden konnte, sodass der Patient wieder mit einem Lächeln und einer festen Versorgung die Praxis verlassen konnte. Durch die Erweiterung der Praxis im letzten Jahr konnten die Teilnehmer dieses Jahr in den Genuss der HD-Videoübertragung gelangen, sodass jedes Detail live wahrgenommen wurde. Durch die praktische Arbeit am Phantom konnten die Teilnehmer die zuvor demonstrierten Behandlungskonzepte selbst üben, damit eine Umsetzung in der eigenen Praxis möglich wird.

Impressionen

Am nächsten Tag fand die Veranstaltung dann im historischen Stadttheater in Landsberg statt, wo die internationalen und nationalen Referenten auf die Bühne gebeten wurden. Durch die weitverzweigten Kontakte bei implantologisch tätigen Praktikern und Hochschullehrern konnte Priv.-Doz. Dr. Jörg Neugebauer wie im letzten Jahr wieder renommierte Referenten in die Kleinstadt am Lech einladen. Die Moderation erfolgte in üblicher charismatischer Weise durch Dr. Georg Bayer, der zu Beginn der Veranstaltung, die dieses Jahr unter dem Motto „Prothetik und Funktionstherapie“ stand, seinen Praxispartner Dr. Steffen Kistler als ersten Referenten begrüßen durfte. Unter dem provokativen Thema „Ästhetik – Zufall oder Standard“ zeigte er nicht nur aktuelle Fälle mit kurzfristigen Ergebnissen, wie es sonst doch oft auf Kongressen üblich ist, sondern erläuterte das heute praktizierte Behandlungskonzept besonders aufgrund der langjährigen Erfahrung aus der Landsberger Praxis und zeigte Fälle auf, die bereits vor 12 oder 15 Jahren operiert wurden. Hier wurden nicht nur die schönen Langzeitergebnisse gezeigt, sondern auch die Komplikationen und Misserfolge. Somit konnten die Teilnehmer anschaulich die Lernkurve an praktischen Beispielen nachvollziehen. Damit wurde klar, welches standardisiertes Vorgehen notwendig ist, um ästhetisch anspruchsvolle Indikationen zufriedenstellend zu versorgen.

Als zweite Rednerin konnte Frau Prof. Dr. Ingrid Grunert aus Innsbruck auf die Bühne gebeten werden. In der gewohnt galant österreichischen Art verband sie zum einen zahlreiche praktische Fälle mit den wissenschaftlichen Grundlagen und derzeit verfügbaren Studienergebnissen. Somit wurde auch dem Zuhörer deutlich, dass die Anwendung von Implantaten je nach angewendetem Protokoll unterschiedliche Ergebnisse aufzeigen kann. Ein organisatorisches Wagnis, aber letztendlich das Highlight der Veranstaltung, war Dr. Vincent Morgan aus Boston. Obwohl er seinen Vortrag auf Englisch hielt und keine Übersetzung angeboten wurde, hat kein Teilnehmer während des einstündigen Referates den Raum verlassen. Neben der eindrucksvollen Bilddokumentation zeigte sich natürlich auch die amerikanische Präsentationstechnik als sehr unterhaltsam und einprägsam, sodass er das Behandlungskonzept mit ultrakurzen Implantaten sehr verständlich präsentieren konnte. Damit konnte er aufzeigen, dass in vielen Fällen auf eine Augmentation verzichtet werden kann. Die prothetische Konzeption ist dabei sicherlich auf den amerikanischen Markt zugeschnitten, aber auch für die deutsche Zahntechnik sind hierdurch minimalinvasive Versorgungen denkbar.

Vor der Mittagspause war es dann Zeit, einen der Münchner Lokalmatadoren willkommen zu heißen. Dr. Wolf-Dieter Seeher erläuterte bei der doch sehr komplexen Thematik der Funktionsanalyse und Funktionsdiagnostik die praktischen Vorgehensweisen, die auch in einer allgemeinen Zahnarztpraxis umgesetzt werden können. Er hob besonders auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit ab, da gerade Patienten mit funktionellen Störungen oftmals nicht nur allein zahnmedizinisch betreut werden können.

Nach der Mittagspause stellte Dr. Wentaschek seine aktuellen Recherchen und Untersuchungen zur Implantataufbauverbindung vor. Als Mitglied der bekannten Mainzer implantologischen Forschungsgruppe richtet er seine Aktivitäten besonders auf die technischen Spezifikationen der Implantatkomponenten aus. Hier konnte er sehr eindrucksvoll nachweisen, dass die oftmals diskutierte Drehmomentanwendung zur Fixierung von Halteschrauben und Aufbauten unter physikalisch werkstoffwissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Aspekten als alleiniger Faktor irrelevant ist, da dieser Parameter nur einer von vielen Parametern für die Fixierung von Implantataufbauteilen ist. So hob er besonders darauf ab, dass weitere Designparameter neben der Halteschraube auch die Anschlussgeometrie des Implantates sind, um eine langzeitstabile Verankerung zu erhalten. Besonders forderte er, dass für eine stabile Versorgung bei dem definitiven Einsetzen des Aufbaues immer eine neue Halteschraube verwendet wird, da diese die beste Fixierungsmöglichkeit erlaubt, da noch kein Verschleiß vorliegt.

Als weiterer Vortragender aus dem universitären Bereich wurden von Prof. Dr. Gregor-Georg Zafiropoulos aus Düsseldorf die Möglichkeiten der Registrierung und Anfertigung von Zahnersatz vorgestellt. Durch die speziellen Anforderungen der Behandlung bei parodontal erkrankten Patienten zeigte er auf, dass auch bei veränderten Bisslagen eine schnelle Patientenakzeptanz der neuen Versorgung erreicht werden kann. Nach der Kaffeepause am Samstagnachmittag, bei wie den letzten Jahren gewohnten schönen Frühlingswetter, kamen dennoch alle Teilnehmer in den Theatersaal am Veranstaltungsort zurück, da jetzt ZTM und ZA Dr. Peter Finke auf die Bühne kam. Seine bühnenreife Vorstellung kam besonders durch seinen fränkischen Dialekt und die Symbiose als Zahntechniker und Zahnarzt an, da hier Probleme, die normalerweise in der Kommunikation zwischen Zahnarzt und Zahntechniker auftreten, sehr humorvoll präsentiert wurden und somit so manchem Zahnarzt die Augen öffneten. Durch das Anwenden von individualisierten für jeden Patienten individuell angefertigten Aufbauten kann das doch häufig vorkommende Risiko der Periimplantitis durch verbliebene Zementreste deutlich gesenkt werden. Des Weiteren interessiert ihn als Zahntechniker natürlich auch die besonders dann vom Zahntechniker zu erbringende Nacharbeit an der definitiven Versorgung ab dem Zeitpunkt der Eingliederung. Deshalb präsentierte er sein Konzept des Masterguides, wo an einem Kunststoffzahnersatz die Bisslage und Form der Zähne solange modifiziert wird, bis der Patient diese akzeptiert und keine Veränderungen mehr notwendig sind. Durch die computergestützte Fertigung kann dieses Provisorium dann 1:1 umgesetzt werden, sodass Nacharbeiten und Remontagen so gut wie nicht mehr anfallen.

Als letzte Redner hatte das Team Dr. Frank Kistler und Zahntechniker Stefan Adler aus der Praxis Dres. Bayer es natürlich dann schwer, gegen diesen sehr euphorischen und extrovertierten Vorredner anzukommen. Aber im Prinzip war dies für die beiden erfahrenen Referenten kein Problem, da sie durch ihre zahlreichen Falldemonstrationen mit der Anwendung von CAD/CAM-gefertigtem Zahnersatz die Zuschauer erneut in ihren Bann ziehen konnten. Hier wurde deutlich, dass die Anwendung von CAD/CAM-Technologien heutzutage die Anfertigung von hochwertigem, aber auch bezahlbarem Zahnersatz ermöglicht. Diese modernen Werkstoffe wie Titan- und Zirkonoxidkeramik können zum Einsatz kommen, ohne dass die Funktion oder Passung der Suprastruktur zu leiden hat.

Parallel zum Programm für die Zahnärzte fand auch ein Workshop für Zahnarzthelferinnen statt, der die Qualifikation zum Hygienebeauftragten ermöglicht.

Zum Ende der Veranstaltung blieben noch zahlreiche Teilnehmer bei der After-Work-Party im historischen Ambiente des Bürgertheaters der Stadt Landsberg zum kollegialen Gedankenaustausch, sodass alle mit einem zufriedenen und erweiterten Wissen nach Hause gehen konnten.

Das „6. Landsberger Symposium“ ist für den 19./20. April 2013 geplant. Dort liegt der Themenschwerpunkt auf den chirurgischen Aspekten und der Beherrschung von Komplikationen.

Foto: © Oemus Media AG
Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper

Anzeige