Branchenmeldungen 04.06.2026

Nachgefragt: Experten zum Thema: Knochen- und Weichgewebsmanagement



Das Management von Hart- und Weichgeweben zählt heute zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren der Implantologie. Im Fokus steht dabei längst nicht mehr allein eine osseointegrierte und funktionell stabile Implantatversorgung, sondern ebenso die langfristige Stabilität der periimplantären Gewebe, eine harmonische ästhetische Integration sowie die Prävention biologischer Komplikationen.

Nachgefragt: Experten zum Thema: Knochen- und Weichgewebsmanagement

Foto: Fajar – stock.adobe.com

Die folgenden Expertenstatements beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und vermitteln einen fundierten Überblick über aktuelle Konzepte und Entwicklungen.

Dr. Fabian Meinke, M.Sc., Privatpraxis Zaritzki Fine Dentistry


Minimalinvasive Strategien zur Rehabilitation

Die Implantologie steht seit Jahrzehnten im Spannungsfeld zwischen funktioneller Rehabilitation und möglichst minimalinvasivem Vorgehen. Gerade bei atrophierten Kieferabschnitten stellt die knöcherne Ausgangssituation häufig eine Herausforderung dar. Während vertikale Atrophien meist mit Knochenblock-Augmentationstechniken behandelt werden, bietet die horizontale Knochenatrophie ein breiteres Spektrum an operativen Alternativen.

Einen möglichen Behandlungsansatz bietet die sogenannte Bone-Split-Technik, bei der der schmale Alveolarkamm durch kontrollierte Osteotomie aufgedehnt wird, um Raum für die Implantatinsertion zu schaffen. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Nutzung des ortsständigen Knochens, wodurch zusätzliche Transplantationen oder Knochenblöcke in bestimmten Fällen vermieden werden können. Voraussetzung ist ein ausreichendes Knochenangebot in vertikaler Richtung. In Kombination mit einem Implantatsystem, das den Knochen aufdehnt anstatt ihn herauszubohren, kann der Bone-Split unter geeigneten Bedingungen eine Implantation ohne zusätzliche Knochenentnahme oder den Einsatz von Knochenersatzmaterial ermöglichen und so zu einem vorhersagbaren Ergebnis im Rahmen eines weniger invasiven Knochen- und Weichgewebsmanagements beitragen.

Bei der operativen Umsetzung ist jedoch insbesondere die Fraktur der bukkalen Knochenwand zu vermeiden; zudem kann eine zu hohe Primärstabilität eine Resorption des Knochens begünstigen. Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten weisen dennoch auf hohe Implantatüberlebensraten sowie einen reproduzierbaren horizontalen Knochengewinn bei gleichzeitig geringer Morbidität in entsprechend selektierten Indikationsbereichen hin.

Dr. Alexander Müller-Busch, Seminar- und Kongressreferent


Stabilität durch Einfachheit

Wenn wir über Knochen- und Weichgewebemanagement sprechen, reden wir über zwei essenzielle Säulen für den langfristigen Implantaterfolg. Das Knochenmanagement als Basis über die Osseointegration des Implantats und das Weichgewebemanagement als Schutzschild für eine langfristige gesunde und stabile periimplantäre Gewebestruktur. Jetzt stellt sich nur die Frage: Worauf kommt es hier an und wie können wir es praxisnah umsetzen? Das Schwierigste ist meiner Meinung nach, aktuell den Überblick zu behalten, die für sich beste Technik herauszufiltern und in der einen Praxis umzusetzen. Hier setzen wir auf unser Konzept, welches sich strikt an dem Motto „Keep it simple“ orientiert. So wissen wir heute, dass es beim Knochenmanagement vor allem auf drei Parameter ankommt: Ruhe, Raum und Zeit. Beim Weichgewebemanagement wissen wir, dass es einen deutlichen Vorteil bringt, das Gewebe möglichst frühzeitig zu stützen und zu erhalten. Somit liegt hier ein großer Vorteil aufseiten der Sofortimplantation, wobei besonders dem Provisorium oder den anatomischen Healing Abutments ein Großteil des Erfolgs zuzuschreiben ist. Bei allem müssen wir zwei Punkte in Einklang bringen: Theorie und Praxis.

Hierfür ist es wichtig, dass Sie ein passendes Konzept an der Hand haben, welches Sie in Ihrer Praxis umsetzen können. Wir setzen hier auf unserbewährtes Implantatkonzept „Simpl(e)y Perfect“, welches uns die sichere Behandlung von einfachen bis komplexen Fällen ermöglicht. In diesem Sinne „Keep it simple, but perfect!“

Dr. Steffen Kistler, Dr. Bayer & Kollegen


Weichgewebe im Fokus

Das moderne Knochen- und Weichgewebsmanagement befindet sich in einem tiefgreifenden Paradigmenwechsel. Vorbei sind die Zeiten, in denen wir Erfolg primär über das reine Volumen des augmentierten Knochens definiert haben. Heute wissen wir, dass die langfristige Ästhetik und biologische Stabilität an völlig anderen Stellschrauben hängen: an maximaler Gewebeschonung, maximaler mechanischer Ruhe und der unmittelbaren prothetischen Unterstützung der Weichgewebsarchitektur. In der Praxis bedeutet dies einen konsequent minimalinvasiven Ansatz. Jeder chirurgische Eingriff ist ein Trauma, das die Vaskularisation gefährdet. Unser Ziel muss es sein, Lappengrößen und Schnittdesigns so stark zu reduzieren, dass die Blutversorgung zu jedem Zeitpunkt intakt bleibt.Der Schlüssel zur vorhersagbaren Ästhetik liegt heute in der Sofortimplantation. Indem wir das Implantat unmittelbar nach der Extraktion platzieren, können wir das Weichgewebe von Tag eins an aktiv formen und stützen. Wenn eine direkte provisorische Krone aus Belastungsgründen nicht indiziert ist, nutzen wir hierfür ein individualisiertes Socket-Seal-Abutment. Dieses verschließt die Alveole perfekt, stützt das natürliche Emergenzprofil und schützt das eingebrachte Augmentat. Wir nutzen so die Biologie des Körpers, statt gegen sie zu arbeiten, und verhindern den Gewebekollaps von Anfang an.

Unterstützt wird dieser Workflow durch die moderne digitale Planung. Während früher fast ausschließlich das Knochenangebot im Fokus der dreidimensionalen Diagnostik stand, rückt das finale Weichgewebsprofil heute bereits im Planungsprozess ins Zentrum. Wir planen von der gewünschten Schleimhautkontur rückwärts zum Implantat.

Kurzum: Erfolgreiches Gewebemanagement ist die perfekte Symbiose aus digitaler Weichgewebsplanung, chirurgischer Präzision und sofortiger prothetischer Gewebestützung.

Implantologie Journal 04/26

Implantologie Journal


Dkeser Beitrag ist im IJ Implantologie Journal erschienen.

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