Branchenmeldungen 08.02.2021

Zahnärztliche Fortbildung & Weiterbildung 2021

Zahnärztliche Fortbildung & Weiterbildung 2021

Foto: LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com

Die fachliche Fortbildung gehört zur zahnärztlichen Berufsausübung dazu, auch in Krisenzeiten. Denn Krise oder „neu normal“ – jede Behandlerin und jeder Behandler sollten immer auf dem bestmöglichen Wissens- und Ausübungsstand sein, um Patienten optimal und lösungsorientiert zu versorgen. Doch wie so vieles hat 2020 auch die zahnärztliche Fortbildung ausgebremst. Die BZÄK gibt einen Überblick über derzeit geltende Vorgaben und Möglichkeiten.

Berufs- und Sozialrecht – in erster Linie Verpflichtung, aber auch Pflicht

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Zahnärzteschaft sich in der Regel sehr aktiv fortbildet. Dazu werden viele unterschiedliche Fortbildungsangebote genutzt. Denn eine freiwillige und selbstbestimmte zahnärztliche Fortbildung dient schon immer der Festigung und Weiterentwicklung der fachlichen Kompetenz nach dem Stand der Wissenschaft. Die Verpflichtung zur Fortbildung ist in der Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und den Berufsordnungen der (Landes-)Zahnärztekammern berufsrechtlich fixiert. Im Sinne einer möglichst liberalen und flexiblen Regelung existieren mehrere Formen der Fortbildung, die als modulares System international vergleichbar, integrierend, zum Teil aufeinander aufbauend, aber auch nebeneinander, dem Berufsstand angeboten werden. Zahnärztliche Fortbildung ist ein wesent­liches Instrument der Qualitätssicherung in der Zahnmedizin.

Zusätzlich zur Verpflichtung über das Berufsrecht hat der Gesetzgeber seit 2004 die Fortbildungspflicht auch im Sozialgesetzbuch geregelt: Der ­§ 95d SGB V enthält die Vorgabe für den Vertragszahnarzt, sich in dem Umfang fachlich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Fortentwicklung der zu einer Berufsausübung in der vertragszahnärztlichen Versorgung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist. Jeder Vertragszahnarzt muss alle fünf Jahre seiner KZV gegenüber nachweisen, dass er dieser Pflicht nachgekommen ist.

Darüber hinaus besteht gemäß der Fachkunderichtlinie im Strahlenschutz alle fünf Jahre die Pflicht zur Kursteilnahme zum Erwerb der Fachkunde im Strahlenschutz bei der zuständigen Landeszahn­ärztekammer.

Leitsätze zur Fortbildung und Hinweise zur Punktebewertung

Die „Leitsätze der Bundeszahnärztekammer, der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und der Kassenzahnärztlichen Bun­desvereinigung zur zahnärztlichen Fortbildung“ regeln die allgemeinen Fortbildungsinhalte, die Fort­bildungsmethoden, das Qualitätsmanagement und die Organisation von Fortbildungsmaßnahmen. Zu­dem werden die Relevanz der Fortbildungsinhalte sowie die Sicherung der Unabhängigkeit zahnärzt­licher Fortbildung beschrieben. Die Leitsätze werden regelmäßig von BZÄK, DGZMK und KZBV gemeinsam aktualisiert.

Die Punktevergabe für besuchte Fortbildungsver­anstaltungen erfolgt auf Grundlage der Kriterien zur „Punktebewertung von Fortbildung BZÄK/DGZMK“. Derzeit müssen mindestens 125 Fortbildungspunkte innerhalb von fünf Jahren gesammelt und zum Nachweis fristgerecht bei der KZV eingereicht werden. Für das Selbststudium von Fachliteratur werden zehn Punkte pro Fortbildungsjahr angerechnet.

Erbringt eine Vertragszahnärztin oder ein Vertragszahnarzt den erforderlichen Nachweis nicht, kürzt die KZV den gesetzlichen Vorgaben entsprechend den Vergütungsanspruch für die ersten vier Quartale, die auf den Fünfjahreszeitraum folgen, um ­zehn Prozent, ab dem fünften Quartal um 25 Prozent. Fehlende Nachweise können innerhalb von zwei Jahren nachgereicht werden.

Übrigens besteht für die Vorbereitungs-, Entlastungs- und Weiterbildungsassistentenzeit sowie die Zeit des Mutterschutzes und die Elternzeit keine Nachweispflicht von Fortbildungspunkten – alle Fragen rund um die Anerkennung von Punkten be­antworten Ihnen detailliert die Kammern und KZVen vor Ort.

Online-Fortbildungen – Wie erfolgt die Punktevergabe?

Digitale Face-to-face-Fortbildungsangebote in Echtzeit, die z. B. auf Videokonferenzplattformen angeboten werden, werden analog zu den Präsenzfortbildungen bepunktet, das heißt einen Punkt pro 45 Minuten Fortbildung und maximal acht Punkte pro Tag. Dabei muss sowohl der/die Vortragende als auch der/die sich Fortbildende jeweils per Kamera/Chat miteinander inter­agieren können, damit die physische Anwesenheit des Fortbildungsteilnehmenden sichergestellt ist.

Online-Fortbildungen, als reine E-Learning- oder zeitversetzte Streaming-Angebote, müssen immer mittels eines Wissenstests abgeschlossen werden. Absolviert der/die Teilnehmende den Wissenstest erfolgreich, erhält er/sie zwei Fortbildungspunkte.  Der absolvierte Wissenstest ist neben der Registrierung ein wichtiges Indiz dafür, dass der/die Teilnehmende bei der Fort­bildung präsent war.

Fortbildungsformen und -möglichkeiten

Als anerkannte Fortbildungsformen gelten:

 Fortbildungsveranstaltungen (z. B. Kongresse, Seminare, Kurse, Kolloquien, Übungen)

 Klinische Fortbildungen (z. B. Visiten, Hospitationen und Fallvorstellungen)

 Interkollegiale Fortbildung wie Qualitätszirkel oder Studiengruppen

 Mediengestütztes Eigenstudium (Fachliteratur, elektronische, internetbasierte, digitale Lehr- und Lernmittel)

 Curricular vermittelte Inhalte, z. B. in Form strukturierter Fortbildung (siehe dazu auch weiter unten).

Kammern, KZVen und die wissenschaftlichen Fachgesellschaften der DGZMK (hier z. B. über die APW – www.apw.de), aber auch private Anbieter offerieren jedes Jahr eine Vielzahl von Fortbildungsmöglichkeiten. Übersichten finden sich auf den einschlägigen Internetseiten.

Strukturierte Fortbildung: Curricula

Zahnärztinnen und Zahnärzte besuchen häufig strukturierte Fortbildungsangebote. Diese werden durch Zahnärztekammern als auch wissenschaftliche Fachgesellschaften nach curricularen Vorgaben in Verbindung mit konkreten Regularien und einem qualifizierten Abschluss mit der Erlangung eines Zertifikates in wissenschaftlich definierten Teilbereichen der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (z. B. Implantologie, Parodontologie, Endodontie, Restaurative Zahnheilkunde etc.) angeboten. Diese Curricula sind fachlich zwischen den Kammern und DGZMK/APW abgestimmt, jeweils auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand und gegenseitig anrechenbar.

Tätigkeitsschwerpunkte

Zum Erwerb eines Tätigkeitsschwerpunktes muss i. d. R. ein Curriculum oder eine strukturierte, zertifizierte Fortbildung in einem bestimmten zahnmedizinischen Teilbereich absolviert werden. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt kann dann im Rahmen einer Selbstauskunft besondere Kenntnisse, Fähigkeiten und eine nachhaltige Tätigkeit im gewählten Tätigkeitsschwerpunkt, neben seiner Berufsbezeichnung, ausweisen. Dafür ist keine Genehmigung durch die Zahnärztekammer erforderlich. Die besonderen Kenntnisse und Fertigkeiten müssen jedoch vom Zahnarzt auf Nachfrage nachgewiesen werden können. Einzelne Kammern haben Festlegungen zur Führung von Tätigkeitsschwerpunkten getroffen.

Postgraduale Qualifikationen

Neben den sogenannten Spezialistenprogrammen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften haben sich an den deutschen Hochschulen in den letzten Jahren auch postgraduale Masterprogramme etabliert. Diese Angebote laufen berufsbegleitend, zum Teil mit neuen Lehrinhalten und Lehrformen. Derzeit werden etwa 20 Masterprogramme beschrieben, die mit einem „Master of Science“ abschließen.

Weiterbildung zum Fachzahnarzt

Die zahnärztliche Weiterbildung dient – anders als die Fortbildung – der Spezialisierung der Zahnärztin oder des Zahnarztes auf einem Teilgebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Die Qualifizierung als Fachzahnärztin oder Fachzahnarzt ist in den Teilgebieten Oralchirurgie, Kieferorthopädie, öffentliches Gesundheitswesen, Parodontologie (nur im Kammerbereich Westfalen-Lippe) und Allgemeine Zahnheilkunde (nur im Kammerbereich Brandenburg)  möglich. Die rechtlichen Grundlagen regeln die Weiterbildungsordnungen der Kammern auf Grundlage der Muster-Weiterbildungsordnung der BZÄK.

Weitere Informationen zu den erwähnten Fortbildungsangeboten der Länder unter: www.bzaek.de/berufsausuebung/fort-und-weiterbildung/fortbildungsangebote-der-landes-zahnaerztekammern

Der Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

Online statt vor Ort: Das Angebot der ZWP online CME-Community nutzen

Aufgrund der aktuellen Situation ist es gerade schwer, sich weiterzubilden und die von der Bundeszahnärztekammer geforderten CME-Punkte einzureichen.

Eine Alternative stellen jedoch Online-Fortbildungen dar, wie sie auf ZWP online als zertifizierte Fachbeiträge, archivierte Operationen, Tutorials oder jetzt neu – als Web-Tutorials im Livestream – angeboten werden. Das Online-Angebot kann individuell entweder zum Zeitpunkt der Ausstrahlung verfolgt oder im Nachhinein genutzt werden. Dazu ist lediglich ein Computer, Tablet oder Smartphone mit Internetzugang notwendig – der Ort und die Zeit ist frei wählbar und dem aktuellen Tagespensum anpassbar.

Laut den Leitsätzen zur zahnärztlichen Fortbildung der Bundeszahnärztekammer in Zusammenarbeit mit der KZBV und der DGZMK dürfen maximal 8 CME-Punkte pro Tag eingereicht werden. So ergeben sich beim Besuch einer zweitägigen Präsenzveranstaltung 16 CME-Punkte. Da aktuell keine Kongresse und Seminare stattfinden, kann der gleiche Umfang an Fortbildungspunkten online erworben werden. So gibt es in der ZWP online CME-Community durch das Studium eines CME-Fachbeitrages mit anschließender Beantwortung der zehn CME-Fragen insgesamt zwei Fortbildungspunkte. Für das Anschauen der OPs, Tutorials und Web-Tutorials mit anschließender Beantwortung von fünf CME-Fragen können Zahnärzte einen CME-Punkt erhalten. So lässt sich auch in den heimischen vier Wänden ein Kongresstag simulieren.

Um sich mit Kollegen und Referenten auszutauschen, sind Präzensverantaltungen natürlich ideal. Doch auch hier hat die ZWP online CME-Community eine Alternative parat: Während der Liveübertragungen ist es durch einen Chat möglich direkt Fragen an den Referenten zu stellen, die dieser im Anschluss an seinen Vortrag oder die OP beantwortet. Auch während der Übertragung auf Facebook können sich Zahnärzte in den Kommentaren mit anderen Usern austauschen und diskutieren. Fragen an den Referenten werden ebenfalls sofort weitergeleitet und anschliessend beantwortet. Ebenso ist ein direkter Kontakt zum Referenten in der Regel über E-Mail möglich und gewünscht.

Nutzen Sie das vielfältige Fortbildungsangebot auf ZWP online und frischen Sie Ihren Wissensstand auf!

Hier geht es zu den CME-Fachbeiträgen, Web-Tutorials und Livestreams.

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