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Branchenmeldungen 03.03.2015

Neu – Interessant – Innovativ: Diskussionsforum in St. Anton

Neu – Interessant – Innovativ: Diskussionsforum in St. Anton

Vom 7. bis 13. Februar 2015 fand bereits zum 34. Mal das internationale Symposium für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Oralchirurgen, Zahnärzte und Kieferorthopäden im österreichischen St. Anton am Arlberg statt, bei dem einmal mehr unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dr. Peter Kessler, Maastricht, aktuelle Themen und Neuerungen in Vorträgen und Workshops diskutiert wurden.

Innovationen und konzeptionelle Veränderungen im Bereich der Augmentation und Implantologie machten den Anfang. Dr. N. Lie aus Maastricht zeigte erste Ergebnisse einer tierexperimentellen und klinischen Studie zur Augmentation des Sinus maxillaris durch Einbringen einer formstabilen Polylactid-Membran ohne Knochenersatzmaterialien. Ein Comeback der titanverstärkten ePTFE Membran konnte Dr. Dr. Norbert Haßfurther aus Wettenberg überzeugend darstellen. Dr. Ernst Fuchs-Schaller aus Zürich demonstrierte eine minimalinvasive Bone-splitting-Technik mit Piezosurgery und simultaner Implantation. Weiterhin wurden Augmentationen mit autologem Knochen oder Knochenersatzmaterialien und hier insbesondere allogenem Knochen kritisch diskutiert. Prof. Dr. Dr. Elmar Esser aus Osnabrück konnte zeigen, dass eine kontrollierte Prozesskette und validierte Aufbereitungs- und Sterilisationsverfahren nach Arzneimittelgesetz (AMG) gesetzlich vorgeschrieben sind und allogenen Knochen von zugelassenen Gewebebanken zu einem sicheren Therapieverfahren mit Rationalisierungs- und Standardisierungseffekten machen. Er betonte, dass die Risiken des allogenen Gewebetransfers in der Regel aufgrund des in Deutschland nicht zugelassenen (nicht-sterilisierten) frisch gefrorenen Knochenmaterials (FFBA) diskutiert werden. Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas aus Mainz dagegen stellte die Qualität des Spenderknochens in Frage (z.B. Bisphosphonate) und sah Infektionsrisiken und Antigenität als entscheidende Ablehnungskriterien. Dr. Tobias Fretwurst aus Freiburg wies aufgrund nachgewiesener Zellen und DNA-Nachweis auf eine mögliche Antigenität hin, obwohl eine entsprechende klinische Relevanz als sehr fraglich erscheint.

Ein Verzicht auf einen Knochenaufbau bei reduziertem Knochenangebot bedeute jedoch nicht zwangsläufig schlechtere Behandlungsergebnisse. Dr. Waldemar Reich aus Halle stellte hierzu einen beachtenswerten Ansatz mittels eines expandierbaren Implantates im Sinne einer Spreizschraube vor. Auch können Zygomaimplantate im hochatrophen Oberkiefer eine ausgezeichnete Versorgungsmöglichkeit darstellen, was Dr. Dr. Alfons Eißing aus Lingen bewies. Prof. Dr. Dr. Elmar Esser gab eine zusammenfassende Darstellung der non-augmentativen Verfahren von unterdimensionierten über angulierte Implantaten und Zygomaschrauben bis hin zur chirurgischen Lagerkonditionierung.

Hierbei kann auch die navigierte Implantation mittels 3-D-Planung und Bohrschablonen oder in computerbasierter Echtzeitkontrolle helfen, das Knochenangebot voll auszunutzen, wie Dr. Kurt Dawirs aus Essen und Prim. Univ.-Doz. DDr. Oliver Ploder aus Feldkirch aufzeigten.

Aber auch aktuelle Therapieempfehlungen bei antikoagulierten Patienten wurden durch Priv. Doz. Dr. Gerold Mönnig aus Münster in einem hochinteressanten und kurzweiligen Vortrag ausgiebig aufgearbeitet, wobei dieser insbesondere auf die Risikoabwägung zwischen einem potentiell lebensgefährlichem Thromboembolierisiko durch Reduktion oder Absetzen der antikoagulativen Therapie gegenüber einer regelhaft beherrschbaren Nachblutung bei Zahnextraktionen hinwies.

Prof. Dr. Dr. Arnulf Baumann aus Wien stellte in seinem Vortrag über Bisphosphonate die therapieauslösende Grundkrankheit in den Vordergrund. Müssen Zähne extrahiert werden, so sollte man dies unter antibiotischer Prophylaxe bis zum Abschluss der Wundheilung und mit primärer Deckung der Alveole, am besten ohne Deperiostierung durchführen. Eine kritische Würdigung erfuhr die aktuelle Leitlinie zur Entfernung von Weisheitszähnen durch Dr. Alexander Dittmar aus Koblenz. Er stellte heraus, dass die empfohlene präoperative Single-Shot-Antibiotikaprophylaxe nur durch eine geringe Studienanzahl belegt werden kann.

Themenkreis MKG-Chirurgie

Prof. Dr. Dr. Jörg Handschel aus Düsseldorf stellte die geminderte Radikalität der Lymphadenektomie beim „N1-Hals“ aufgrund eigener Studienlage zur Diskussion.

Dr. Dr. Pit Voss aus Freiburg zeigte eine Möglichkeit zur endoskopisch assistierten Reposition und Osteosynthese der Collumfraktur, wie auch eine Machbarkeitsstudie zur Verwendung des Da-Vinci Systems bei der Versorgung von Unterkieferfrakturen. Äußerst interessante Ansätze zur Lehre und Nachwuchsgewinnung in der MKG-Chirurgie wurden von Priv.-Doz. Dr. Dr. Marco Rainer Kesting und Dr. Dr. Florian Bauer aus München präsentiert. Diese entwickelten einen detailgetreuen Modell-OP-Situs für Studentenkurse und OP-Übungen, was nachhaltig und objektiv die Begeisterung der Studentenschaft für die MKG-Chirurgie steigerte.

Aktuelle Möglichkeiten in der Kieferorthopädie

Auch die Kieferorthopädie kam nicht zu kurz. Hier wurden in verschiedenen Vorträgen Möglichkeiten zur transversalen Expansion des Oberkiefers sowie auch Konzepte zur Betreuung von Spaltpatienten vorgestellt (Dr. Heinz Winsauer, Bregenz, Priv.-Doz. Dr. Dr. Andreas Kolk, München, OÄ Dr. Dr. Silvia Brunold, Feldkirch, Prof. Dr. Adriano Crismani, Innsbruck). OÄ Dr. Gudrun Lübberink aus Düsseldorf erläuterte die aktuellen Möglichkeiten in der Kieferorthopädie zur Umsetzung ästhetisch intendierter Behandlungsziele. Prof. Dr. Dr. Peter Kessler analysierte Verfahren der sagittalen Unterkieferspaltung. Prim. Univ.-Doz. DDr. Oliver Ploder aus Feldkirch verwies auf die Bedeutung einer intensiven Planung bei orthognathen Eingriffen. Prof. DDr. Clemens Klug aus Wien berichtete über das maxillo-mandibuläre Advancement bei obstruktiver Schlafapnoe, während Prof. Dr. Dr. Esser die prädiktiven Möglichkeiten des DVT und der 3-D-Volumetrie bei protrusiven OSA-Therapieansätzen darstellte.

Insgesamt bot das 34. Symposium einen mit weiteren Themen zu Implantologie, Implantatprothetik, Traumatologie, Onkologie und Rekonstruktive Chirurgie sowie Praxismanagement, einen repräsentativen Querschnitt zu aktuellen Themen der angesprochen Fachgebiete. Die Industrieworkshops waren durchgängig hochinteressant und fanden daher trotz extrem guter Witterungsbedingungen für Outdoor-Aktivitäten eine hohen Zuspruch. Ein Eröffnungsabend und Eisstockschießen gaben reichlich Gelegenheit zu entspannten kollegialen Gesprächen.

Auch im Jubiläumsjahr 2016 werden die Organisatoren zu ebenso spannenden wie qualitativ hochwertigen Vorträgen mit profilierten Referenten und Moderatoren einladen.

Das 35. Internationale Symposium für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Oralchirurgen, Zahnärzte und Kieferorthopäden findet vom 31. Januar bis 5. Februar 2016 in St. Anton statt.

Autor: Dr. Christian Schmidt 

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