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Branchenmeldungen 17.08.2020

Mit emotionsloser Disziplin zum Doktortitel

Mit emotionsloser Disziplin zum Doktortitel

Eine Promotion ist kein Muss, aber ein verlockendes Vielleicht. Dabei ist der Weg zum Ziel wie eine Reise mit vielen Streckenabschnitten und Zwischenstopps. Ist es geschafft, ist das Hochgefühl gewiss und es bleibt eine lebenslange Errungenschaft. Wir haben zwei junge Zahnmediziner befragt, was sie zur Promotion bewogen hat und wie sie diese intensive Zeit geschafft haben.

Dr. Parkitny, Dr. Roth, warum haben Sie promoviert?

Dr. Parkitny: Für mich stand bereits zu Beginn des Zahnmedizinstudiums fest, dass ich promovieren möchte. Daher bewarb ich mich schon vor dem Physikum am Anatomischen Institut in Gießen, da ich mir auch eine humanmedizinische Arbeit vorstellen konnte und viele Doktorarbeiten in der Zahnmedizin an meinem damaligen Studienort meist erst nach bestandenem Examen vergeben wurden. Das hängt meines Erachtens damit zusammen, dass die jeweiligen Abteilungen der Zahnklinik Assistenten für die gesamte Assistenzzeit an sich binden möchten und dies über die Promotion dann tun. Promoviert habe ich auch, weil ich finde, dass ein Doktortitel eine positive Wirkung auf Patienten hat, auch wenn er keinesfalls anzeigt, ob man als Zahnärztin oder Zahnarzt kompetent ist oder nicht. Zudem ist der Weg zum Doktortitel eine einmalige Möglichkeit, in­tensiv an wissenschaftlicher Arbeit beteiligt zu sein. Schafft man es bis zum Ziel, profitiert man letztlich ein Leben lang davon, den Titel tragen zu können.

Dr. Roth: Auch für mich war die Promotion von Anfang an klar. Damals meinte ich, es gehöre einfach zum Arztberuf dazu. Mittlerweile sehe ich das aber nicht mehr so streng, weil auch ich gemerkt habe, dass akademischer Titel und fach­liches Können zweierlei Paar Schuhe sind.

Da mich zahnärztliche Implantologie und die Implantatpro­thetik schon immer interessiert haben, sprach ich den Lehrstuhlinhaber für Zahnärztliche Prothetik und Dentale Tech­nologie frühzeitig an und wählte ein Thema, welches sich mit der Retention von zementierten Suprakonstruktionen auf Implantatabutments befasst. Ich hatte somit ein sehr praxisnahes Thema gefunden.

Eine Doktorarbeit ist kein Zuckerschlecken: Was waren Ihre ganz persönlichen Hürden?

Dr. Roth: Das Schwierige am Schreiben einer Doktorarbeit ist, dass es nicht so linear verläuft wie beim Lernen. Wenn ich zum Beispiel eine Stunde etwas lerne, habe ich in der Regel doppelt so viel geschafft wie in einer halben Stunde. Das Geschaffte steht in einem logischen Verhältnis zur verwendeten Zeit. Bei der Niederschrift meiner Dissertation gab es aber Phasen, in denen ich in drei Stunden keinen ganzen Satz zusammenbrachte, weil ich eine bestimmte Quelle nicht fand oder einfach mit der Formulierung eines Zusammenhangs nicht weiterkam. Plötzlich platzte der Knoten und dann habe ich wieder drei Seiten in drei Stunden geschrieben. Mit dieser wechselnden Produktivität auf dem Papier umzugehen, war nicht leicht und eine wesentliche Erfahrung für mich aus dieser Zeit.

Dr. Parkitny: Schwierig wurde es für mich zu den Zeitpunkten, an denen mir das Untersuchungsmaterial ausging und ich so wertvolle Zeit verlor. Dabei war ich auf andere angewiesen und konnte selbst nicht auf diese Situation einwirken. Denn für meine Forschung habe ich Gewebeproben von Männern untersucht, die am Klinefelter-Syndrom erkrankt sind, und von transgenen Mäusen, im Hinblick auf Gefäßverän­derungen. Das Material war limitiert, da sich Männer zur Gewinnung des ­Untersuchungsmaterials Biopsieentnahmen unterziehen müssen und diese Proben dann von verschiedenen Instituten benötigt werden. Außerdem werden die Mäuse, deren Gewebe ich untersucht habe, nur begrenzt herangezüchtet. Diese Leerlauf-Phasen, während ich auf Materialnachschub wartete, waren meine größten Durststrecken. Und danach fiel es mir schwer, mich wieder neu zu motivieren. Auch wenn Versuche, die mich oft tagelange Arbeit kosteten, nicht auszuwerten waren oder mir dabei schlichtweg Fehler unterliefen, war ich natürlich erst mal geknickt. Man muss sich in solchen Momenten ziemlich emotionslos disziplinieren und ein-fach weitermachen. Nur so kommt man durch die Tiefen durch.

Und was würden Sie Promotions­anfängern im Rückblick raten?

Dr. Roth: Nichts aufzuschieben, auch wenn die Verlockung streckenweise wirklich groß ist. Meine Promotion durchzog alle meine zahnmedizinischen Phasen, also Vorklinik, Klinik, Staatsexamen und Assistenzzeit. Dabei habe ich gemerkt, dass das Aufschieben von Arbeitsschritten oder des Schreibens an sich, das Ganze in nur noch unproduktivere und härtere Stadien hob. Auch wenn es während Studium und Klinik sehr aufwendig ist, sich an die Doktorarbeit zu setzen, wird es später, nach einem achtstündigen Arbeitstag, ja nur noch härter. Ich glaube, dass hier die Motivation entscheidet – ist sie ausreichend vorhanden, kann man dem Verschiebungsdrang widerstehen und überwindet die Tiefen. Ansonsten wird die Luft dünn.

Schon prominente Vertreter des Doktortitels sind über Quellennachweise und Plagiatsvorwürfe gestolpert. Wie haben Sie sich hier abgesichert?

Dr. Roth: Das ist natürlich ein ganz wichtiges Thema bei der Doktorarbeit. Denn das falsche Zitieren verstößt gegen das Urheberrecht und ist somit strafbar. Der Doktortitel wäre weg und die Arbeit akademisch diskreditiert. Diese Konsequenzen entziehen einem vorsätzlichen Vorgehen jede Motivation. Die große Sorge beim Schreiben ist eher dahingehend, dass man dies versehentlich tut. Hier hilft ein Zitierprogramm wie Endnote, weil es nur korrekt einge­gebene Quellen akzeptiert.

Dr. Parkitny: Das falsche Zitieren von Quellen ist ein absolutes No-Go. Das Zitieren muss nach einem Schema und immer einheitlich erfolgen, beispielsweise beginnend mit dem Autor, dann das Erscheinungsjahr des Artikels, dann der Titel, zum Schluss die Zeitschrift mit Seitenangabe. Bei über zehn Seiten Quellenangaben wie in meiner Arbeit kann sich trotz Verwendung eines Zitierprogrammes ein Fehler einschleichen. Deshalb habe ich zusätzlich noch eine Plagiatserkennungssoftware verwendet. Sie scannt jedes Wort der Arbeit und vergleicht die Inhalte mit einer Datenbank aus wissenschaftlichen Arbeiten. Danach werden alle Stellen farblich markiert, die noch mal überprüft werden sollten. Diese Softwareprogramme erleichtern das Überprüfen immens und Fehler in der Quellendokumentation können und dürfen so eigentlich nicht mehr passieren.

In welchem Zeitraum haben Sie Ihre Promotion verfasst und hatten Sie finanzielle Unterstützung?

Dr. Parkitny: Das reine Verfassen, also das Schreiben, dauerte ungefähr ein Jahr. Dem gingen drei Jahre voraus, in denen ich Daten erhoben und alle Versuche durchgeführt habe. Ich hatte ein Stipendium für vier Monate erhalten, sodass ich unmittelbar nach bestandenem Examen noch die restlichen Versuche durchführen und mit dem Schreiben beginnen konnte, ohne mir Gedanken um meinen Lebensunterhalt machen zu müssen. ­Danach ging es mit der Assistentenstelle los und ich musste parallel zum Vollzeitjob an der Doktorarbeit weiterschreiben. Mein Stipendium war ein Forschungsstipendium, das mir mein Betreuer ermöglichte. Die zeitliche Begrenzung auf vier Monate legte ich im Prinzip alleine fest, da ich bereits eine Weiterbildungs­assistentenstelle in der Oralchirurgie in Aussicht hatte.

Dr. Roth: Ich habe mich erstmals im September 2013 bei meinem Doktorvater vorgestellt, die Verteidigung war dann im Dezember 2018. Es vergeht somit durchaus einige Zeit. Ein Stipendium habe ich nicht in Anspruch genommen. Im Nachhinein würde ich mir das aber überlegen, da ich von den Kosten, wie zum Beispiel für den Druck oder Fahrtkosten, sehr überrascht war. Zudem gab pünktlich drei Monate vor der Verteidigung mein Notebook den Geist auf und ich musste auch noch mal Geld investieren … ein Stipendium wäre da bestimmt hilfreich gewesen.

Das Interview ist in der dentalfresh erschienen.

Foto Teaserbild: fizkes – stock.adobe.com

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