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Branchenmeldungen 12.11.2020

Mieten statt kaufen: „Die Zahnpraxis der Zukunft“

Mieten statt kaufen: „Die Zahnpraxis der Zukunft“

Im Oktober 2019 eröffnete auf 450 Quadratmetern in Düsseldorf die erste „Zahnpraxis der Zukunft“. Welche Besonderheiten die Praxis unter dem Namen ZAP*8 auszeichnen und wie es sich innerhalb des neuen Praxismodells arbeiten lässt – darüber sprachen wir exklusiv mit der jungen Zahnärztin Anna Bernhardt. Sie ist seit Januar 2020 in der Praxis tätig.

Die ZPdZ ermöglicht jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten den Schritt in die Selbstständigkeit, ohne die finanzielle Belastung eines Praxiskaufes auf sich zu nehmen. Dabei fußt das Konzept auf den fünf Säulen Mietpraxis, Serviceleistungen, Digitalisierung, Wissenstransfer und Mentoring. Mehr Informationen unter: www.zpdz.de

Frau Bernhardt, Sie sind als eine von drei Praxisinhaberinnen seit Januar 2020 in der Düsseldorfer Zahnarztpraxis ZAP*8 tätig. Die Praxis wurde Ende 2019 als erste „Zahnpraxis der Zukunft“ der Öffentlichkeit präsentiert und ist ein Pilotprojekt der Zahnpraxis der Zukunft GmbH (ZPdZ). Wie müs-sen wir uns das Praxismodell der ZAP*8 vorstellen?

Unsere Praxis ZAP*8 ist eine Berufsausübungsgemeinschaft und nicht, wie es mancherorts fälschlicherweise verstanden wird, eine Kette. In der Praxis arbeiten momentan drei Behandlerinnen, meine Kolleginnen Gesa Schmidt-Martens, Anja Feller Guimarães und ich, sowie vier weitere Angestellte. Das Besondere an unserer Praxis ist, dass wir sie unter dem Schirm der „Zahnpraxis der Zukunft“ gegründet haben und damit die Praxisräumlichkeiten, die Ausstattung, das Equipment, wie zum Beispiel die Behandlungsstühle, und ausgewählte Services und Dienstleistungen mieten. Wir bezahlen also einen monatlichen Betrag für die Miete sowie die Nutzung der Ausstattung und Services an die Zahnpraxis der Zukunft GmbH, die wiederum von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und der ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft (ZA eG) gemeinsam ins Leben gerufen wurde. Die Praxisräumlichkeiten wurden 2019 komplett umgebaut und modernisiert. Damit ist die Praxis auf dem neuesten Stand – sowohl im modernen Innendesign als auch der dentalen Ausstattung und den digitalen Tools und Vernetzungslösungen.

Kannten Sie und Ihre Kolleginnen sich schon vor der Praxisgründung oder ist der Kontakt erst über das Projekt der ZPdZ entstanden?

Nein, wir kannten uns noch nicht. Jede einzelne von uns hatte von dem Angebot aus verschiedenen Richtungen gehört – ich zum Beispiel über meine Schwägerin, die bei der apoBank arbeitet und mir von dem neuen Praxismodell erzählt hatte. Wir haben dann im Vorfeld der geplanten Gründung natürlich ausführliche Gespräche mit der ZPdZ und auch untereinander geführt und für uns geprüft, ob wir uns sympathisch sind und uns das gemeinsame Arbeiten vorstellen können. Und das hat gepasst. Gestartet sind wir zu viert, eine Kollegin hat sich dann jedoch noch anders orientiert, sodass wir zum jetzigen Zeitpunkt zu dritt die Praxis führen.

Was hat Sie an der Idee der „Zahnpraxis der Zukunft“ gereizt?

Ich war bis Mitte November 2019 in einem Angestelltenverhältnis in Düsseldorf tätig, aber schon länger offen für Veränderungen. Als sich das Angebot der ZPdZ auftat, hat mich vor allem das Mietprinzip begeistert. Gerade am Anfang ist ja eine Praxisgründung mit hohen finanziellen Investitionen verbunden, mit Risiken, die man erst mal tragen muss. Da schien mir das Angebot der ZPdZ ein „sanfterer“ Start in die Niederlassung, bei dem man sich von Anfang an auf die Arbeit konzentrieren konnte. Wir, meine Kolleginnen und ich, mussten keine großen Finanzierungsentwürfe bei der Bank einreichen oder vielfache Genehmigungen einholen. Wir mussten kein Reinigungspersonal suchen oder uns umständlich in die Abrechnung reinfitzen. Das wurde und wird uns alles von der ZPdZ als Gesamtpaket angeboten. Gleichzeitig arbeiten wir in einem hochmodernen Umfeld, das uns zudem flexible Arbeitszeitmodelle ermöglicht. Ich arbeite zum Beispiel von Montag bis Donnerstag in zwei verschiedenen Zeitschichten; meine Kolleginnen, die beide schon Kinder haben, richten sich ihre Arbeitszeiten wieder anders ein. Natürlich schauen wir immer auch auf den Bedarf der Patienten. So haben wir an zwei Tagen in der Woche auch bis 20 Uhr geöffnet.

Neben der zeitlichen Flexibilität durch unser Dreierteam ermöglicht uns unsere Zusammenarbeit in der ZAP*8 auch fachlichen Austausch und Unterstützung. Das schätze ich sehr. Man ist nicht allein, sondern kann Fälle mit anderen besprechen oder sich gemeinsam fortbilden. Wir sind ja alle noch jung und lernen ständig dazu.

Wie viel Spielraum haben Sie als Behandlerinnen gegenüber der ZPdZ als Vermieter?

Einen großen Spielraum. Dieser wurde uns auch von Anfang an zugesagt. Das heißt, die ZPdZ hält sich aus dem täglichen Praxisgeschehen weitgehend raus. Wir machen, salopp gesagt, unser eigenes Ding, können uns aber bei Anliegen und Fragen natürlich jederzeit an das Unternehmen wenden. Das ist ein toller Bonus. Wenn wir in eine bestimmte Anschaffung, wie einen neuen Intraoralscanner, investieren möchten, müssen wir das nicht mit der ZPdZ abklären, sondern können es einfach tun. Alles andere würde auch der Form der Selbstständigkeit, in die wir ja alle mit der ZAP*8 gegangen sind, letztlich widersprechen.

Was ist, wenn Sie sich im Laufe der Zeit umentscheiden und doch andere Wege gehen möchten? Könnten Sie dann „einfach“ aus dem Modell aussteigen?

Ja, das ist möglich und weniger problematisch als bei anderen Praxisformen. Wir, die Praxisgründerinnen, haben als ZAP*8 einen Mietvertrag mit der ZPdZ und eine interne vertragliche Abmachung untereinander. Wenn der Fall eintreten sollte, dass jemand die Praxis verlassen möchte, ist das ohne große zeitliche und finanzielle Restverpflichtung möglich, und es können neue Inhaber nachrücken.

Sie sind derzeit eine reine Zahnärztinnen-Praxis. Ist das so gewollt?

Nein, das hat sich so ergeben. Das Praxismodell der „Zahnpraxis der Zukunft“ steht auch den Männern unseres Berufsstandes offen. Natürlich sprechen gerade der niedrigere Risikopegel und die flexible Arbeitszeiteinteilung Frauen mit Blick auf die Familiengründung besonders an, obwohl auch für Männer die Themen „Kind und Beruf“ und „Work-Life-Balance“ zunehmend relevanter werden. Insofern ist das Praxismodell der ZPdZ für alle attraktiv, Zahnärztinnen wie Zahnärzte, die in die Selbstständigkeit gehen wollen, ohne hohe Anfangsinvestitionen und mit einem dentalen Netzwerk im Rücken.

Stichwort Weiterbildung: Wie wird das in Ihrer Praxis umgesetzt?

Da unsere Praxis geräumig und modern ausgestattet ist, bietet es sich an, Fortbildungen direkt hier vor Ort durchzuführen. Das Ansinnen ist auch Teil der ZPdZ-Philosophie. Wir sind gerade noch in den Anfängen, aber theore-tisch können unsere Räumlichkeiten bis zu 20 Teilnehmer beherbergen, ob für Hands-on-Kurse, Tagungen oder Seminare. Auch für Live-OPs sind unsere Räume geeignet und die dafür notwendigen digitalen Voraussetzungen alle gegeben. Das heißt, externe Referenten können unsere Praxisräume mieten bzw. wir holen uns gezielt Referenten und Themen in die Praxis. Das ist ein spannendes Feld mit viel Potenzial nach oben. 

Das Interview ist in der dentalfresh erschienen.

Foto Teaserbild: Björn Giesbrecht

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